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Handelspartner China - Wie verwundbar die deutsche Wirtschaft ist

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Der Coronavirus-Ausbruch in China führt der deutschen Wirtschaft ihre Verwundbarkeit vor Augen. Dabei ist schon länger klar: China ist für die Unternehmen keine sichere Bank mehr.

Archiv: Ein Container-Stapler auf dem Container-Terminal der Hamburg Hafen und Logistik AG in Hamburg, aufgenommen am 15.01.2020.
China ist weiterhin der größte Handelspartner von Deutschland.
Quelle: DPA

2019 war China zum vierten Mal in Folge Deutschlands größter Handelspartner. Doch die Freude darüber hält sich in Grenzen. "Wir brauchen eine kritische Prüfung der Abhängigkeit von China", fordert Sebastian Heilmann, Professor für Politik und Wirtschaft Chinas an der Universität Trier. Das Coronavirus sei nur einer der vielen Push-Faktoren, die ein Ende des China-Booms in Aussicht stellten.

Viele Jahre konnte sich die deutsche Wirtschaft blind auf China verlassen. 1,4 Milliarden Einwohner und ein hohes Konsumbedürfnis: die ideale Kombination für vielversprechende Geschäfte. 5.000 deutsche Unternehmen gibt es in China, 90 Prozent von ihnen produzieren direkt vor Ort für den chinesischen Markt. Vor allem in der Auto- und Chemieindustrie ist Deutschland in China stark aufgestellt.

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Als vor gut zehn Jahren in Folge der Finanzkrise viele Märkte in Europa einbrachen, verkauften die Deutschen ihre Produkte munter weiter nach China. Dank China konnte die deutsche Wirtschaft den Konjunktureinbruch relativ gut wegstecken.

Peking erschwert ausländischen Unternehmen die Produktion

Der Wind hat sich aber gedreht, schon lange vor Corona. "Die Naivität im Umgang mit China ist weg", räumt Jens Hildebrandt von der Deutschen Handelskammer in Peking ein. Die Industriepolitik der chinesischen Regierung mache es ausländischen Unternehmen zunehmend schwerer.

Die Stimmung hat sich sehr verändert, nicht nur wegen der Wirtschaft. Viele News aus China sind inakzeptabel.
Sebastian Heilmann, China-Experte

Die Visabestimmungen seien strenger geworden, es würden immer mehr Daten abgefragt, das störe viele Geschäftsleute. Zudem führe der Umgang mit Minderheiten wie mit den Uiguren zu einem Imageproblem.

Deutsche Unternehmen sind an Partner aus China gebunden

Weite Teile der internationalen Schuh-, Textil- und auch der Elektronikindustrie sind bereits aus China abgezogen und produzieren jetzt in Vietnam, Thailand und Kambodscha. Samsung beispielsweise lässt zwar noch einzelne Teile in China herstellen, die Endfertigung allerdings geschieht in Vietnam.

Die Deutschen aber sind in der Zwickmühle. Denn ihre Produktionsstätten sind weniger flexibel. Nicht nur wegen der Größe, sondern auch, weil der lange Arm des chinesischen Staates mitmischt. Die Auto- und Chemieindustrie gelten in China als strategisch wichtig, daher sind die deutschen Unternehmen an chinesische Kooperationspartner gebunden, mit denen sie in Joint Ventures zusammenarbeiten.

Wie verwundbar die Abhängigkeit vom chinesischen Markt macht, zeigen aktuell die Engpässe bei Medikamenten. Rund 260 Arzneimittel sind in Deutschland nur eingeschränkt oder gar nicht lieferbar. Denn aus Kostengründen werden viele Wirkstoffe in China produziert. Brennt dort eine Fabrik oder kommt es aus anderen Gründen zu Lieferausfällen, warten Patienten in Deutschland vergeblich auf ihre Medikamente.

China als Schlüsselfigur der Globalisierung

China hat eine Schlüsselrolle in der Globalisierung, von der Deutschland mit seiner exportlastigen Wirtschaft wie kaum ein anderes Land profitiert hat. Der Coronavirus-Ausbruch beschleunigt die Frage, ob die Globalisierung ihre beste Zeit schon hinter sich hat.

Von "Rückbesinnung" ist zwar in diesen Tagen viel zu hören, das Wort "Rückverlagerung" mag aber niemand in den Mund nehmen. "Ein Ende der Globalisierung können wir uns nicht leisten", resümiert Sebastian Heilmann, denn das hätte für Deutschland "verheerende Wohlstandsverluste zur Folge."

Eva Schmidt ist Redakteurin beim 3sat-Wirtschaftsmagazin makro.

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