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Duales System: Erfolg oder für die Tonne?

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30 Jahre Grüner Punkt - Duales System: Erfolg oder für die Tonne?

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Heute vor 30 Jahren startete der "Grüne Punkt". Das Ziel: Müllvermeidung. Von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ist man hierzulande aber noch weit entfernt.

Archiv: Ein Berg mit gelben Säcken liegt am 17.02.2016 auf einem Grundstück in Fürstenwalde, Brandenburg, zu Abholung bereit
Der Grüne Punkt sollte für eine Reduzierung der Müllberge sorgen.
Quelle: dpa

Ende der 1980er Jahre wuchsen die Müllberge sprichwörtlich in den Himmel. Das war zu einer Zeit, als fast der ganze Müll auf Deponien landete und zu Bergen anwuchs. 1991 schließlich war die deutsche Verpackungsverordnung auf dem Weg. Im Vorfeld wurde am 28. September 1990 in Bonn das Unternehmen "Der Grüne Punkt" gegründet.

Müll für die Wirtschaft

Denn mit der neuen Verordnung mussten Unternehmen Verpackungen ihrer Produkte nach Gebrauch zurück nehmen und verwerten. Möglich war, dies einem Dritten zu überlassen. So entstand mit dem Unternehmen das duale System. Henning Wilts stellt heute fest:

Die Sammelquote für Verpackungen in Deutschland ist super.

Er ist Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. "Das heißt, die Abfälle werden auch tatsächlich irgendwo sicher entsorgt und nicht deponiert. Sie laufen über Sortierbänder und jemand pickt sich die Sachen raus, die man noch recyceln kann."

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Früher lag die Müllentsorgung komplett in staatlicher Hand. "Der Grüne Punkt" schuf ein duales System neben dem staatlichen: Es sammelt und verwertet seither das, was heute in den gelben Tonnen oder Säcken landet, also Plastikverpackungen, Weißmetalle und Aluminiumverpackungen.

Noch Sackgassen in der Kreislaufwirtschaft

Hier allerdings liegt ein Problem: Während sich metallische Verpackungen sehr gut aus dem Verpackungsmüll herausfiltern lassen, liegt die Recyclingquote bei Kunststoffen nur bei rund 50 Prozent. Die andere Hälfte ist nicht recyclebar.

Sie landet zum Teil in Müllverbrennungsanlagen. Vor allem aber auch in Zementwerken. Dort ersetzen die gebrauchten Verpackungen als Beimischung einen Teil des Öls, das sonst als Energiequelle dient. Das ist zwar eine bessere Verwertung als in einer Müllverbrennungsanlage – allerdings eine Sackgasse in einer Kreislaufwirtschaft.

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Der Kunststoffmix ist das Problem

"Wir müssen vor allen Dingen aufhören, so viele verschiedene Kunststoffsorten in Verpackungen zu verwenden", sagt Henning Wilts. Oft sei das Problem vor allem bei ausgeklügelten Verpackungen ein Nebeneinander unterschiedlicher Kunststoffe, die nur schwer oder gar nicht voneinander zu trennen seien.

Im Ergebnis bestehen die Kunststoffverpackungen in den Supermarktregalen nur zu einem sehr geringen Teil aus recycelten Altkunststoffen – Experten schätzen einen Wert von nur Plusminus 10 Prozent.

Technisch ist das hochwertige Recycling von Kunststoffabfall längst möglich – wirtschaftlich aber kommt es nicht voran.
Michael Wiener, Chef des Grünen Punktes

Denn neue Kunststoffe sind wegen vergleichsweise geringer Erdölpreise und großer Herstellungskapazitäten billig. Das Kunststoffrecycling hingegen ist nach wie vor ein Nischengeschäft.

Ziel der Kreislaufwirtschaft nicht erreicht

Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen stellt in seinem Umweltgutachten 2020 fest: "Der Bedarf an Materialien wird nur zu geringen Anteilen durch Kreislaufführung innerhalb des Bestandes gedeckt", die Abfallwirtschaft bleibe hinter dem Ziel der Kreislaufwirtschaft zurück. Hatte das deutsche duale System das europäische Abfallrecht maßgeblich mitbestimmt, hätte Deutschland seine Vorreiterrolle mittlerweile verloren.

Die Deutschen sind "Recycling-Weltmeister", sammeln, sortieren und entsorgen. Doch: Aus den allermeisten Verpackungen entstehen keine neuen. "ZDFzoom" fragt: Was läuft schief beim Recycling?

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28 min
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Ein weiteres Problem ist die zunehmende Konkurrenz im dualen System. "Zurzeit haben wir so viele duale Systeme am Markt, dass der Wettbewerb sehr hart ist. Und da leidet dann häufig auch die Qualität drunter", erklärt Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Etwa, weil zu wenig Geld in Kommunikation und Aufklärung fließe, welcher Müll wie zu entsorgen sei.

So stellt auch der Sachverständigenrat fest, dass es ökonomische Rahmenbedingungen brauche, um einen schädlichen Unterbietungswettlauf im dualen System zu verhindern.

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