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Eine Chronik - Der Niedergang von Karstadt Kaufhof

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Deutlich werden die Probleme der beiden Warenhäuser ab 2003. Nach über hundert Jahren Firmengeschichte bröckelt erst Karstadt, dann Galeria Kaufhof - und dann beide zusammen.

Archiv, Hamburg: Ein Passant steht vor einer geschlossenen Galeria-Kaufhof-Filiale im Alstertal-Einkaufszentrum.
Archiv, Hamburg: Ein Passant steht vor einer geschlossenen Galeria-Kaufhof-Filiale im Alstertal-Einkaufszentrum.
Quelle: dpa

Vor etwa 140 Jahren wurden die beiden einst großen Warenhäuser Kaufhof und Karstadt gegründet. Bis in die 1980er Jahre boomen beide Konzerne, dann beginnt ein schleichender Niedergang, zunächst von Karstadt.

2004-2009: Die Ära Middelhoff bei Karstadt

Seit 2003 ist deutlich: Karstadt hat Probleme. Der Umsatz ist deutlich eingebrochen. Daraufhin übernimmt der Vorstandsvorsitzende der Karstadt-Mutter Arcandor, Thomas Middelhoff, 2004 zunächst den Aufsichtsratsvorsitz, ein Jahr später dann den Vorstandsvorsitz. Er agiert wie ein Finanzinvestor, verkauft die zum Konzern gehörenden Einzelhandelsketten SinnLeffers, Wehmeyer, Runners Point und Golf House.

Archiv: Thomas Middelhoff am 19.04.2018 in Hamburg
Archiv: Thomas Middelhoff am 19.04.2018.
Quelle: dpa

An den britischen Finanzinvestor Dawnay Day veräußert er 75 kleinere Warenhäuser. 2005 dann schlägt Middelhoff die Warenhausimmobilien los - mit hohem Gewinn. Was zunächst nach einem sehr guten Geschäft aussieht, entpuppt sich im Nachhinein als nachteilig. Denn nun muss Karstadt Mieten zahlen, die Verträge laufen sehr langfristig.

Die Quittung kommt nach einigen Jahren: Der inzwischen unter Arcandor firmierende Konzern ist pleite.

2009-2015: Galeria Kaufhof als Teil der Metro Holding

Der 2008 in "Galeria Kaufhof" umbenannten Metro-Tochter geht es zwar noch besser als der Konkurrentin Karstadt. Doch auch hier wird umgebaut und konsolidiert.

Spätestens seit 2007 wird immer wieder über einen Verkauf der Warenhaus-Gruppe spekuliert. So interessiert sich 2011 schon auch der damalige Eigentümer von Karstadt, Nicolas Berggruen, für Kaufhof.

2010-2014: Die Ära Berggruen bei Karstadt

Mitte Juni 2010 erhält der deutsch-amerikanische Finanzinvestor Nicolas Berggruen den Zuschlag für die Übernahme von Karstadt. Er will das Unternehmen neu ausrichten, erreicht Mitnachlässe, tilgt Schulden und investiert in die Häuser. Die Mitarbeiter helfen über Gehaltsverzicht bei der Umstrukturierung, was 2013 dann deren Unmut auslöst.

Berggruen habe nichts von seinem eigenen Geld in den Konzern investiert, hieß es damals. 2013 veräußerte Berggruen zunächst die Premium- und Sporthäuser an den österreichischen Investor René Benko, im August 2014 dann den ganzen Konzern für einen Euro.

2015-2018: Die Ära Hudson's Bay Company bei Kaufhof

Die Metro verkauft Galeria Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro an den nordamerikanischen Handelskonzern Hudson's Bay Company (HBC). Karstadt-Eigner René Benko geht noch leer aus. HBC gelingt es jedoch nicht, im hart umkämpften Einzelhandelsmarkt Deutschland Fuß zu fassen. Außerdem werden Vorwürfe laut, der Konzern finanziere den Kaufpreis für Kaufhof aus Mieterhöhungen für die Warenhäuser. 

Rene Benko und seine Gattin Nathalie
Archiv: Rene Benko und seine Gattin Nathalie am 29.05.2019
Quelle: dpa

2016 schreibt Kaufhof rote Zahlen, 2017 sorgt der Konzern mit Forderungen nach Lohnverzicht und Lieferantenrabatten für Aufsehen. Ein Angebot Benkos zur Übernahme von Galeria Kaufhof lehnt HBC im Februar 2018 zunächst ab, im September aber geben HBC und Benkos Signa Holding eine "Fusion unter Gleichen" bekannt.

2019-2020: Galeria Karstadt Kaufhof

Auch nach der Fusion schreibt der Warenhauskonzern hohe Verluste, Geschäftsleitung und Mitarbeiter einigen sich auf einen gemeinsamen Tarifvertrag. Dann kommt die Corona-Krise. Am 27. März 2020 beantragt der Konzern Staatshilfen, am 10. Juni trennt sich das Unternehmen von Vorstandschef Stephan Fanderl.

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Datum:

Eine Woche später, am 18. Juni, kündigt es die Schließung von 62 der noch 172 Filialen an, 6.000 Stellen sollen gestrichen werden, außerdem stehen Stellen bei den Sportfilialen als auch den Reisebüros und in der Essener Zentrale zur Debatte.

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