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Was ist das "Grundübel" der Fleischindustrie?

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Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies - Was ist das "Grundübel" der Fleischindustrie?

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Für Bundesarbeitsminister Heil sind die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie das "Grundübel" der Branche. Doch sie sind nicht das einzige Problem.

Fleisch in der Supermarkt-Theke. Archivbild
Fleisch in der Supermarkt-Theke. Archivbild
Quelle: Armin Weigel/dpa

In einem Schlachtbetrieb der Firma Tönnies wurden in dieser Woche hunderte neue Corona-Fälle registriert. Im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden. Im Landkreis Gütersloh wurden daraufhin alle Schulen und Kitas wieder geschlossen. Rund um den Betrieb befinden sich inzwischen etwa 7.000 Menschen in Quarantäne.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nannte die Situation "schockierend". Für ihn ist eines der Hauptprobleme der Branche, dass Arbeiten über Werkverträge und Subunternehmer immer weiter ausgelagert werden und damit mit den großteils aus Osteuropa stamenden Arbeitern "nicht fair umgegangen wird". Dieses "Grundübel" wolle er nun beenden, sagte Heil in der ARD. Doch ist es das? Die Fleischindustrie hat noch ganz andere Problemzonen:

Zu viel Gülle

Mehr Tiere bedeutet auch mehr tierische Ausscheidungen. Doch wohin mit der Gülle? Ein großer Teil davon landet auf den Äckern und Feldern der Landwirte - und verseucht damit Böden und Grundwasser mit Stickstoff. Für rund 57 Prozent des Stickstoffs, die hierzulande in die Umwelt gelangen, sei die Landwirtschaft verantwortlich, heißt es beim Umweltbundesamt. Die Europäische Kommission hat Deutschland sogar schon Strafzahlungen wegen des andauernden Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie angedroht. Die Rede war von Strafen in Höhe von bis zu 850.000 Euro pro Tag.

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Gesundheitsprobleme

Auch für die Gesundheit ist zu viel Fleisch nicht gut. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, pro Woche nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst zu essen. Das entspricht einer Jahresmenge zwischen 15 und 31 Kilogramm. Bei einem höheren Konsum von Fleischprodukten steige vor allem das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, berichten Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Der Fleischverbrauch in Deutschland beträgt pro Kopf und Jahr jedoch fast 90 Kilogramm. Zieht man den Knochenanteil ab, verzehrt jeder Bürger in Deutschland gut 60 Kilo Fleisch - zu zwei Dritteln vom Schwein.

Multiresistente Keime

In Europa sterben jährlich etwa 33.000 Menschen an antibiotikaresitenten Keimen. Und es werden immer mehr. Eine große Rolle spielt dabei die Fleischindustrie: Der regelmäßige und exzessive Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung fördert die Entstehung von sogenannten ESBL-Keimen. ESBL steht für "Extended-Spectrum Beta-Lactamasen". Laktamasen sind Enzyme, die Bakterien immun machen können gegen die Wirkung von Antibiotika. Damit können schon kleinere Infekte für Menschen zu tödlichen Erkrankungen werden.

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Weltweite Umweltzerstörung

Die Fleischerzeugung schadet dem Klima, vor allem die Rinderhaltung. Die Produktion eines Kilos Rindfleisch verursacht sieben bis 28 Kilo Treibhausgase, während Obst oder Gemüse bei weniger als einem Kilo liegen. Der Grund: Kühe stoßen große Mengen Methan aus, das bei der Verdauung entsteht. Und wenn Gülle auf die Felder kommt, entsteht Lachgas. Beide Gase sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid: Methan laut Umweltbundesamt 25 Mal, Lachgas fast 300 Mal.

Dennoch wächst der weltweite Hunger nach Fleisch. Um ihn zu stillen muss immer mehr Fleisch produziert werden, die großen Mastbetriebe benötigen also auch immer größere Mengen an billigem Futter für ihre Tiere: Die Lösung ist meist Soja. Für den Soja-Anbau werden in Brasilien große Teile des Regenwalds gerodet. Das gefähredt dessen Ökosystem und hat Auswirkungen auf das globale Klima.

Die Fleischproduktion nimmt weltweit zu. Tierfabriken produzieren Unmengen von Gülle; für den Soja-Anbau verschwinden Regenwälder. Fleischkonzerne gefährden so Mensch und Umwelt.

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