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Lagarde: Außergewöhnliche Zeiten, außergewöhnliches Handeln

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EZB-Notfallprogramm - Lagarde: Außergewöhnliche Zeiten, außergewöhnliches Handeln

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Durch die Corona-Krise haben sich die Wirtschaftsperspektiven verdüstert. Nun hat die Europäische Zentralbank über Nacht neue massive Maßnahmen angekündigt.

Archiv: Die Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank am 27.10.2014 in Frankfurt
Die Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank
Quelle: AP

"Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliches Handeln", twitterte EZB-Chefin Christine Lagarde, nachdem die Europäische Zentralbank in der Nacht ein neues Anleihenkaufprogramm angekündigt hatte. "Das ist eine Lehre aus den Jahren 2008/2009", sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung. "Man will eine Abwärtsspirale verhindern. Man will eine Finanzmarktpanik gar nicht erst entstehen lassen".

EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Archivbild
EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Archivbild
Quelle: Dirk Claus/European Central Bank/dpa

Lagarde unterstrich, dass es für sie kein Limit beim Einsatz für den Euro gebe. Die Äußerungen erinnern an die drei denkwürdigen Worte ihres Vorgängers, Mario Draghi. Der hatte während der Euro-Staatsschuldenkrise gesagt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Dieses "Whatever it takes" gilt seither als Zauberformel – als Machtwort. In dessen Nachhall verstummten Spekulationen gegen den Euro dauerhaft.

Auswirkungen der Pandemie meistern

Die EZB will nun bis Jahresende Anleihen im Volumen von 750 Milliarden Euro aufkaufen, wenn nötig auch mehr. Das "Pandemic Emergency Purchase Programme" soll helfen, dass alle Bereiche der Wirtschaft die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie meistern können. "Das gilt gleichermaßen für Familien, Firmen, Banken und Regierungen", schrieb die Notenbank in ihrer Mitteilung. Vor wenigen Tagen hatte die EZB bereits Anleihekäufe bis Jahresende in Höhe von 120 Milliarden Euro verkündet.

"Nun zeigt die EZB, dass sie tatsächlich gewillt ist, flexibel und mit großem Engagement zu agieren. Das ist gut und richtig so", sagte Stefan Große von der Nord LB. Der Chefvolkswirt der Commerzbank nannte das Notfallprogramm "eine neue Bazooka" gegen die Krise. Um den Kursrutsch an den Aktienmärkten zu beenden, müsse sich aber ein Abebben der Corona-Epidemie abzeichnen.

Lob von Altmaier

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begrüßte die neuen Maßnahmen. Sie dienten dem Ziel, das Vertrauen an den internationalen Finanzmärkten zu stärken. Der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion di Masi kritisierte das Anleihekaufprogramm als nicht ausreichend. Zudem berge es die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen. Ähnliche Kritik war aus dem Union-Wirtschaftsrat zu hören.

Die Lufthansa streicht bis zum 19. April sein Flugprogramm wegen der Coronakrise stärk zusammen, rund 700 Flugzeuge bleiben am Boden. Wegen der europaweiten wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus hat die EZB ein Notprogramm beschlossen.

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Vor wenigen Tagen hatte die EZB bereits Maßnahmen beschlossen, um in der Corona-Krise das Finanzsystem liquide zu halten. Mit den neuen Maßnahmen dürfte die EZB auch darauf abzielen, das besonders von der Virus-Epidemie betroffene Italien zu unterstützen. Das Land ist hoch verschuldet. Sollte Italien ins Straucheln geraten, droht eine neue schwere Eurokrise.

DIW: Europäische Strategie nötig

Wie tief die mit der Epidemie einhergehende Krise wirtschaftlich ausfallen wird, kann noch niemand seriös abschätzen. Das DIW sieht es aber als wahrscheinlich an, dass die Auswirkungen stärker sein werden als nur ein kurzfristiger Wirtschaftseinbruch mit anschließender Erholung. DIW-Chef Marcel Fratzscher hält deswegen eine koordinierte und entschlossene europäische Krisenstrategie für dringend notwendig. Man dürfe nicht die Fehler der Vergangenheit machen, wo Europa wenig Einigkeit zeigte im Bewältigen von Krisen und sich hinter den Geschützen der Zentralbank bildlich weggeduckt hat.

Wie schwierig die Lage ist zeigt auch, dass das Ifo-Institut zum ersten Mal außerhalb der geplanten Termine seinen Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht. Die Erwartungen in den Führungsetagen der deutschen Unternehmen für die kommenden Monate hätten sich verfinstert wie nie zuvor, stellen die Wirtschaftsforscher in München fest. Auch das dürfte die EZB bewogen haben, quasi über Nacht ihre Gefahreneinschätzung zu ändern. Und nun, wie andere Zentralbanken auch, nun mit allen Mitteln gegen die möglichen wirtschaftlichen Verwerfungen vorzugehen.

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