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Female Founders Report 2021 - Firmengründerinnen: Erfolgreich, aber selten

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Viel zu wenige Frauen gründen Unternehmen oder gar Start-ups, sagt eine Studie. Eine der Erkenntnisse: Frauen können besser mit Männern - umgekehrt wird´s komplizierter.

Geschäftsfrau steht am Whiteboard in einem Büro
Frauen sind als Unternehmensgründerinnen noch immer eher die Ausnahme.
Quelle: imago

Der aktuelle Female Founders Report zeigt in aller Deutlichkeit, dass Frauen in Deutschland seltener Start-ups gründen als Männer:

  • Der Frauenanteil bei Start-up-Gründungen beläuft sich auf 11,9 Prozent.
  • Bei allen Gründungen zusammengenommen sind Frauen immerhin mit 17,9 Prozent repräsentiert. 

Start-up-Gründungen können sich erheblich von Gründungen im Allgemeinen unterscheiden: Start-ups gelten oftmals als innovativer. Zudem hat das Institut der deutschen Wirtschaft (DIW) herausgefunden, dass sie ein größeres Wachstumspotenzial als Unternehmen im Allgemeinen. Denn: Sie haben oftmals das Ziel, Märkte zu verändern und komplett neue Produktkategorien zu schaffen, so das DIW. 

Gründerinnen bevorzugen Diversität im Team

Wenn Frauen ein Unternehmen aufbauen, gründen sie öfter gemeinsam mit Männern als mit Frauen, sagt der Female Founders Report:

  • In 50,5 Prozent der Fälle gründen Frauen geschlechterübergreifende Gründerteams.
  • Bei Männern hingegen ist nur jedes fünfzehnte Gründerteam (6,7 Prozent) gemischt. 
  • Am zweithäufigsten gründen Frauen alleine und nur 16 Prozent der Gründerinnen suchen sich weibliche Mitgründerinnen.
  • Das sieht bei den männlichen Kollegen ganz anders aus. Denn unter ihnen bilden 65 Prozent reine Männerteams. 

Frauen und Männer gründen demnach lieber gemeinsam mit Männern - offenbar sind Frauen als Gründungspartnerinnen nicht so gefragt.

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von Carsten Meyer

Dieses Missverhältnis ergibt sich daraus, dass Frauen weniger Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie gründen - zu diesem Schluss kommen sowohl eine Analyse der Boston Consulting Group als auch der Female Founders Report: Gemischte sowie reine Männerteams werden beispielsweise wesentlich öfter in den Medien erwähnt als Frauenteams. Doch das ist nicht der einzige Grund. 

Männer geben Frauen ungern Geld

Die Boston Consulting Group hat ebenfalls herausgefunden, dass ein nur von Frauen gegründetes Start-up wesentlich geringere Chancen auf Investorengelder hat als Männer (18 Prozent weniger). Geht es um die Suche eines Hauptinvestors, haben weibliche Start-up-Teams sogar eine 25 Prozent geringere Erfolgswahrscheinlichkeit.

Damit stehen Frauen vor einer höheren finanziellen Hürde, sagt Katharina Hefter von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. 

Männer geben Männern Geld. Diesen Mechanismus müssen wir durchbrechen. In der Konsequenz heißt das: Wir müssen das Thema Diversity auch auf die Kapitalgeberseite treiben.
Katharina Hefter, Boston Consulting Group

Schon bei Jugendlichen Unterschied bei Zutrauen in Selbstwirksamkeit

Gründe für die bestehende Diskrepanz hat auch das Institut der deutschen Wirtschaft untersucht. Abgefragt wurde, wie Jugendliche Unternehmertum und Gründungen wahrnehmen. Es zeigte sich, dass das Vertrauen in die eigene Kreativität und Flexibilität bei Mädchen wesentlich geringer ist als bei Jungs, und sie ihre Selbstwirksamkeit anders wahrnehmen. 

Es liegt daher nahe, dass sich Frauen seltener mit den Zielen eines Start-ups identifizieren können und eher andere wirtschaftliche Ziele und Strategien verfolgen. Zudem stellen Gründerinnen ihr Unternehmen nicht immer als Start-up dar, obwohl es die Kriterien eines solchen erfüllt. 

Managerin und Macherin Sigrid Nikutta ist Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe.

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Positiveffekte in Unternehmen durch Frauen in Führungspositionen

Trotz der Schwierigkeiten und Hürden, denen Frauen ausgesetzt sind, wird noch eines im Report deutlich: Reine Frauenteams sind sehr effizient und schaffen im Schnitt 23 Arbeitsplätze pro Gründerin, während es in reinen Männerteams nur 17 Arbeitsplätze pro Gründer sind.

Dass Frauen in Führungspositionen einen positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg haben, belegt auch eine Studie der internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Fast zwei Drittel der 12.000 dort befragten Unternehmen berichten von einer Gewinnsteigerung um fünf bis 20 Prozent, wenn Frauen in Führungspositionen sind.

Außerdem geben diese Unternehmen an, eine bessere Akquise machen und Fachkräfte besser ans Unternehmen binden zu können. Die Hälfte verzeichnet außerdem interne Performancesteigerungen in den Bereichen Kreativität, Innovation und unternehmerische Offenheit.

ILO: Schon Schulen müssen Unternehmerdenken fördern

Deborah France-Massin, Direktorin des ILO-Büros für Arbeitgeberfragen empfiehlt daher:  

Unternehmen, die in der globalen Wirtschaft erfolgreich sein wollen, sollten Geschlechterdiversität als Schlüsselfaktor ihrer Geschäftsstrategie umsetzen.
Deborah France-Massin, Direktorin ILO-Büro für Arbeitgeberfragen

Wie steht es mit Frauen in Männerdomänen und der Utopie einer weiblicheren Führungswelt? Wir haben mit Katharina Barley, Brigitte Ederer und Fränzi Kühne gesprochen.

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"Arbeitgeberorganisationen und -verbände müssen als gutes Beispiel vorangehen und wirksame Strategien und deren effektive Umsetzung gewährleisten", fügt France-Massin hinzu.

Alle Studien kommen zu dem gleichen Schluss: Damit Frauen bestärkt werden, ein Start-up zu gründen, bedarf es konkreter Maßnahmen. Dazu gehören Mentorenprogramme, mehr Investorinnen und eine unternehmerische Bildung in Schulen. 

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