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Illegale Pestizide in der EU - Milliardengeschäft mit gefälschten Pestiziden

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Immer mehr illegale Pestizide gelangen in die EU. Die Profite für die ‎Kriminellen sind enorm, denn sie sparen sich die teuren und langwierigen ‎Zulassungsverfahren.‎

Pestizide herzustellen, ist billig. Teuer ist die Zulassung mit vielen Studien und Tests. Die Polizei fahndet nach illegalen Pestiziden. Über die Ukraine und Polen gelangen sie immer häufiger in die EU.

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Dr. Nils Kurlemann ist beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zuständig für illegale Pestizide, also Pflanzenschutzmittel, die gefälscht sind und ohne Zulassung vertrieben werden.

Im Labor der Behörde in Braunschweig zeigt er einen 5-Liter-Kanister Glyphosat. "Dieses Produkt hier ist illegal", so Kurlemann gegenüber Frontal21. "Es ist nirgendwo zugelassen. Die Zulassungsnummer ist gefälscht und den Hersteller gibt es auch nicht. Wir haben es hier mit Kriminellen zu tun, die ihre Produkte online verkaufen."

Dutzende Verdachtsproben wurden von den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer in diesem Jahr bereits nach Braunschweig geschickt, damit sie im Labor analysiert werden.

Unkalkulierbares Risiko

Dr. Ellen Richter, Leiterin des Pflanzenschutzdienstes Nordrhein Westfalen, warnt vor den Gefahren, wenn zum Beispiel Kleingärtner gefälschte Pestizide ohne Schutzkleidung spritzen.

"Die Wirkstoffe und die Zusatzmittel können ganz anders sein als beim zugelassenen Original und das macht es so gefährlich für den Anwender, für Kulturen und für die Umwelt", so Richter. Keiner wisse, aus welchen Giften die Fälschungen bestünden.

Hoher Profit

Neben Arzneimitteln sind Pestizide in Deutschland die am umfangreichsten kontrollierten Produkte. Für sie gelten teure und aufwendige Zulassungsverfahren. "Die reinen Produktionskosten sind sehr niedrig, vielleicht wenige Prozent der Gesamtkosten", meint Nils Kurlemann, "und deshalb können Sie als Fälscher von Pestiziden sehr, sehr viel Geld verdienen."

Vorbeugendes maschinelles Spritzen von Pestiziden in einem Weinberg

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Etwa 70 Kilogramm Obst und Gemüse isst jeder Deutsche im Jahr. Doch ausgerechnet unsere Äpfel und Weintrauben werden mit Pestiziden gespritzt. Oft mehr als zehnmal pro Saison.

von Torsten Mehltretter

Die Bayer-AG schätzt, dass der Pflanzenschutz-Industrie weltweit jährlich ein Schaden von über sechs Milliarden Euro entsteht. "Der Öffentlichkeit gehen ebenfalls Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verloren", so Dr. Hans-Joachim Henn, Leiter des Fälschungsschutzes bei Bayer. "Was unsere eigenen Produkte angeht, schützen wir sie mit einem Siegel und einem einmaligen QR-Code, der kaputt geht, wenn man das Produkt öffnet."

Europaweite Fahndungen

Inzwischen ist das Problem mit den Illegalen Pestiziden so groß, dass Europol tätig wird. Die Polizei der EU fahndete im Frühjahr bei einer Operation namens "Silver Axe" weltweit nach verdächtigen Lieferungen und ihren Hintermännern. In diesem Jahr wurden 1.346 Tonnen gefälschter Pestizide festgestellt.

"Das, was eigentlich schlimm daran ist, dass es sich hier nicht nur um Produktpiraterie handelt", meint Jan Op Gen Oorth, Sprecher von Europol gegenüber Frontal21. "Es sind jetzt keine Turnschuhe oder Handtaschen."

Pestizide haben natürlich einen Einfluss auf den Menschen und auch auf die Umgebung, auf die Umwelt. Das heißt, hier wird wirklich Profit gemacht auf Basis der Gesundheit und unserer Umwelt.
Jan Op Gen Oorth

Europol schätzt, dass 14 bis 15 Prozent aller Pestizide gefälscht sind.

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