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Wirecard vor ungewisser Zukunft

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Vorwurf der Bilanzmanipulation - Wirecard vor ungewisser Zukunft

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Wo es riecht, ist meist etwas faul. Seit Monaten beteuert Wirecard, an den Vorwürfen der Bilanzmanipulation sei nichts dran. Heute erreicht die Affäre ihren dramatischen Höhepunkt.

Fast zwei Milliarden Euro, die in den Bilanzen von Wirecard stehen, sind nicht auffindbar. Nun steht der Konzern unter Betrugsverdacht. Der Aktienkurs stürzt extrem ab.

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Wirecard-Chef Markus Braun hat immer wieder beteuert, die Vorwürfe der Bilanzmanipulation entbehrten jeder Grundlage. Doch heute kann der Konzern seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 wieder nicht veröffentlichen. Die Aktie rauscht in den Keller, verliert phasenweise über 60 Prozent an Wert. Das Ganze innerhalb nur weniger Minuten.

Wieder keine Bilanzveröffentlichung - Vorwurf der Täuschung

In einer Ad-hoc-Meldung heißt es, Prüfer von Ernst&Young hätten den Konzern darüber informiert, dass es keine ausreichenden Prüfungsnachweise für Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro gebe. Das entspricht etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme. Nach all den Monaten des Versuchs der Aufklärung eine schallende Ohrfeige für den Dax-Konzern. Und schlimmer noch.

In der Mitteilung heißt es weiter: "Es bestehen Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder bzw. aus dem Bereich der Banken, welche die Treuhandkonten führen, unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden." Solche schwerwiegenden Täuschungsvorwürfe hatte es in der Geschichte der Dax-Konzerne noch nicht gegeben

Vorwürfe begleiten Wirecard seit anderthalb Jahren

Milliardenschwere Unklarheiten in der Bilanz begleiten das Unternehmen aus der Nähe von München bereits seit fast anderthalb Jahren. Ende Januar 2019 berichtete erstmals die Online-Ausgabe der "Financial Times" über Unregelmäßigkeiten beim Zahlungsabwickler.

Wegen Unstimmigkeiten in den Bilanzen kehren Anleger dem Zahlungsabwickler Wirecard den Rücken zu, so ZDF-Reporterin Sina Mainitz. Der Kurs stürzte um 62 Prozent ab.

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Demnach habe ein hochrangiger Manager in Singapur Verträge gefälscht und Geldwäsche betrieben. Damals hält man es noch für möglich, dass Wettbewerber dem Emporkömmling Wirecard schaden wollen.

In nur wenigen Jahren hat der Finanzdienstleister etablierte Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die Commerzbank erst ein- und dann überholt. Mit einem Geschäft, womit eben jene Etablierten nichts mehr zu tun haben wollten: das schnöde Geld von A nach B transferieren.

Erfolgreiches Geschäftsmodell

Wirecard hat dieses Geschäft für sich erfolgreich ausgebaut, indem es seinen Kunden Zusatzleistungen anbietet, etwa den Schutz vor betrügerischen Transaktionen. Außerdem gewährt das Unternehmen Kredit, so dass Händler sofort ihr Geld bekommen, auch wenn die Abwicklung der Kartenzahlung Tage und Wochen dauert.

Zu den Wirecard-Kunden gehört heute das Who's who der großen Handelsketten wie der Discounter Aldi. Aber auch weltweit, vor allem in Asien, ist Wirecard exzellent aufgestellt.

Allerdings nur, was das operative Geschäft betrifft. Was die interne Transparenz der Geschäftsabläufe anbelangt, ist es weder der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young noch den Sonderprüfern von KPMG gelungen, Klarheit zu schaffen.

Befreiungsschlag misslingt

Im vergangenen Oktober reagierte Wirecard auf die anhaltenden Vorwürfe der Bilanzfälschung, vor allem die "Financial Times" legte immer wieder nach, mit immer neuem Detailwissen. Die Schlinge um Wirecard und einige ihrer Vorstände schien sich zuzuziehen.

KPMG sollte jetzt all dies als unabhängiger Ermittler ausräumen. Doch der Befreiungsschlag misslang. KPMG konnte zwar einige Vorwürfe entkräften, doch war auch nicht in der Lage, alle Umsätze des Konzerns einwandfrei nachzuweisen.

Vorwürfe weiten sich aus

Bevor die Sonderermittler dies veröffentlichten, hatte Wirecard wissen lassen, man hätte keine Belege für die erhobenen Vorwürfe gefunden – eine eigenwillige Interpretation, die noch teuer werden kann.

Denn diese positive wie einseitige Darstellung bescherte der Aktie im Herbst einen starken Aufwind. Allerdings nur ein Strohfeuer, nachdem KPMG wenige Tage später seine Version der Untersuchung veröffentlichte.

Und diese merkwürdigen Kursauschläge der Aktie riefen letztendlich nun auch die Staatsanwaltschaft München auf den Plan. Sie ermittelt aufgrund einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin gegen vier Vorstände des Konzerns, darunter auch Wirecard-Chef Markus Braun. Jetzt also steht nicht nur der Vorwurf der Bilanzfälschung im Raum, sondern auch der der Irreführung der Aktionäre.

Wirecard sieht sich als Opfer eines "gigantischen Betrugs"

Markus Brauns erste Reaktion heute auf das Desaster: Man sehe sich bei Wirecard möglicherweise als Opfer eines "gigantischen Betrugs".

Ob tatsächlich betrügerische Vorgänge zum Nachteil des Zahlungsdienstleisters vorliegen, ist derzeit unklar. Wirecard will Anzeige gegen unbekannt stellen. Der Ausgang dieser Geschichte ist völlig offen, eines aber lässt sich bereits jetzt festhalten: In einer Branche in der Vertrauen das A und O ist, hat Wirecard in den letzten Monaten sehr viel Kredit verspielt.

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