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Brandbrief an die EU - Kampagne gegen das E-Auto?

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Hat sich die Politik beim Klimabeitrag von E-Autos verrechnet? Ein Brandbrief von Forschern an die EU sorgt für Unruhe. Doch was ist an dem Vorwurf dran?

Ein Volkswagen e-Golf lädt an der Ladesäule. Symbolbild
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Mit ihrem offenen Brief an die EU-Kommission, wonach die realen CO2-Emissionen von Elektroautos doppelt so hoch seien als bisher dargestellt, haben Wissenschaftler um Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) viel Staub aufgewirbelt.

Verbrennungsmotorexperte Koch stützt sich bei seiner Argumentation gemeinsam mit anderen Automobilexperten auf die Annahme, dass durch die immer höher werdende Anzahl von E-Autos mehr konventioneller Strom nötig sei, und daraus ergebe sich zwangsläufig der höhere CO2-Ausstoß.

In dem Brief sprechen sich die Unterzeichner für eine Technologieoffenheit aus, also für Autos, die mit Wasserstoff oder auch synthetischen Kraftstoffen fahren sowie für Hybrid-Fahrzeuge.

"Lobbyistenschreiben" an EU

Die Reaktionen darauf sind teilweise heftig. Als "hochgradig peinlich" und "Lobbyistenschreiben" bezeichnet der Leiter des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der TU Dortmund, Christian Rehtanz, den Brief. Damit werde krampfhaft versucht, "die Kolbenmaschinen zu retten".

Rehtanz macht aber auch Defizite der Politik deutlich. Wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht Schritt halte mit dem schnellen Hochlauf der Elektromobilität, bringe das künftig deutlich weniger CO2-Minderungen. In diesem Zusammenhang kritisiert er auch die derzeitige Wasserstoff-Politik.

Wasserstoff wird absehbar in der Industrie und im Last- und Flugverkehr eine große Rolle spielen. Doch noch ist der wertvolle Brennstoff Mangelware.

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Überall würden Elektrolyseure gebaut, um damit Wasserstoff zu produzieren. Der Strom aus Erneuerbaren Energien würde damit mit großen Verlusten zu Wasserstoff umgewandelt. Dieser grüne Strom fehle dann aber woanders, so der Energieexperte. Bei den synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) sei dies dasselbe. Im Vergleich zu Batteriefahrzeugen braucht diese Form der Kraftstofferzeugung acht Mal mehr Strom.

Gesteuertes Laden für E-Autos notwendig

Das Ziel muss laut Rehtanz eine Energiesystem-Planung sein, die den grünen Strom optimal nutzt. Das bedeutet beispielsweise ein flexibleres Lademanagement bei E-Autos. 95 Prozent der Zeit stehen die Fahrzeuge. Durch eine Steuerung der Ladung könnte der Verbrauch von konventionellem Strom weiter reduziert werden.

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Auch Wissenschaftler wie Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe kritisieren den Brief. Dies sei alles keineswegs neu, sondern wohlbekannt. Wissenschaftlicher Standard in der Ökobilanzierung sei die Verwendung von Durchschnittsemissionen, also der Strommix.

E-Fuels sind von der ganzen Problematik noch stärker betroffen. Synthetische Kraftstoffe auf Strombasis erzeugen pro gefahrenen Pkw-Kilometer einen fünffach höheren Stromverbrauch, deutlich schlechter sogar im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen und auch weit schlechter als Elektro-Pkw, die mit einem Mix aus konventionellem und grünem Strom geladen werden.

Mit dem derzeitigen Strommix verbrauche ein E-Auto heutzutage schon weniger als ein sparsamer Diesel, meint Hinrich Helms vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg.

Dudenhöffer: Festhalten an der Vergangenheit

Und auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Duisburg glaubt, dass seine Kollegen an der Vergangenheit festhalten wollten. Wenn er schon das Wort "Technologieoffenheit" höre, dann mutmaße er, dass man noch länger dem Verbrennungsmotor die Stange halten wolle.

Der Verband der deutschen Automobilindustrie, VDA, sei "ähnlich unterwegs", und auch im neuen Wahlprogramm der Union werde der Diesel "noch heilig gesprochen". Die SPD und die Gewerkschaften seien irgendwo zwischendrin, weil sie keine Arbeitsplätze und Wähler verlieren wollten.

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