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Folge des Ukraine-Kriegs : Kommt jetzt die Deglobalisierung?

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Der Ukraine-Krieg ist ein weiterer Schock für die globalen Lieferketten. Laut Experten könnte er die Globalisierung zurückwerfen, den Westen aber auch näher zusammenrücken lassen.

Archiv: Container auf dem Containerterminal in Bremerhaven am 27.01.2017
Der Ukraine-Krieg beeinträchtigt den weltweiten Handel.
Quelle: dpa

Die erste Schockwelle für den globalen Handel ging durch die Präsidentschaft Donald Trumps um die Welt, als er China den Handelskrieg erklärte und auch Europa und andere Länder mit Strafzöllen nicht verschonte.

In Folge der weltweiten Pandemie rissen dann zeitweise einige Lieferketten ganz, was zu Produktionsausfällen und stillstehenden Fabriken in anderen Weltregionen führte. Putins Krieg in der Ukraine mitsamt Wirtschaftssanktionen wiederum verlängert und verstärkt diese Probleme noch einmal.

Weniger Handel zwischen Ost und West

Das alles dürfte zu einer Renationalisierung beitragen oder einer Deglobalisierung. "Deglobalisierung bedeutet, dass der Handel zwischen dem Westen und China oder Russland relativ zum Bruttoinlandsprodukt abnehmen wird", sagt etwa der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Das sei das Gegenteil dessen, was man in den Jahrzehnten vor der Finanzkrise gesehen habe.

Diese Deglobalisierung ist natürlich vor allem ein Problem für Deutschland, dessen Wirtschaftsmodell stark auf die Globalisierung ausgerichtet ist.
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

Die Folgen des Ukraine-Kriegs bremsen die deutsche Wirtschaft laut Ifo-Institut 2022 deutlich nach unten.

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Das sieht offensichtlich auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) so. Angesichts der weltweiten Spannungen hat er zur Eröffnung des neuen Tesla-Werkes in Grünheide davor gewarnt, die Globalisierung der Wirtschaft rückgängig zu machen.

Aus meiner Sicht würde das die Welt und uns alle um großen Wohlstand bringen. Wir brauchen globalen Wettbewerb und keine Deglobalisierung. Das geht schief.
Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler

Mehr Diversifizierung bei Lieferanten

In der Tat reagieren viele Unternehmen durch die erschütterten Lieferketten damit, sich nach Handels- oder Geschäftspartnern andernorts - und oft in näherer Umgebung - umzuschauen. Im Institut für Weltwirtschaft befürchtet man, dass durch den tendenziell schwächeren Welthandel Wachstumsimpulse durch die Globalisierung ausbleiben könnten. Politisch motivierte Handelshemmnisse verbunden mit zunehmenden geopolitischen Risiken belasteten demnach die internationale Arbeitsteilung.

Westliche Ladenketten in Moskau sind leer oder geschlossen. Der Mangel, den ein Kinderkrankenhaus beklagt, wiegt viel schwerer.

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Nach Ansicht der meisten Experten wird dieser Trend aufgrund der jüngst gehäuft schlechten Erfahrungen also anhalten. "Das führt zu einem gewissen Verkürzen von Lieferketten in dem Sinne, dass wir uns wieder heimatnähere Lieferanten aufbauen", so der Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, Holger Schmieding.

Allerdings glaube ich nicht, dass wir damit unsere Lieferanten beispielsweise in Asien einfach vernachlässigen werden. Ich glaube, dass es eher zusätzliche Lieferanten geben wird.
Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank

Diversifizierung laute dabei das Stichwort. Dabei müsse das nicht zwangsläufig im eigenen Land sein. Gerade in Europa werde man weit über die eigene Landesgrenze hinausblicken.

Westliche Staaten könnten näher zusammenrücken

Zum anderen prognostiziert Schmieding zwar eine "Deglobalisierung" im Sinne eines schwächeren Wachstums beim weltweiten Austausch von Gütern. In anderen Bereichen - etwa bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen - sieht er dagegen Wachstumspotentiale. Das gelte auch in Bereichen wie dem Austausch von und der Wertschöpfung durch Daten.

Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

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Das zeigt auch das jüngste Beispiel: Am Dienstag haben sich die USA und Großbritannien geeinigt, ihren Stahlstreit beizulegen. Ab 1. Juni wollen die USA die Strafzölle auf Stahl aus Großbritannien aufheben.

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16.08.2022
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