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Bestechung und Betrug - Korruption bei VW-Tochter Scania in Indien

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Jahrelang hat Scania bei dem Verkauf von LKW und Bussen nachgeholfen und hielt den Skandal geheim. Jetzt leitet die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen ein.

Korruption bei VW-Tochter Scania in Indien

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Es sollte ein ganz besonderer Luxusbus werden, den die VW-Tochter Scania in Indien zusammenbaute. Mit Großbildschirmen, Liegesitzen aus Leder, einer Kabine für Bedienstete und einem Klo für umgerechnet rund 20.000 Euro.

Volkswagen beteuert: Von Bestechung nichts gewusst

Der 18-Sitzer war bestimmt für niemand geringeren als den mächtigen indischen Transportminister Nitin Gadkari. Genauer gesagt: "für die Hochzeit von Frau Getki Gadkari, der Tochter von Nitin Gadkari", so notieren es die internen Ermittler, die dubiose Geschäftspraktiken bei Scania in Indien untersuchten.

Finanziert wurde der Luxusbus von Volkswagen Finance in Indien. Die wiederum habe von einer Bestechung des Ministers nichts gewusst, beteuert Volkswagen auf Nachfrage. Die internen Ermittler widersprechen: Der Bus sei "ein Geschenk, mit dem Zweck, den Zuschlag für Geschäfte in Indien zu bekommen."

Der interne Ermittlungsbericht von 2018 liegt dem ZDF und dem schwedischen Fernsehen SVT vor. So kommt erstmals ans Licht, was der Volkswagen-Konzern lieber verschwiegen hätte.

Bargeld in einem schwarzen Plastiksack

Eine Frau sitzt zu Hause auf dem Sofa und zählt Bargeld in einem schwarzen Plastiksack. Dieses heimlich aufgenommene Foto findet sich in den Ermittlungsakten und erzählt, wie die Scania-Manager die Bestechung durchführten.

Die Frau auf dem Sofa ist die Gattin des Verkehrsministers eines indischen Bundesstaates, ein wichtiger Mann für Busaufträge. Der Kurier macht das Foto heimlich, als Absicherung. Kurz danach meldet er per Whatsapp einem Scania-Manager Vollzug.

Ermittler finden Schmiergeld-Belege

Die internen Ermittler finden Belege für Schmiergelder an insgesamt sechs staatliche Transportunternehmen, um den Absatz von Scania-Bussen zu fördern. Doch nur einer Spur dürfen sie folgen, notieren die Ermittler, Anweisung von oben.

Volkswagen rechtfertigt das auf Nachfrage: Es sei in erster Linie darum gegangen, das Fehlverhalten konsequent abzustellen. Das komplette Scania-Busgeschäft sei eingestellt worden, man habe betroffene Mitarbeiter und Manager entlassen. Volkswagen zog in Indien also die Notbremse. Aber die indischen Behörden hat Scania nicht informiert, das räumt VW auf Nachfrage ein.

Scania verkauft nach wie vor LKW in Indien, obwohl die internen Ermittler auch bei diesen Geschäften Belege für Betrug fanden.

Fälschungsaktion auf indischer Hühnerfarm

Die Spur der Ermittler führte zu einer Hühnerfarm in der Nähe von Bangalore. Hier tauschten Scania-Mitarbeiter bei nagelneuen LKW echte Typ-Plaketten durch Fälschungen aus. Es ging um 100 Kipplaster für die indische staatliche Minengesellschaft BCCL mit einem Auftragsvolumen über 30 Millionen Euro. Scania konnte die geforderten Kipplaster des Typs P380 nicht liefern, und übergab stattdessen Kipplaster des Typs 410.

Damit das nicht auffiel, wurde Scania zur Fälscherwerkstatt. Typ-Plaketten, Zertifikate, Fahrzeugdokumente: allesamt gefälscht. Das bestätigt Volkswagen auf Nachfrage, sieht darin aber keinen Betrug gegenüber der staatlichen Minengesellschaft BCCL. Schließlich sei kein Schaden entstanden.

Scania-Boss verlässt Unternehmen

Der Scania-Boss Henrik Henriksson hat vor wenigen Tagen angekündigt, Scania zu verlassen. Das habe aber nichts mit den Recherchen von ZDF und SVT zu tun, betont Volkswagen.

Wir werden aufgrund der Recherchen von Frontal21 Vorermittlungen einleiten,

kündigt Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegenüber dem ZDF an. Ob sich echte Ermittlungen anschließen, hängt davon ab, ob sich bei den schmutzigen Deals in Indien auch Deutsche die Finger schmutzig gemacht haben. Gegen den VW-Konzern selbst kann nicht ermittelt werden. Denn hierzulande gibt es immer noch kein Unternehmensstrafrecht.

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