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Zuwanderung als Lösung? : Fachkräftemangel: Es droht noch Schlimmeres

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Zwei Millionen offene Stellen gibt es in Deutschland. Und es könnten bald noch deutlich mehr werden. Zentrales Problem: die Alterung der Gesellschaft. Zuwanderung soll helfen.

Der Arbeits- und Fachkräftemangel betrifft fast alle Branchen. Von der Werkshalle bis zur Hotellobby - überall werden Mitarbeiter dringend gesucht, auch in Naumburg in Sachsen-Anhalt.

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Wer zurzeit baut oder renoviert, spürt es besonders deutlich: Einen Installateur, Maurer oder Trockenbauer auf seine Baustelle zu bekommen, ist fast wie "ein Sechser im Lotto" oder zum berühmten "Ding der Unmöglichkeit" geworden. Handwerker fehlen an allen Ecken und Enden. Allein in der Bauindustrie sind derzeit über 200.000 Stellen nicht besetzt.

Doch damit nicht genug der schlechten Nachrichten, denn leider sieht es in anderen Berufszweigen nicht viel besser aus. Im Erziehungs- und Pflegebereich, der Informatik und sogar im Lehrerberuf fehlen ebenfalls Tausende. Und dieser Reigen ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Fachkräftemangel: Ist jetzt sogar die "gute alte Zeit"?

Der Berufsbildungsexperte Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) glaubt deshalb, "dass es in bestimmten Bereichen durchaus dramatisch werden kann, vor allem wenn man bedenkt, was alles vor uns liegt. Beispielweise die energetische Sanierung oder die Digitalisierung."

Es könnte also sein, dass wir trotz des jetzt schon sichtbaren Mangels an Fachkräften in ein paar Jahren von der "guten alten Zeit" reden. Denn es droht noch Schlimmeres.

Hohe Zuwanderung nötig

Die Ursachen für den Fachkräftemangel sind vielfältig. Als größte Herausforderung dabei gilt aber die Alterung unserer Gesellschaft. Einer niedrigen Geburtenrate stehen immer mehr Renteneintritte gegenüber. Und dabei hat die Verrentung der "Baby-Boomer" gerade erst begonnen.

Um diesem demografischen Wandel entgegenzuwirken, bräuchten wir laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine "Nettozuwanderung" von 400.000 bis 500.000 Personen. Nicht einmalig wohlgemerkt, sondern jährlich.

Deutschland nicht mehr so attraktiv für Osteuropa

Doch viele Zuwanderer verlassen Deutschland schnell wieder. Gründe sind die aufwändige Bürokratie, fehlende Aufstiegschancen oder die Anerkennung von Abschlüssen. Auch Dirk Werner sieht in diesem Bereich noch "viel Luft nach oben", aber er glaubt auch, dass Deutschland aus der Zuwanderung aus Syrien viel gelernt habe:

Inzwischen haben wir eine ganz andere Kultur. Früher wollten wir Ausländerzuwanderung verhindern. Jetzt haben wir den Schalter umgelegt.
Dirk Werner, IW

Dabei profitierte Deutschland in der Vergangenheit bei der Zuwanderung - neben den verschiedenen Flüchtlingswellen - auch von der Migration aus Osteuropa. Doch in vielen ehemals typischen Herkunftsländern sind die Lebensbedingungen inzwischen ähnlich wie in Deutschland. Deshalb kommen von dort immer weniger Menschen zu uns.

Wir hätten das Studium mehr betont als die Handwerkliche Ausbildung - es gäbe zwar Zuwächse, die reichen nur nicht aus, so Helmut Bramann vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima.

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Mehr gezielte Anwerbung gegen Fachkräftemangel

Deshalb liegt der Schlüssel zum Erfolg wohl bei der gezielten Zuwanderung aus Ländern mit gegenläufiger demografischer Entwicklung. Auch wenn für Dirk Werner dahingehend schon vieles unternommen wird, glaubt er, dass "von allen Institutionen zusammen" in Ländern wie "Mexiko, Vietnam oder den Philippinen noch besser für eine Ausbildung in Deutschland geworben werden muss". Auch "Visa müssten schneller ausgestellt werden".

Bei den Hochschülern hat Deutschland bereits einen guten Ruf. Mehr als die Hälfte bleiben nach dem Abschluss ihres Studiums in Deutschland. Dies muss auch das Ziel für die duale Ausbildung sein. Dabei helfen können Projekte, wie beispielsweise vom TÜV in Indien: "Dort werden Arbeiter für das Kfz-Handwerk qualifiziert und erlernen gleichzeitig die deutsche Sprache", erklärt Dirk Werner.

Es ist wohl ein weiter und beschwerlicher Weg für Deutschland, bei dem man - anders als früher - auch viele Klinken im Ausland wird putzen müssen.

Klaus Weber ist ZDF-Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.

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von Daniela Sonntag
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