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Teurer Konzernumbau - Deutsche Bank: Nachhaltiger Verlust

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Wieder Milliarden-Miese bei der Deutschen Bank - aber man sei "auf gutem Weg", so die Chefetage. Schließlich schlage der Umbau zu Buche. Die Börsen teilen das - der Kurs steigt.

Es ist das fünfte Verlustjahr in Folge für die Deutsche Bank - und das Minus fällt sogar noch ein bisschen üppiger aus als erwartet: Ein Verlust von 5, 7 Milliarden Euro steht für 2019 unter dem Strich, mit fünf Milliarden hatten Analysten gerechnet. Die Umbau- und Restrukturierungskosten schlagen zu Buche. Außerdem hat sie unter anderem den Aktienhandel eingestellt. Den weitreichenden Umbau hatte Bank-Chef Christian Sewing im Juli angekündigt. In dessen Folge sollte auch die die Zahl der Vollzeitstellen bis 2022 um 18.000 auf dann 74.000 Mitarbeiter sinken. 4.100 wurden allein im vergangenen Jahr abgebaut. Ende 2019 zählte die Bank noch knapp 87.600 Vollzeitstellen weltweit.

Seit 2015 hat das Geldhaus nun insgesamt 15 Milliarden Euro Verluste erwirtschaftet. "Wenn man sogar in konjunkturell so guten Zeiten so hohe Verluste schreibt, was geschieht dann, wenn die Konjunktur kippt?" fragt sich deshalb der unabhängige Analyst Dieter Hein.

"Auf gutem Weg"

Doch diese tiefroten Zahlen möchte die Deutsche Bank gar nicht so in den Vordergrund stellen. Beispiel Kernbank: Da sieht es etwas freundlicher aus mit 543 Millionen Euro Gewinn vor Steuern. Zur Kernbank gehören alle Bereiche außer der Abbaueinheit CRU, eine Art interne Bad Bank. In diese hatte der Konzern solche Papiere abgeschoben, die er nicht mehr benötigt oder die ertragsschwach sind. In der CRU sollen diese Titel auslaufen oder sie werden verkauft. So wird Eigenkapital frei, das die Bank bei ihrem Umbau dringend benötigt.

Doch Sewing schaut lieber noch auf die bereinigten Zahlen. Dazu rechnet die Bank die Umbaukosten heraus, die Wertberichtigungen auf Geschäfts- und Firmenwerte, Aufwendungen für Restrukturierungen und Abfindungen und noch weitere Sondereffekte bei Erträgen. In dieser Rechnung hat die Kernbank sogar 2,8 Milliarden Euro Vorsteuergewinn erzielt. Das wären sieben Prozent mehr als 2018. Das Haus sei "auf gutem Weg", so Sewing. An den Börsen sieht man das offenbar ähnlich: Am Nachmittag war das Deutsche-Bank-Papier mehr als drei Prozent im Plus.

Gewaltige Umbaukosten

Aber auch in der Kernbank läuft nicht alles rund. Denn im vierten Quartal erwirtschafteten die Privatkundenbank, die Unternehmensbank und auch die Investmentbank einen Verlust vor Steuern, nur die Vermögensverwaltung DWS schrieb einen Gewinn.

Für 2020 strebt der Vorstand einen Gewinn vor Steuern an. Schließlich habe man auch schon 70 Prozent der Umbaukosten verbucht. Doch die Kosten stiegen 2019 allein um sieben Prozent auf gut 25 Milliarden Euro, ohne die Umbaukosten aber sei man im Plan mit 21,5 Milliarden Euro. Ziel ist, diese bis 2022 auf 17 Milliarden Euro zu senken. Die Kosten in den Griff zu bekommen, das hatten Beobachter seit Jahren von der Bank gefordert.

Boni trotz der Verluste

Wenn wir die Disziplin verlieren, dann ist das ein Risiko für unsere Strategie.
Deutsche-Bank-Chef Sewing

Sewing will Tempo machen beim Umbau: "Wenn wir die Disziplin verlieren, dann ist das ein Risiko für unsere Strategie", mahnte er. Denn er möchte die Bank auch nachhaltiger aufstellen. Dazu gehöre etwa auch, dass man Engagements der Bank regelmäßig überprüfe. So finanziert sie etwa in der Arktis Öl- und Erdgasförderung. Ob sie diese beibehalte, werde sie in Kürze bekanntgeben. Die Bank ist auch deshalb unter Druck, weil immer mehr auch vermögende Anleger ihre Gelder nachhaltig anlegen möchten.

Trotz des Verlusts zahlt die Bank für 2019 Boni an ihre Mitarbeiter aus; Sewing verwies wieder einmal darauf, dass man auch in dieser Hinsicht im Wettbewerb mithalten müsse. Wie hoch diese ausfallen, dazu gab er sich aber schmallippig. Allerdings ist der Bonus-Topf dieses Jahr allein deshalb kleiner, weil die Bank weniger Mitarbeiter beschäftigt. Der Vorstand will für das vergangene Jahr auf die individuelle Erfolgsvergütung verzichten und damit auf insgesamt etwa 13 Millionen Euro, das entspreche etwa der Hälfte des Topfs für den Vorstand, hieß es. Die Hauptversammlung habe das Vergütungssystem in dieser Form genehmigt, man habe die Unterstützung von Großaktionären.

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