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Der Dinosaurier aus der Zukunftsfabrik

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Neue S-Klasse von Daimler - Der Dinosaurier aus der Zukunftsfabrik

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Auch vor sieben Jahren stand es schlecht um Daimler. Auch damals brachte sie die Wende. Leitete goldene Jahre ein. Dies soll sie nun im besten Fall wieder tun. Die neue S-Klasse.

Die neue S-Klasse von Mercedes am 02.09.2020 in Sindelfingen
Die neue S-Klasse von Mercedes
Quelle: dpa

Sie ist der Stolz der Daimler-Ingenieure und für die meisten von ihnen "das beste Auto der Welt". Gleichzeitig zeigt sie, wie kaum ein anderes Modell, das Dilemma der deutschen Autoindustrie auf: die S-Klasse. 

Gigant mit mieser Ökobilanz

Gebaut wird sie in der Fabrik, in der sie auch vorgestellt wird. In Factory 56. Einer nagelneuen, komplett digitalisierten und vernetzten CO2-neutralen, transparenten Hightech-Halle in Sindelfingen. Für 730 Millionen Euro hat Daimler die Fabrik in gut zwei Jahren aus dem Boden gestampft. 1.500 Beschäftigte sollen dort in zwei Schichten an ergonomisch optimalen Stationen arbeiten. Die Effizienz soll um 25 Prozent gesteigert werden. 

Allerdings zunächst für ein Auto, welches wie kaum ein anderes die Vergangenheit der Autoindustrie verkörpert. In der billigsten Variante für 89.000 Euro zu haben, in der teuersten kostet sie über 200.000 Euro. Eine Eigentumswohnung auf Rädern, mit 630 PS, 14 Litern Verbrauch und zwei Tonnen schwer. Ein Gigant der Straße mit mieser Ökobilanz. 421 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit auf der Effizienzskala mit einem "G" versehen. Dem schlechtesten Siegel.

Modell von gestern soll das Morgen sichern helfen

Was sich in Zeiten des Klimawandels nach Anachronismus anhört, ist für den Konzern von fast existentieller Bedeutung. Das Modell von gestern soll nämlich dem Konzern das Morgen sichern helfen. 1,7 Milliarden Euro Verlust allein im ersten Halbjahr 2020. Mehr als 20.000 Stellen sollen weltweit gestrichen werden.

Die Corona-Krise verschlimmert die Lage des Autokonzerns.

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Deshalb muss die S-Klasse auch in dieser Form jetzt auf den Markt. Denn sie bringt Ertrag wie kein zweites Modell. Schätzungen zufolge 15.000 bis 20.000 Euro pro Fahrzeug. Bei durchschnittlichen Verkäufen von an die 100.000 Stück im Jahr, könnte die S-Klasse gut zwei Milliarden Euro einbringen. Mehr als nur ein warmer Regen.

Dieses Geld braucht der Konzern dringend, um den Umstieg auf Elektroautos finanziell zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu sichern. In weniger als einem Jahr soll nämlich auch der EQS aus der Factory 56 rollen. Er ist das vollelektrische Gegenstück der S-Klasse. Ob der "Dinosaurier aus der Zukunftsfabrik" dann den Konzern mal wieder gerettet hat und ob der EQS dann nicht zu spät kommt, um die Teslas dieser Welt in die Schranken zu weisen, wird sich spätestens dann zeigen.

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