Sie sind hier:

Country-by-Country-Reporting - EU beschließt härtere Steuerregeln für Firmen

Datum:

Große Unternehmen in der EU müssen in Zukunft offenlegen, in welchem Land sie wie viele Steuern zahlen. Das Country-by-Country-Reporting soll Steuervermeidung begrenzen.

EU-Flaggen wehen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission.
Flaggen vor der EU-Kommission.
Quelle: reuters

Große Unternehmen in der Europäischen Union müssen künftig offenlegen, wie viel Steuern sie in welchem Land zahlen. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich auf Regeln für das sogenannte Country-by-Country-Reporting. Die Beteiligten sprachen von einem Meilenstein für mehr Steuergerechtigkeit. Oxfam und Transparency zeigten sich jedoch enttäuscht. Sie halten den Kompromiss für zahnlos.

Das Vorhaben soll helfen, Steuersparmodelle von Firmen zu begrenzen. Mit der Einigung endet ein fünfjähriger Streit. Die EU-Kommission hatte schon 2016 den Vorschlag zur Änderung der Rechnungslegung gemacht.

Mit schärferen Regeln will die EU multinationale Unternehmen dazu zwingen, ihre Umsätze und Steuerzahlungen transparenter zu machen. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller berichtet.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Regeln für multinationale Unternehmen

Die Country-by-Country-Regeln sollen für multinationale Unternehmen mit weltweit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz gelten. In einem länderbezogenen Bericht sollen sie unter anderem die Nettoumsätze, Gewinn oder Verlust vor Steuern und die tatsächlich gezahlten Ertragssteuern veröffentlichen.

Die Daten sollen für alle EU-Staaten aufgeschlüsselt werden. Dies gilt auch für Länder auf der sogenannten Schwarzen Liste der Steueroasen sowie für Staaten, die mindestens zwei Jahre hintereinander auf der sogenannten Grauen Liste stehen, derzeit zum Beispiel die Türkei.

Die Idee, weltweite Mindeststeuern für Unternehmen einzuführen, scheiterte zuletzt an Trump. "Nun will die USA mitmachen, deshalb hat der Vorschlag Chancen", so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Große Verluste durch Steuervermeidung

Einige große Unternehmen nutzen Ableger und komplizierte Firmengeflechte, um Gewinne in Länder mit möglichst niedrigen Steuersätzen zu verschieben und so Steuern zu vermeiden. Das geschieht innerhalb der EU, aber auch weltweit.

Schätzungen zufolge verlören die EU-Staaten durch Steuervermeidung großer Firmen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro, erklärte der portugiesische Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira. Sein Land hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten und vermittelte den Kompromiss. In der schweren Zeit nach der Pandemie sei Transparenz wichtiger denn je.

Es ist unsere Pflicht sicherzustellen, dass alle wirtschaftlichen Akteure ihren fairen Anteil zur wirtschaftlichen Erholung beitragen.
Pedro Siza Vieira

"Die Einigung ist ein Meilenstein für Steuergerechtigkeit in Europa", erklärte der Grünen-Finanzexperte Sven Giegold nach der Einigung. "Länderbezogene Steuertransparenz ist ein scharfes Schwert gegen Steuervermeidung. Wenn große Unternehmen ihre Gewinne und gezahlten Steuern pro Geschäftsland offenlegen müssen, wird Steuerdumping jedes Jahr für alle sichtbar." Das werde dem Ruf der Unternehmen schaden, sagte der Europaabgeordnete. Europa werde so weltweit zum Vorreiter für Steuertransparenz.

Oxfam kritisiert Einigung

Die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam kritisierte, dass viele der weltweiten Steueroasen nicht auf der EU-Liste stünden und daher einer Überprüfung entgehen würden.

"Die EU-Gesetzgeber haben multinationalen Konzernen viele Möglichkeiten eingeräumt, weiterhin im Verborgenen Steuern zu hinterziehen, indem sie ihre Gewinne in Steueroasen außerhalb der EU verlagern, wie die Bermudas, die Cayman-Inseln und die Schweiz", sagte Oxfams Steuerexpertin Chiara Putaturo.

Auch die Organisation Transparency International bemängelte, der jetzt vereinbarte Gesetzestext lasse große Schlupflöcher für die Unternehmen.

Die Dokumentation begibt sich in den Sumpf der Steuerhinterziehung: von Schweizer Nummernkonten über geleakte Steuer-CDs bis hin zu gewieften Offshore-Konstruktionen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.