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Klimawandel und Davos - Denken die Wirtschaftsbosse plötzlich grün?

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Der Klimawandel birgt auch für Unternehmen Gefahren. In Davos machen sich viele Wirtschaftsbosse für Klima und Nachhaltigkeit stark - nicht ohne Kalkül.

Archiv: Solaranlage in Davos am 14.12.2019
Solaranlage in Davos: Nachhaltigkeit ist ein Topthema auf dem Weltwirtschaftsforum.
Quelle: Imago

In Davos stehen anscheinend viele Ampeln auf Grün: Die internationale Wirtschaftselite will beim Klimawandel ab sofort voranpreschen. Es gibt kaum einen Konzernchef bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF), der sich nicht als progressiver Anpeitscher gibt, keinen Manager, der nicht das Potenzial klimafreundlicher Geschäftsmodelle hervorhebt.

Mehr als 140 Wirtschaftsbosse haben sich in einer Initiative des WEF verpflichtet, sich auf einheitliche Kennzahlen für Investments in nachhaltige Anlageformen zu einigen. Mitwirken wollen auch die vier großen Wirtschaftsprüfer Deloitte, EY, KPMG und PwC.

Bei Unternehmern gebe es Ängste, die Debatte um den Klimawandel könne "nicht mehr beherrschbar" werden, berichtet ZDF-Korrespondent Stefan Leifert aus Davos.

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Naturkatastrophen schaden dem Geschäft

"Als Konzernchefs wollen wir langfristige Werte für unsere Anteilseigner schaffen, indem wir stabile Renditen abliefern und indem wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell schaffen, das langfristige Gesellschaftsziele adressiert", kündigt etwa Brian Moynihan an, Chef der US-Großbank Bank of America.

Wir müssen festhalten, dass Klimarisiken auch Investitionsrisiken sind.
Philipp Hildebrand, Blackrock

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock, der Anteile an rund 2.500 Unternehmen hält, will diese dazu bringen, grünen Investments Vorrang zu geben. "Wir müssen festhalten, dass Klimarisiken auch Investitionsrisiken sind", sagte Vizechef Philipp Hildebrand den ARD-"Tagesthemen".

Naturkatastrophen sind eine Gefahr fürs Geschäft, deshalb stellen Firmen verstärkt ihre Modelle um. Ganz sieht es so aus, als wollte die versammelte Wirtschaftselite einem größeren Eingriff durch die Politik zuvorkommen. Investitionen in Kohle, Öl, Waffen und Tabak gelten vielen mittlerweile als verpönt, mögen die Renditen noch so hoch sein.

Von der Leyen setzt auf Unternehmer

"Wir sehen weltweit diesen Druck", sagt Rich Nuzum, Chef-Investmentberater für Großkunden beim Beratungsunternehmen Mercer. Strafen wegen Fehlverhaltens schlagen zudem direkt auf den Unternehmenswert durch, unterstreicht UBS-Investmentchef Mark Haefele.

Es ist das erste Mal, dass die Wirtschaft den Ton angibt und die Regierungen hinterherhinken.
Oliver Bäte, Allianz

"Es ist das erste Mal, dass die Wirtschaft den Ton angibt und die Regierungen hinterherhinken", sagte Allianz-Chef Oliver Bäte und sah die Politik unter Handlungsdruck. "Wir diskutieren immer Pläne für den Kohleausstieg, aber wir diskutieren nur den Zeitpunkt und nicht die nötigen Schritte."

Jüngst hätten 44 der größten europäischen Investoren die Europäische Union aufgefordert, den Klimaschutz zum Gesetz zu machen, attestiert Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Diese stünden für sechs Billionen Euro an investiertem Vermögen. "Sie wollen dieses Gesetz. Sie sagen, es gibt ihnen das Vertrauen, die Rechtssicherheit und Verlässlichkeit, die sie für langfristige Investitionen brauchen."

Gewinnmaximierung - eine "Obsession"

Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wirtschaft noch immer in Umweltsünder investiert. Laut einer Studie von Greenpeace haben Banken seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 rund 1,4 Billionen US-Dollar (1,26 Bio Euro) in fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas gesteckt. Trotzdem nimmt auch Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan vor allem Regierungen in die Pflicht. "Es ist tatsächlich die Politik, die uns hier zurückhält", sagt sie. Regierende sollten sich mit Experten und der Zivilgesellschaft zusammensetzen, um zu klären, was zu tun ist.

Aus der Wirtschaft selbst kommen mitunter noch deutlich schärfere Kommentare. "Kapitalismus, wie wir ihn kennen, ist tot", urteilt Marc Benioff, Chef des US-Softwareriesen Salesforce. Die "Obsession" mit der Gewinnmaximierung allein für Anteilseigner habe zu einer Ungleichheit geführt, die einem globalen Notstand gleichkomme.

Kapitalismus hat versagt, weil er sich auf kurzfristige Profitabilität und Erfolg fokussiert.
André Hoffmann vom Schweizer Roche

Ähnlich äußert sich André Hoffmann, Vizepräsident des Schweizer Pharmagiganten Roche: "Kapitalismus hat versagt, weil er sich auf kurzfristige Profitabilität und Erfolg fokussiert". Firmen sollten nicht nur an ihren Finanzen gemessen werden, sondern daran, wie sie ihre Ressourcen im Sinne der Gemeinschaft einsetzen. Aus Sicht von Wirtschaftsexperten könnte der Trend zur Nachhaltigkeit insbesondere für europäische Unternehmen eine große Chance sein.

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