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Sanktionen umgangen? : Druck auf deutsche Firmen in Russland

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Einige deutsche Firmen haben ihre Produktion in Russland gestoppt. Andere Unternehmen wie Metro, Bayer oder Henkel bleiben trotz des Ukraine-Krieges in Russland. Ein Überblick.

Ein Einkaufswagen steht vor einem neu eröffneten Metro Cash&Carry-Supermarkt in Vladikavkaz (Russland)
Die Handelskette Metro will in Russland bleiben.
Quelle: imago

Die Handelskette Metro, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer oder der Konsumgüterhersteller Henkel - sie bleiben trotz des Ukraine-Kriegs in Russland. Ausländischen Unternehmen droht die russische Regierung mit Sanktionen, wenn sie jetzt das Land verlassen.

Milliardenumsätze deutscher Firmen in Russland

Bayer, Henkel und Metro gehören zu den umsatzstärksten Unternehmen dort, 2020 setzte Metro laut des Wirtschaftsmagazins "Forbes" aus den USA etwa 2,6 Milliarden Euro in Russland um, Bayer 0,8, Henkel 0,9 Milliarden Euro.

Die großen deutschen Autobauer BMW (2,0 Milliarden), Daimler (2,2 Milliarden) und Volkswagen (3,6 Milliarden) werden ebenfalls genannt, hinzu kommen die nicht börsennotierte Globus-Handelskette mit 1,2 Milliarden Euro und der Autozulieferer Bosch mit 1,0 Milliarden Euro, schließlich auch der Energiekonzern Uniper mit 0,9 Milliarden Euro Umsatz 2020.

Alle deutschen Firmen versichern, sie stünden hinter den Sanktionen des Westens gegen Russland. Doch nicht alle wollen sich vollständig zurückziehen. Bayer und Henkel begründen das auch mit ihrer Palette an medizinischen Produkten bzw. Haushalts- und Körperpflegemitteln. Henkel aber hat zumindest einen Stopp der Investitionen angekündigt.

Moskau

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Enteignungen drohen

Auch der Walldorfer Software-Konzern SAP will zwar das Geschäft in Russland einstellen. Das hatte Konzernchef Christian Klein in einem Blog-Eintrag angekündigt. Doch Bestandskunden, die nicht auf der Sanktionsliste stehen, würden "im Rahmen der vertraglichen Verpflichtungen" weiter bedient, stellte ein Sprecher kurz danach klar.

Inzwischen haben die deutschen Autobauer angekündigt, ihre Produktion in Russland und die Exporte dorthin zu stoppen. Die drohende Enteignung schreckt sie dabei nicht ab, meint Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler:

Das ist nicht das ganz große Thema für VW. Russland hat am Konzernumsatz einen Anteil von zwei Prozent, die Investitionen liegen noch darunter.
Jürgen Pieper, Autoexperte beim Bankhaus Metzler

Mitarbeiter appellieren an Unternehmen

Der Druck auf die Unternehmen, die in Russland weiter arbeiten wollen, nimmt jedoch zu, und das auch aus dem Kreis der eigenen Mitarbeiter. Die nutzen dafür interne oder auch öffentliche Netzwerke wie eine ukrainische Mitarbeiterin der Metro.

Sie appelliert im Karrierenetzwerk LinkedIn an das Management, deren finanzieller Erfolg hänge doch sicher nicht allein von Russland ab: "Ich träume davon, dass das Unternehmen, das ich respektiere und in dem ich sieben Jahre meines Lebens verbracht habe, sich nicht von Aggression abwendet."

Bitte tun Sie nicht so, als ob dies nicht Ihr Krieg sei!
Ukrainische Metro-Mitarbeiterin bei LinkedIn

Bei Banken mittelfristiger Abschied aus Russlandgeschäft?

Unter Druck stehen auch die deutschen Banken, die in Russland noch Geschäft machen. Erst am vergangenen Freitag beeilte sich die Deutsche Bank zu versichern, sie habe ihr Engagement und ihre Präsenz in Russland seit 2014 "substanziell verkleinert". In einer Mitteilung schreibt sie, sie sei dabei, ihr "verbleibendes Geschäft in Übereinstimmung mit den gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben" herunterzufahren.

Und sie helfe ihren nichtrussischen Kunden dabei, das auch zu tun: "Wir machen in Russland kein Neugeschäft mehr." Ähnliches gilt für die Commerzbank. Sie habe nur Kredite in Höhe von netto 1,3 Milliarden Euro in Russland vergeben, das entspreche 0,4 Prozent ihres Kreditrisikos im Konzern, teilte sie Anfang März mit. Auch sie will das Neugeschäft einstellen.

Das haben auch viele andere produzierende Unternehmen getan. Denn die meisten bleiben im Land, investieren aber nicht mehr. Darauf weist der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft hin.

Produktionsanlagen kann man schlecht in die Tasche stecken und damit einfach nach Hause fahren.
Mitteilung des Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

"Die Anlagen werden daher weiter genutzt, soweit alle wichtigen Zulieferteile noch eintreffen und nicht sanktioniert sind. Es gibt aber eben kein Neukundengeschäft und keine neuen Investitionen mehr", ist da zu hören. Der Verzicht auf die Kundenakquise könnte dann mittelfristig zum völligen Abschied aus dem Markt führen.

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03.07.2022
von Thomas Gonsior
Videolänge
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