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Altersvorsorge keine Männersache - "Liebe Frauen, ihr habt es in der Hand!"

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Finanzthemen sind keine Männersache, erst recht nicht die Altersvorsorge, sagt Xenia Borger. So können Frauen ihre Finanzen selbstbewusst selber angehen - Tipps von der Expertin.

Hände mit Taschenrechner und Stift
Alte Rollenmuster, Stereotype und Bequemlichkeit führen teilweise dazu, dass Frauen die Verantwortung für ihre Finanzen abgeben.
Quelle: imago

ZDFheute: Kümmern sich Frauen im Allgemeinen genügend um ihre Altersvorsorge?

Xenia Borger: Leider immer noch viel zu wenig. Das Schlimme ist, dass Frauen das erst bewusst wird, wenn sie in kritische Lebenssituationen geraten. Beispielsweise wenn der Mann als Besser- bzw. Alleinverdiener ausfällt.

ZDFheute: Woran liegt es, dass Frauen die Verantwortung nicht selbst übernehmen?

Borger: Man muss sich in Erinnerung rufen, dass Frauen bis 1958 kein eigenes Bankkonto eröffnen durften und Männer den Arbeitsvertrag ihrer Ehefrau jederzeit kündigen konnten. Noch bis 1977 durfte eine Frau nur berufstätig sein, wenn das ihre Pflichten in Ehe und Familie nicht störte. Das wirkt bis heute nach.

Auch in die Erziehung fließen noch viele Stereotype ein: Jungs werden in Richtung Zahlen, Fakten und Technik ermutigt - Mädchen eher in Richtung soziale Kompetenzen. Dabei fehlen den Mädchen oft starke weibliche Vorbilder aus dem Logik-Lager.

Bis zu einem gewissen Punkt ist es auch eine Frage der Bequemlichkeit. Es ist schlicht leichter, sich nicht mit den ungewohnten Themen Altersvorsorge und Finanzen zu beschäftigen.

ZDFheute: Was ist die große Gefahr dabei?

Borger: Dass sich Frauen zu sehr auf andere verlassen und die Verantwortung für ihre Finanzen nicht selbst in die Hand nehmen. Dazu kommt leider oft eine Hemmschwelle, die mit der Zeit größer wird.

Wenn Frauen dann gezwungen sind, sich mit Finanzangelegenheiten zu beschäftigen, kann dies mit negativen Gefühlen verbunden sein, weil sie sich nicht auskennen.
Xenia Borger

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30 min
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ZDFheute: Was müssten Frauen Ihrer Meinung nach tun?

Borger: Frauen müssen sich bewusst werden, dass niemand außer sie selbst für ihre finanzielle Situation verantwortlich sind. Und dann über ihren Schatten springen und loslegen.

ZDFheute: Können Sie konkrete erste Schritte empfehlen?

Borger: Als erstes gilt: den Status quo bestimmen.

Wie ist meine Situation, wo stehe ich finanziell? Dann formuliert man erste Ziele und darauf folgend Strategien, um diese zu erreichen.
Xenia Borger

Eigentlich ganz einfach, wenn man Schritt für Schritt vorgeht.

ZDFheute: Wie überwinde ich meine Hemmungen, mich mit Aktien zu befassen?

Borger: Wichtig ist, am Anfang mit kleinen Schritten zu beginnen - etwa regelmäßig sein Konto zu checken, (Finanz-)Nachrichten auf offiziellen Plattformen zu verfolgen und sich so anzugewöhnen, sich mit Finanzen zu beschäftigen. Unterstützung bieten unter anderem Frauencommunities wie Dagoberta e.V. an.

So gelingt die Altersvorsorge.

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4 min
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Darüber hinaus können Frauen mit Hilfe eines Musterdepots erste Erfahrungen sammeln. Ein Musterdepot kann man in zwei Minuten online eröffnen.

Dort gibt es kein Risiko, da man kein 'echtes' Geld anlegt - aber man gewinnt eine Menge Erfahrung.
Xenia Borger

ZDFheute: Ich habe aber nicht genug Geld, um zu riskieren, es zu verlieren - welche "sicheren" Alternativen zu Aktienanlagen gibt es?

Borger: Ein guter Kompromiss aus Risiko, Verfügbarkeit und Ertrag sind oft breit gestreute Warenkörbe - Fonds, diverse World-ETFs oder World-Fonds. In die meisten kann man schon ab 25 Euro im Monat investieren.

Was wissen Bürger über ihre Altersvorsorge?

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5 min
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ZDFheute: Ist das auch für junge Frauen wichtig?

Borger: Gerade für junge Frauen ist es besonders wichtig, sich mit ihren Finanzen und Vermögensaufbau zu beschäftigen. Denn sie haben einen großen Vorteil: Zeit.

Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass früh angelegtes Geld über die Jahre immer höhere Erträge erwirtschaftet.
Xenia Borger

ZDFheute: Was muss sich gesellschaftlich und politisch tun, damit Frauen im Alter nicht schlechter dastehen als Männer?

Borger: Es muss sich noch viel bewegen. Beispielsweise bin ich für Unterricht in Finanzbildung an den Schulen. Außerdem müssen Frauen und Männer mit gleichen Qualifikationen gleich bezahlt werden und gleich lange Elternzeit leisten.

Dann ist es für den Arbeitgeber egal, ob er einen Mann oder eine Frau einstellt, denn sie beide werden "ausfallen", wenn sich Kinderwünsche erfüllen. Gleiche Elternzeit bedeutet für Frauen gleiche Chancen auf Kind, Karriere und Rente.

Wichtig ist auch, Forderungen zu stellen und dran zu bleiben.
Xenia Borger

 

ZDFheute: Ihr Appell an Frauen?

Borger: Liebe Frauen, ihr habt alles selbst in der Hand! Heute gibt es keine Ausreden, dass ihr das nicht dürft. Nutzt diese Möglichkeit und baut euch ein eigenes Vermögen auf. Auf zu eigenen Wünschen und Träumen!

Das Interview führte Joanna Michna.

Gefährliche Vorurteile - Frauen und Finanzen - passt das? 

Männer können besser mit Geld als Frauen - so lautet ein oft gehörtes Klischee. Fakt ist aber: Frauen verdienen im Schnitt weniger, investieren weniger, haben weniger Rente.

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