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Projekt "Du bist hier der Chef" - Wenn Kunden den Milchpreis machen

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Faire Lebensmittel, die nicht zu Lasten von Tier, Mensch und Umwelt gehen – wer will das nicht? Über den Preis können Verbraucher jetzt selbst entscheiden.

Cappuccino, Butter, Käsebrot: Überall steckt Milch drin. Die darf ruhig ein bisschen mehr kosten: Verbraucher legen zunehmend Wert auf faire Löhne für Bauern, Tierwohl und die Ökobilanz.

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30 min
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Wie soll Milch produziert werden und was darf ein Liter kosten? Darüber konnten Verbraucherinnen und Verbraucher in einer Online-Umfrage abstimmen. "Du bist hier der Chef!", heißt die Initiative, die dahintersteckt und die gerade ihr erstes Produkt auf den Markt gebracht hat: Milch.

Vorgegeben war nur der Mindestpreis: 0,73 Euro. Dann stand alles zur Abstimmung frei. Sollen die Kühe frisches Gras und regionales Futter bekommen? Das macht fünf Cent mehr pro Liter. Sollen sie für mindestens vier Monate auf die Weide? Macht sechs Cent mehr. Bio? Mehr Tierwohl? Nachhaltige Verpackung? Ein fairer Lohn für die Bauern und Bäuerinnen? Am Ende stand der Preis fest: 1,45 Euro für einen Liter Milch.

Eine Idee aus Frankreich

Das Vorbild ist eine französische Initiative, die vor gut vier Jahren an den Start ging. Denn auch dort kommen Milchbauern und -Bäuerinnen nur schwer über die Runden. Die Marktpreise für Milch sind niedrig, sinken sogar weiter. Deshalb müssen sie ihre Produktionskosten mindern und sind gezwungen, zu sparen: am Futter, am Platz und an vielem anderen, was den Tieren gut täte.

"C’est qui le patron!?" - so der französische Name - schlug ein wie eine Bombe und stellte die Lebensmittelvermarktung auf den Kopf. Dank dem Votum der Verbrauchenden erhalten mittlerweile 3.000 Betriebe einen fairen Preis für ihre Milch.

Gemeinsam für bessere Milch

Nicolas Barthelmé, ein gebürtiger Franzose, der im hessischen Willingen lebt, macht es seinen Landsleuten nach. Die erste Milchlieferung der teilnehmenden Betriebe an die Molkerei ist für ihn ein großer Moment. Früher, in seinem alten Job, verkaufte er billig produzierten Käse und sah mit an, wie den Bauern und Bäuerinnen immer niedrigere Milchpreise diktiert wurden. Er wollte dabei nicht mehr mitmachen und kündigte. Heute kämpft er für gute Milch.

Dass wir es tatsächlich hinbekommen haben, Landwirte zu bekommen, die nach unseren Kriterien produzieren, eine Molkerei, die mutig war, den Schritt mit uns zu gehen: Das ist ein Riesenerfolg.
Nicolas Barthelmé, Initiator

Seine Online-Umfrage stellte Nicolas Barthelmé Ende vergangenen Jahres ins Internet. Über 9.000 Konsumenten konnten rund drei Monate lang auf der Webseite des Vereins abstimmen. Eine von ihnen ist Gabi Totschnig: "Ich finde es einfach wahnsinnig, dass man aktiv was bewegen kann und nicht nur immer der Konsument ist, der die Produkte vorgesetzt bekommt."

Nach der Abstimmung suchte Nicolas Barthelmé Bauern, die mitmachen. Und tatsächlich, er fand sie. Darunter: Sven Lorenz, der vor über zehn Jahren den Hof seiner Schwiegereltern übernommen hat. Ein konventioneller Hof, der Milch produzierte, die schon für etwa 70 Cent pro Liter angeboten wurde. "Davon kann man auf Dauer nicht überleben", sagt Lorenz. Er stellte auf Bio um, ein erster Ausweg. Doch steigende Futterkosten machten ihm zu schaffen.

Als Lieferant für "Du bist hier der Chef"“ bekommt er jetzt elf Cent mehr als für den normalen Liter Bio-Milch. "Eine faire Vergütung", sagt Lorenz. Dafür kann er nun auch die Wünsche der Verbraucher*innen erfüllen: frisches Futter, Weidehaltung, mehr Tierwohl.

Ein Erfolg auch in Deutschland?

Im Sommer konnte die Initiative einen ersten Supermarkt überzeugen, die Milch ins Sortiment aufzunehmen. Sie ist eine der teuersten im Regal. Dennoch: Der Testlauf war ein großer Erfolg. Die Verbraucher*innen sind tatsächlich bereit, mehr für gute Milch zu bezahlen.

Inzwischen gibt es die Chef-Milch in rund 750 Supermarkt-Filialen in ganz Deutschland. Und die zweite Umfrage läuft bereits: Wie viel sind uns Eier wert?

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