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Elektronische Krankschreibung - Abschied vom gelben Schein dauert länger

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Der Abschied vom gelben Schein dauert länger als gedacht. Der Weg zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zeigt, wie schwierig Digitalisierung im Gesundheitswesen ist.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am 17.09.19
Künftig sollen die Krankenkassen den Arbeitgeber elektronisch über Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit informieren.
Quelle: dpa

Zeit war, so könnte man denken, eigentlich genug. Als am 19. Mai 2019 das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) in Kraft getreten ist, hatte der Gesetzgeber zahlreiche Erleichterungen im Blick, unter anderem die einfachere und kostensparende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Statt vieler gelber Zettel, die Versicherte bislang an Krankenversicherung und Arbeitgeber fristgerecht verteilen mussten, steht die eAU für eine direkte digitale Übermittlung der AU vom Arzt an die Kasse und von dort an Arbeitgeber.

Start der eAU ursprünglich für Januar 2021 geplant

Ursprünglich sollte die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) am 1. Januar 2021 starten. Technische Probleme hatten dies verhindert.

Klar, zu diesem Zeitpunkt hatte das Gesundheitswesen bereits fast ein Jahr mit Corona ganz andere Probleme als die Einführung neuer digitaler Standards.

Neuer Starttermin dann der 1. Oktober 2021 - flächendeckend und verpflichtend für Arztpraxen und Krankenkassen. Auch dieser Meilenstein wurde nicht ansatzweise erreicht und ebenso wenig zuletzt der 1. Januar 2022.

eAU: Wie ist der Stand in Deutschland?

Wo Deutschland beim Thema eAU gerade steht, lassen Zahlen der Siemens Betriebskrankenkasse SBK erahnen.

Von den rund 117.000 berechtigten Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäusern haben demnach rund 80.000 die so genannte KIM-Schnittstelle beantragt, die Voraussetzung für die Übermittlung der eAU ist.

10.000 Praxen in Deutschland seien so weit, dass sie bis Ende 2021 bereits eAU übermittelt haben, so die SBK. Aber: Diese 10.000 beziehen sich wiederum nur auf diejenigen Praxen, die mit einem bestimmten IT-Dienstleister zusammenarbeiten.

Ein komplexes Thema, wie man sieht. Und ein unübersichtliches Feld.

Gelber Schein wird erstmal weiterhin genutzt

"An der eAU sind sehr viele Player beteiligt, Software-Anbieter, Ärzte, Kassen", sagt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV. Positiv sei, dass es jetzt eine Menge Bewegung gebe - und eine pragmatische Übergangslösung für alle Beteiligten:

Es ist mit dem neuen Bundesgesundheitsministerium abgeklärt, dass diejenigen Praxen, die die eAU noch nicht übermitteln können, bis zu ihrer Umstellung nach dem alten System verfahren dürfen.
Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Heißt: Erstmal kommt der gelbe Schein vielerorts weiter zum Einsatz. Aber wie lange noch? Und wo genau hakt es?

Hauptgrund für Verzögerung: Technik

Ein Hauptgrund ist ein technisches Problem, erklärt Helge Dickau vom GKV Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherer: "Zahlreiche Praxissoftware-Systeme, mit denen die Praxen die eAU übermitteln, prüfen die Eingaben nicht automatisch auf Fehler. Die Software der Kassen hingegen prüft die eingehenden eAU."

Es kommt zum Beispiel vor, dass das Ende der Krankschreibung in der Vergangenheit liegt oder ganz fehlt - dies fällt erst bei der Kasse auf.
Helge Dickau, GKV Spitzenverband

"Dieses Problem mit der Praxissoftware muss dringend behoben werden."

Viele Praxen haben Software-Update noch nicht installiert

Erschwerend komme hinzu, dass viele Praxen das erforderliche Update ihrer Praxissoftware noch nicht aufgespielt haben. "Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte haben auch noch keinen elektronischen Heilberufeausweis, den sie grundsätzlich für die elektronische Signatur der eAU benötigen, oder sie sind noch nicht an KIM, den sicheren E-Mail-Dienst für das Gesundheitswesen, angeschlossen", so GKV-Sprecher Dickau.

Derzeit seien die Krankenversicherer mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Abstimmungsgesprächen für eine rechtssichere Vereinbarung in der Übergangszeit.

Zeit wird knapp: 1. Juli 2022 neuer Einführungstermin

Wobei die Uhr tickt: Während in tausenden Arztpraxen jetzt rund um den Jahreswechsel neben dem oft durch Corona turbulenten Praxisalltag Software-Updates laufen, Schnittstellen für die eAU angepasst werden oder zumindest erste Vorbereitungen dafür getroffen werden, rückt schon der nächste Termin näher.

Eigentlich hätten die Arbeitgeber nämlich schon zum 1. Januar 2022 die Möglichkeit haben sollen, eAU von den Kassen abrufen zu können. Dies soll nun ab 1. Juli 2022 Standard werden. Das könnte, Stand jetzt, knapp werden. Sehr knapp.

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