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Energiesparpläne der Kommunen : Was Laterne abschalten und Homeoffice bringen

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Die Politik wird nicht müde, zum Energiesparen aufzurufen. Was können Kommunen und Städte beitragen? Experten geben Tipps - und erklären, was die bisherigen Maßnahmen bringen.

Gaszähler
Was können Städte und Kommunen tun, um Energie zu sparen?
Quelle: Imago

In Zeiten teurer Energie versuchen Städte und Kommunen Energie zu sparen, wo es nur geht: In vielen Freibädern des Landes sind die Wassertemperaturen bereits gesenkt worden. Der Städte- und Gemeindebund stellt die Frage in den Raum, ob man warmes Wasser in Verwaltungsgebäuden braucht.

Berlin überlegt derweil, öffentliche Gebäude wie das Rote Rathaus oder das Brandenburger Tor nach Mitternacht nicht mehr anzustrahlen. Augsburg hat die Beleuchtung seines Wahrzeichens, des Perlachturms, schon abgedreht. Auch Brunnen werden hier abgeschaltet. Nur drei von der Unesco zum Welterbe erklärte historische Monumentalbrunnen laufen noch weiter.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Gasflamme wird auf einem Küchenherd mit einem Streichholz entzündet.
FAQ

Vorbereitung auf den Winter - Gas sparen: Was man heute schon tun kann 

Die Politik hat einen Gas-Notfallplan ausgerufen, die Netzagentur warnt vor einem russischen Gasstopp. Was kann jetzt schon getan werden, um sich auf den Winter vorzubereiten?

von Katharina Schuster

Und was in der Corona-Pandemie geholfen hat, könnte auch jetzt noch einmal sinnvoll werden. Aufgrund "geänderter Arbeitssituationen" wie Homeoffice-Regelungen prüft NRW, ob man Gebäudeteile der Landesverwaltung demnächst nur noch in Teilen beheizt. Auch in Nürnberg werden Mitarbeiter der Stadt künftig wieder verstärkt von zu Hause arbeiten, um Raum- und damit Heizkosten zu sparen.

Aber was bringt das?

Die Maßnahmen sind zwar gut; (...) es ist sinnvoll, in Verwaltungsgebäuden braucht man nicht unbedingt Warmwasser, in Freibädern erst recht nicht, aber dieses Klein-Klein rettet uns nicht.
Lamia Messari-Becker, Universität Siegen

Die Gebäudetechnologie-Expertin kritisiert insbesondere, dass die Wärmewende nicht vorangetrieben werde, und appelliert zugleich, sparsamer zu heizen: "Jedes Grad weniger bringt ungefähr fünf bis sechs Prozent Einsparung, wenn auch nicht linear." Durch Optimierungen der Heizanlage könnten sogar bis zu 25 Prozent gespart werden.

"Wir müssen jetzt sehr viel Energie sparen, denn wir haben im Winter nicht nur einen Wärme-, sondern möglicherweise auch einen Strommangel." Sie befürchtet, dass in den kalten Monaten dann statt der (Gas-)Heizung notgedrungen eher Heizlüfter genutzt werden.

Viele Wirtschaftsbereiche sind auf Gaslieferungen angewiesen. Die Anspannung in den betroffenen Firmen ist groß - zu unberechenbar ist derzeit die Situation. In Baden-Württemberg will die Landesregierung nun mit den Beteiligten diese Probleme angehen.

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Zurück ins Homeoffice - Lösung oder Verschiebung des Problems?

Homeoffice "bringt nur etwas, wenn pro Verwaltungsgebäude wirklich alle Mitarbeiter nach Hause geschickt werden", sagt Messari-Becker:

Das muss man sehr gut organisieren. Wenn von 500 Personen immer noch 100 in die Büros kommen, und die gegebenenfalls auch noch auf verschiedene Etagen verteilt arbeiten, wird also doch beheizt.
Lamia Messari-Becker, Universität Siegen

Außerdem bestünde die Gefahr, dass Menschen in ihrem eigenen Zuhause in einem viel ineffizienteren Gebäude seien und punktuell sogar mehr Energie verbrauchten. Messari-Becker erklärt: "Es geht immer darum, die beheizte Nutzfläche zu reduzieren."

Tamm bei Ludwigsburg bereitet sich auf die Wärmewende vor. Statt mit Öl und Gas soll das Dorf mit Wärmepumpen und einer Biogasanlage versorgt werden.

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Auch Lion Hirth, Juniorprofessor für Energiepolitik an der Hertie School in Berlin, sieht die aktuellen Maßnahmen kritisch:

Öffentliche Gebäude haben am gesamten Energieverbrauch nur einen kleinen Anteil, sodass die einzelnen Maßnahmen nicht so viel bringen. Aber auch hier die Heizung runterzudrehen, hat natürlich eine wichtige Signalwirkung.
Lion Hirth, Energieökonom

Laut Statistischem Bundesamt war der größte Stromverbraucher in Deutschland im Jahr 2021 mit 44 Prozent die Industrie. Danach folgten Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (27 Prozent) und Haushalte (26 Prozent).

Was können Städte also tun?

Der größte Hebel, den Städte haben, sind meiner Meinung nach die Stadtwerke: Sie sind als Dienstleister gut vernetzt und haben engen Kontakt zu Menschen und dem Gewerbe.
Lion Hirth, Energieökonom

"Meistens sind sie glaubwürdig und beliebt und können das nutzen, um einerseits über Möglichkeiten des Energiesparens aufzuklären, und andererseits, um transparent und klar hinzuweisen, welche Kosten auf sie zukommen", so Hirth weiter. "Das ist vielen Menschen immer noch nicht bewusst."

Laut dem Energie-Experten haben ungefähr die Hälfte der deutschen Wohngebäude eine Gasheizung und diese "müssen sich darauf einstellen, dass die Kosten um das Zwei- bis Dreifache steigen werden".

Jede eingesparte Kilowattstunde "ist wichtig", sagt Gebäudetechnologie-Expertin Messari-Becker. Neben den Privathaushalten gebe es Sparpotenzial bei öffentlichen Einrichtungen.

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Was bringt es, die Straßenbeleuchtung abzuschalten?

Ein anderer Ansatzpunkt ist die Straßenbeleuchtung: So sollen in Oldenburg in den kommenden Wochen in der Nacht Ampeln und Straßenbeleuchtungen abgeschaltet werden. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sagte dem NDR, dass die Stadt mit diesen kurzfristigen Vorhaben zwischen 10 und 20 Prozent weniger Energie verbrauchen würde.

Alternativ lässt sich bei der Straßenbeleuchtung auch durch die Umstellung auf LED-Technik Energie sparen. Lohnt sich das? Axel Bernatzki von der Energieagentur Rheinland-Pfalz unterstützt Kommunen, Bürger sowie Unternehmen beim Klimaschutz.

Das kommt natürlich auf die Ausgangslage an. Wenn vorher ganz alte Technik verbaut war, kann man durch den Austausch durchaus 80 Prozent Energie und mehr einsparen.
Axel Bernatzki

Hirth hält das für das Mindeste: "Wenn irgendwo noch keine LEDs verbaut sind, sollte man das so schnell wie möglich ändern." Seien LEDs bereits verbaut, gebe es allerdings keinen großen Unterschied, ob diese zeitweise ausgeschaltet werden, so der Ökonom.

Bernatzki setzt bei seinen Beratungen deswegen einen Schritt vorher an:

Als erstes ist ein gutes Monitoring wichtig. Wo habe ich welchen Verbrauch? Was muss ich beheizen? Was muss ich unbedingt beleuchten?
Axel Bernatzki

Ein Beispiel, an dem die Energieagentur mitgewirkt hat, ist das "Horner Modell": In dem Dorf im Hunsrück erzeugt die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gemeindehauses den Strom für die gesamte Straßenbeleuchtung. In der Region hat die Idee bereits eine Reihe von Nachahmern gefunden.

Auf dem Bild ist eine Wohnung in Vogelperspektive illustriert. Hervorgehoben sind Heizung, Dusche, Herdplatte und Arbeitsplatz.

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10.08.2022
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