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Durchwachsene Erntebilanz - Weniger Getreide

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Drittes Dürrejahr in Folge - Durchwachsene Erntebilanz - Weniger Getreide

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Die Bauern kämpfen mit dem dritten Dürrejahr in Folge. Das macht sich vor allem bei der Getreideernte bemerkbar - sie fiel fünf Prozent geringer aus als in den vergangenen Jahren.

Deutsche Landwirte haben in diesem Jahr nach Angaben des Bauernverbandes insgesamt erneut eine unterdurchschnittliche Ernte eingefahren. Gründe dafür: Wetter und Corona. Heute stellte der Bauernverband seine Bilanz in Berlin vor.

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Der Blick von Landwirt Jürgen Vogelgesang geht immer wieder gen Himmel. Die Sonne brennt, wie in den vergangenen Tagen auch. Selbst hier in Martinshöhe in der Westpfalz, gut 400 Meter hoch gelegen, hatten sie einige Tage lang Temperaturen jenseits der 30 Grad. Wolken? Meist Fehlanzeige.

Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle für die Erntebilanz seines klassischen Mischbetriebs mit 150 Milchkühen, viel Grünland und Ackerbau. Durchwachsen ist das Schlagwort, wie auch in so vielen anderen landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland.

Getreide hat Trockenheit "ganz gut" überstanden

Beim Getreideanbau sei man mit einem blauen Auge davongekommen. Es habe durch die Palette - von schlecht bis gut - Erträge gegeben. Insgesamt sei es zufriedenstellend, die Trockenheit wurde hier ganz gut überstanden, meint Jürgen Vogelgesang.

Beim Grünland und beim Mais sieht es aber ganz anders aus – richtig schlecht.
Jürgen Vogelgesang, Landwirt

Es ist jetzt das dritte Dürrejahr in Folge – das hatten sie hier in der Westpfalz noch nie. Fast die Hälfte der Flächen von Jürgen Vogelgesang sind Grünland – das geschnittene Gras ist als Futter für die Rinder fest verplant.

In annähernd "normalen" Jahren machen sie bis Mitte August schon den dritten oder vierten Schnitt, wie die Bauern das Mähen ihrer Felder und Wiesen nennen – in 2020 jedoch konnte Vogelgesang erst einmal Futter für die Kühe reinholen.

Futtervorräte müssen zu früh angebrochen werden

Sein Vorratssilo wollte er eigentlich erst zum Winter anbrechen – mittlerweile aber ist es bereits halb leer:

Dieses Jahr mussten wir schon Ende Juni/Anfang Juli anfangen, und jetzt ist es so, dass bereits fast die Hälfte verfüttert ist, und das ist das große Problem: Wir haben bis zum Frühjahr nicht mehr genügend Reserven.
Jürgen Vogelgesang, Landwirt

Das bedeutet: Er muss Futter zukaufen, Summen im vier- bis fünfstelligen Bereich kommen da aller Voraussicht nach auf ihn zu.

Bereits im dritten Jahr fällt die Erntebilanz für viele deutsche Landwirte unterdurchschnittlich aus. Grund für die regional unterschiedliche Ernte sind vor allem die Wetterbedingungen mit der lange andauernden Trockenperiode.

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Gut fünfzig Kilometer Luftlinie entfernt liegt in der Rheinebene Mutterstadt. Gemüsegarten Deutschlands heißt die Region im Volksmund. Hier wird viel bewässert, kilometerlange Schlauchanlagen liegen auf den Feldern. Das Wasser kommt praktischerweise aus dem Fluss. Hartmut Magins große Erntemaschine läuft derzeit immer in den frühen Morgenstunden:

"Hitze vertragen Kartoffeln nicht wirklich gut", erklärt der Landwirt. "Sie fangen an, zu schwitzen und bekommen so unschöne Flecken."

Sein Betrieb ist auf die Knolle spezialisiert, fünfzehn Sorten hat er im Angebot. Ob Privatverbraucher oder Supermarktkette – Hartmut Magins Kunden kommen entweder in den Hofladen oder ordern gleich tonnenweise "Grumbeere", wie die Kartoffel auf pfälzisch genannt wird. Bislang ist er mit der diesjährigen Ernte zufrieden:

Wir haben eigentlich einen sehr guten Beginn gehabt, die Frühkartoffeln waren heiß ersehnt, vor allem in der Corona-Phase hat man auf ein heimisches Produkt wieder gewartet.
Hartmut Magin, Landwirt

Auch die Landwirtschaft ist auf Hilfen aus dem EU-Haushalt angewiesen. Herausforderungen wie die ökologische Neuausrichtung beschäftigen die EU-Landwirtschaftsminister.

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Bauernverband fordert mehr Unterstützung

Guter Dinge sind beim Deutschen Bauernverband nicht allzu viele. Denn der Preis für Gerste und Weizen ist wegen geringerer Nachfrage gefallen. Um die 150 Euro pro Tonne gibt es momentan, das sind 15 bis 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Und die Trockenheit lässt Erntemengen überall schrumpfen. Deshalb vertritt der Präsident eine klare Erwartungshaltung:

Wir fordern zum einen steuerliche Maßnahmen, um in guten Jahren Geld zurückstellen zu können für schlechte Jahre.
Joachim Rukwied, Präsident Deutscher Bauernverband

Zum Zweiten will der Deutsche Bauernverband die Einführung einer sogenannten "Mehrgefahren-Versicherung" forcieren - mit staatlicher Unterstützung. Jeder Landwirt könne dann entscheiden, ob er ein solches Angebot annehmen wolle, so Rukwied.

Das würde auch Jürgen Vogelgesang gefallen. Sein größter Wunsch derzeit aber: schnell mehr Regen. Dann könnte er vielleicht doch noch einmal in diesem Jahr neues Gras für seine Rinder reinholen.

Christopher Heinze ist Reporter im ZDF-Landesstudio Rheinland-Pfalz.

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