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Energiekrise : Unsichere Zeiten für Frankreichs Atomstrom

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Jedes zweite Kernkraftwerk in der EU steht in Frankreich. Doch nur die Hälfte dort liefert aktuell Strom. Die Gründe sind vielschichtig. Fachleute warnen vor Engpässen im Winter.

Hitze macht auch Atomkraftwerken zu schaffen. Sie liefern über 70 Prozent des Stroms in Frankreich. Fast jedes zweite ist außer Betrieb, auch wegen Korrosion und Wartung.

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Auf der Homepage des französischen Netzbetreibers RTE zeigt ein Balkendiagramm in leuchtenden Farben den Anteil der einzelnen Energiequellen am Strommix. Der gelbe Balken hat seit einigen Tagen an Strahlkraft verloren: Die Atomenergie liegt deutlich unter dem Normalniveau von 70 Prozent. 29 der insgesamt 56 Atommeiler in Frankreich produzieren aktuell keinen Strom. Ein beachtlicher Wert für ein Land, das wie kaum ein anderes in Europa von der Kernenergie abhängig ist.

Rekordhitze bremst Atommeiler

Die extremen Temperaturen in dieser Woche steuern ihren Beitrag zu den zahlreichen AKW-Ausfällen bei. Denn das Kühlwasser, das die Kernkraftwerke in die Flüsse ableiten, darf eine bestimmte Temperatur laut Gesetz nicht überschreiten. Genau das ist an vielen Standorten bei teils über 40 Grad aber nicht mehr gegeben. Ein Dutzend Meiler wurde abgeschaltet. Nur dank einer Ausnahmeregelung dürfen vier Kraftwerke vorübergehend weiterhin Strom erzeugen - im Minimalbetrieb.

Manon Besnard vom Energieinstitut Negawatt fordert vor dem Hintergrund des Klimawandels eine präventive Energiepolitik:

Wir sehen gerade, dass im Sommer Reaktoren vom Netz gehen müssen. Wir können nicht vorhersagen, wann es dazu genau kommt. Sicher ist aber, dass sich diese Probleme häufen werden.
Manon Besnard, Energieinstitut Negawatt

Frankreichs Meiler auf dem Prüfstand

Die Hitze ist nicht das einzige Problem für Frankreichs Atomkraftwerke. Viele Reaktoren sind in die Jahre gekommen, werden vom Energiekonzern EDF generalüberholt.

Das AKW Gravelines in Nordfrankreich etwa wird sechs Monate lang abgeschaltet. Bei der Inspektion haben die Ingenieure massive Korrosionsschäden festgestellt. "Wir müssen viele Teile des Metallmantels ersetzen. Wir sollten nicht zu viel Risiko gehen", sagt Jean-Marc van Aldewereld vom AKW Gravelines.

Archiv: Franzoesisches Atomkraftwerk Tricastin

Alte Meiler, kein Endlager - Frankreichs holprige Zukunft mit Atomenergie 

Knapp 70 Prozent der Energie kommt in Frankreich von Atomkraftwerken. Dabei machen viele alte Atommeiler gerade viele Probleme. Und neue sind noch nicht gebaut.

Erst nach der Instandsetzung könne die Sicherheit gewährleistet werden und der Reaktor zehn weitere Jahre am Netz bleiben. "Wegen der Pandemie konnten viele Reaktoren nicht gewartet werden. Das passiert alles jetzt und sorgt für so viele Ausfälle", bilanziert Forscherin Manon Besnard.

Investitionen in neue Reaktoren

Für den Energiekonzern EDF sind die Inspektionen nicht die einzige Baustelle. Der Betreiber ist hoch verschuldet. Deswegen soll der französische Staat, aktuell mit 84 Prozent Hauptanteilseigner, EDF ganz übernehmen - auch um mindestens sechs Meiler der neuesten Generation bauen zu können. Kostenpunkt: über 60 Milliarden Euro.

In Zeiten, in denen Europas Energiesicherheit auf dem Spiel stehe, "ist Atomenergie eine nachhaltige Lösung bei uns und in anderen europäischen Ländern", erklärte Frankreichs Präsident Macron kürzlich am Nationalfeiertag.

Deutschland will und muss sich unabhängig von russischem Gas machen. Zeitgleich ist der Atomausstieg Ende 2022 beschlossene Sache.

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Wie langwierig der Neubau werden kann, zeigt das Beispiel Flamanville am Ärmelkanal. Mit zehn Jahren Verzögerung und deutlich teurer als geplant wird das neue AKW voraussichtlich Ende 2023 fertiggestellt.

Der Ausbau des Atomparks lässt auf sich warten und das bestehende Netz könnte noch stärker belastet werden. Forscherin Besnard warnt:

Um den 1. Dezember herum werden zehn bis 15 zusätzliche Reaktoren pausieren müssen. Wenn die bereits laufenden Wartungsarbeiten sich hinziehen sollten, könnten wir im Winter Probleme bei der Energieverteilung bekommen.
Manon Besnard, Energie-Expertin

Macron setzt darauf, dass es dazu nicht kommt und nimmt notfalls Energieimporte aus dem EU-Ausland in Kauf. Nach Angaben des deutschen Bundesverbandes Erneuerbare Energie hat Deutschland bereits im Frühjahr Strom nach Frankreich exportiert. Eine Wiederholung im Herbst scheint nicht ausgeschlossen und könnte die Energiepreise in Europa weiter in die Höhe treiben.

Luis Jachmann ist Reporter im ZDF-Studio Paris.

Belgien, Schweden und Frankreich entlasten ihre Bürger*innen angesichts immer weiter steigender Energiekosten mit Preisdeckelung, Energiegeld und Steuersenkungen.

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