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Diskussion um Geldpolitik - Wie viel Inflation ist gut?

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Die Europäische Zentralbank hat ein Problem. Seit Jahren erreicht sie ihr Ziel nicht: eine Inflation von zwei Prozent. Hat das Folgen für Verbraucher? Wie geht es weiter?

Archiv: Christine Lagarde unterschreibt einen 20€ Schein.
Was ist das richtige Maß für die Inflation? EZB-Chefin Christine Lagarde hat die Diskussion eröffnet.
Quelle: DPA

Christine Lagarde stellt die seit Jahren ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den Prüfstand. Tabus gebe es dabei keine, wie die erste Frau an der Spitze der Notenbank am Donnerstag nach der zweiten Zinssitzung unter ihrer Leitung bekräftigte. Ein Thema der Strategiediskussion: Was ist das richtige Maß für die Inflation?

Was ist Inflation eigentlich?

Die Preise für Waren und Dienstleistungen können sich in einer Marktwirtschaft jederzeit ändern - einige steigen, andere fallen. Erhöhen sich Preise allgemein, spricht man von Inflation. Das Geld ist dann weniger wert, Verbraucher können für einen Euro weniger kaufen als zuvor.

Ist die Inflation zu hoch, verlieren Verbraucher an Kaufkraft und die Währung hat weniger Rückhalt. Stagnieren Preise andererseits oder fallen auf breiter Front, kann das Verbraucher und Unternehmen verleiten, Investitionen aufzuschieben. Denn es könnte ja bald noch günstiger werden. Dieses Abwarten kann die Konjunktur ausbremsen.

Mario Draghi und Christine Lagarde

Draghi-Nachfolgerin tritt Amt an - Lagardes schweres Erbe bei der EZB 

Die erste Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute ihr Amt angetreten. Christine Lagarde bringt viel Erfahrung mit, übernimmt aber in schwierigen Zeiten.

von Reinhard Schlieker

Was strebt die EZB an?

Bei Gründung der EZB im Juni 1998 definierten die Euro-Notenbanken Preisstabilität bei einer jährlichen Teuerungsrate von "unter zwei Prozent". Im Jahr 2003 präzisierte der EZB-Rat, mittelfristig werde eine Inflation von "unter, aber nahe zwei Prozent" angestrebt. Die meisten Zentralbanken entwickelter Volkswirtschaften richten ihre Geldpolitik auf das Ziel einer Teuerungsrate von rund zwei Prozent aus.

Seit 2013 lag die Teuerungsrate im Euroraum aber oft deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke. Und das, obwohl die EZB viel billiges Geld in die Märkte gepumpt und die Zinsen auf Rekordtief gesenkt hat - beides in der ökonomischen Theorie probate Mittel, um für mehr Inflation zu sorgen.

Was könnte nun der Ausweg sein?

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) fordert eine Abkehr vom bisherigen Inflationsziel. BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig sagt:

"Mit dem Inflationsziel hat sich die EZB in eine Sackgasse manövriert."

Mit dem Inflationsziel hat sich die EZB in eine Sackgasse manövriert
Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer Bundesverband deutscher Banken

Die Folge: Die EZB habe sich gezwungen gesehen, ihre Geldschleusen immer weiter zu öffnen, sagt Ossig. "Das Inflationsziel der EZB sollte künftig als eine Art Inflations- oder Toleranzband zwischen ein und zwei Prozent ausgelegt werden", fordert der BdB in einem Positionspapier.

Auch unter Notenbankern gibt es Fürsprecher für mehr Flexibilität beim Thema Inflation. "Einige Ratsmitglieder haben empfohlen, dass es ein Band um das Ziel geben könnte", wurde Estlands Notenbankchef Madis Müller im Dezember in Medienberichten zitiert. "Ich denke, wir sollten das diskutieren."

Welche Folgen hätte ein flexiblerer Umgang mit Inflation für Sparer?

Schlechte Nachrichten für Sparer: Je mehr Spielraum sich die EZB in Sachen Inflation gibt, umso länger könnte die Notenbank an Null- und Negativzins festhalten.

Würde sich der EZB-Rat beispielsweise auf eine Spanne von ein Prozent bis drei Prozent mit einem Anker in der Mitte festlegen, wäre "der Anreiz zur Normalisierung der Geldpolitik ... vergleichsweise schwach", analysiert die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Wie geht es weiter?

In einem umfassenden Prozess will die Notenbank unter anderem ihre Formulierung von Preisstabilität ebenso unter die Lupe nehmen wie ihr geldpolitisches Instrumentarium. Bei der Berechnung der Inflation könnten künftig möglicherweise auch die seit Jahren kräftigen Preissteigerungen bei Immobilien ein höheres Gewicht bekommen. Abgeschlossen sein soll die Überprüfung möglichst bis zum Ende dieses Jahres.

Generell fordert die neue EZB-Präsidentin eine neue Haltung: Lagarde will besser erklären, was die EZB tut und warum die Notenbank es tut. Die Währungshüter sollen sich nicht hinter der gläsernen Fassade des EZB-Turmes im Osten Frankfurts verschanzen, sondern präsent sein. "Wir werden versuchen, eine Sprache zu sprechen, die jeder versteht. Und wir werden zuhören und ein offenes Ohr für die Sorgen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger haben", verspricht Lagarde.

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