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Shell macht Milliardengewinn : Können Energiekonzerne Gas-Umlage ausnutzen?

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Um Gasversorger vor Pleite zu schützen, sollen Verbraucher ab Oktober per Umlage zusätzlich draufzahlen. Gerade verbuchen Energiekonzerne Milliardengewinne. Wie passt das zusammen?

Ab Oktober werden alle, die mit Gas heizen, für anderthalb Jahre eine Gas-Umlage bezahlen müssen. Die genaue Summe soll bis Mitte August entschieden sein.

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Die Bundesregierung will angeschlagene Energieversorger mit einer Gas-Umlage stützen. Die Kosten dafür sollen vor allem die Verbraucher zahlen. Gleichzeitig haben mehrere Energiekonzerne gute Quartalszahlen und hohe Gewinne verkündet.

Energiekonzerne fahren Rekordgewinne ein

Am Donnerstag gab der britische Shell-Konzern einen Rekordgewinn von 11,5 Milliarden Dollar bekannt. Total Energies aus Frankreich verdoppelte seinen Gewinn auf 5,7 Milliarden. Auch der deutsche Gas- und Ölproduzent Wintershall Dea konnte seinen Gewinn auf 668 Millionen Euro deutlich steigern.

Unser robustes operatives Geschäft und der Rückenwind durch die Rohstoffpreise machten auch Q2 zu einem starken Quartal für uns.
Wintershall Dea-CEO Mario Mehren

Sein Russlandgeschäft, inklusive Beteiligungen zusammen mit Russlands Gas-Gigant Gazprom, möchte der Konzern weiter nicht aufgeben. "Russland einfach zu verlassen, würde bedeuten, der russischen Regierung ein großes Geschenk zu machen, und ich sehe keinen Grund dafür", so Unternehmenschef Mario Mehren am Dienstag.

Linken-Politiker fordert Übergewinne zu besteuern

Im ZDF-Morgenmagazin kritisiert der Linken-Vizechef Lorenz Gösta Beutin, dass Gaskunden dafür aufkommen sollen, wenn sich Unternehmen wie Uniper "verzockt haben". Sie seien in Notlage, da sie massiv in Kohle oder in russisches Gas investiert hätten.

Wir haben gestern Zahlen gehört, dass RWE und Shell Milliardengewinne gemacht haben. Shell hat den Gewinn verfünffacht. (…) Sollte man nicht eher gucken, dass man diese Übergewinne der Konzerne besteuert und die Gaskund*innen eher entlastet, anstatt sie jetzt noch weiter zu belasten.
Lorenz Gösta Beutin, stellv. Vorsitzender Die Linke

"Wir erleben hier wieder eine Situation, wo ein Unternehmen sich wirklich verspekuliert hat und wo das dann auf die Gaskund*innen umgelegt werden soll. Und das ist dann aus meiner Sicht das große Problem", sagte Beutin, der auch energiepolitischer Sprecher der Linken ist. Er fordert zudem einen Gaspreisdeckel.

"Eine Gasumlage bringt Menschen an ihre Existenzgrenze. Die drohen ihre Wohnung zu verlieren", so der stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, Lorenz Gösta Beutin.

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Rekordgewinne und Pleitegefahr: Wie passt das zusammen?

Es wirkt auf den ersten Blick unverständlich, wie gleichzeitig die einen Energieunternehmen in Folge des Ukraine-Kriegs Rekordgewinne vermelden und andere Versorger daran pleitezugehen drohen. Das hängt viel mit der hohen Volatilität des Marktes gerade zusammen.

"Wenn die Gewinne auf das letzte Jahr oder die letzten Quartale bezogen sind, dann ist das nachvollziehbar", sagt Tobias Federico, Geschäftsführer der Beratungsagentur Energy Brainpool, ZDFheute. Die Finanzreserven könnten durch Nachschüsse derartig reduziert werden, dass auch die Gewinne nicht ausreichen. "Die Nachschüsse bei Uniper liegen bei sieben Milliarden Euro bisher und können in diesem Jahr auf 20 Milliarden steigen." Die Summen, die in der drohenden Energiekrise auf dem Spiel stehen, sind enorm.

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Vor allem solche Unternehmen, die Öl und Gas nicht selbst fördern, sondern primär einkaufen, vertreiben und Endkunden beliefern, können in Schieflage geraten - etwa, wenn langfristige Lieferverträge ausfallen und sie zu massiv gestiegenen Preisen einkaufen müssen. Wer hingegen wie Shell selbst produziert, liefert und verkauft, kann die gestiegenen Rohstoffpreise entlang der ganzen Wertschöpfungskette als Gewinn verbuchen.

Um auf eine drohende Energiekrise im Winter vorbereitet zu sein, sollen Gasspeicher in Deutschland bis September zu 75% und bis November zu 95% gefüllt sein.

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Profitieren Energiekonzerne mit der Umlage nun doppelt?

Besteht nun sogar die Gefahr, dass die geplante Umlage von Unternehmen gezielt ausgenutzt wird? Dass nicht nur existenzbedrohte Stadtwerke gerettet werden, sondern auch profitable Energiegiganten mit Rechentricks an Subventionen kommen? "Jedes finanzielle Unterstützungssystem kann ausgenutzt werden", sagt Experte Federico.

Unternehmen müssen im Vorfeld geprüft werden und ähnlich wie Coronahilfen bei eventuellem Missbrauch zurückzahlen.
Tobias Federico, Energy Brainpool

Ganz ausschließen lasse sich aber nicht, dass Unternehmen trotz Hilfe Gewinn machen. Ob diese dann zusätzlich, etwa über eine gesonderte Steuer, abgeschöpft werden, wäre zumindest eine Überlegung wert, so Federico.

Für weniger Abhängigkeit von russischem Gas wird nach Alternativen gesucht. Eine davon ist heimisches Biogas, das bisher schon zehn Millionen Haushalte mit Strom versorgt.

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Wirtschaftsministerium: Nur Mehrbeschaffungskosten sollen weitergegeben werden

Das Bundesministerium für Wirtschaft stellt gegenüber ZDFheute klar, dass nur die Mehrbeschaffungskosten der Gasimporteure weiter gegeben werden dürften. "Diese Kosten müssen von einem Wirtschaftsprüfer attestiert werden und beim sogenannten Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) eingereicht werden." Der prüfe als unabhängiger Kassenwart, ob die Mehrbeschaffungskosten gerechtfertigt seien. Zusätzlich beobachte die Bundesnetzagentur den Mechanismus.

Daneben sei die Gas-Umlage zeitlich befristet. Bis zum 1. Oktober müssten die Gasimporteure die Kosten selbst tragen. Anschließend greife die Umlage bis zum 1. April 2024.

Die genaue Höhe der geplanten Umlage steht noch nicht fest. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet mit 1,5 bis 5 Cent je Kilowattstunde. Das entspreche "einigen Hundert Euro pro Haushalt" an zusätzlichen Kosten, so Habeck. Gerade für untere wie mittlere Einkommensschichten soll es deshalb weitere, zielgenaue Entlastungsmaßnahmen geben.

"Einige Hundert Euro" - Umlage macht Gas ab Oktober noch mal teurer 

Ab Oktober sollen Gaskunden eine Umlage zahlen, damit kein Versorger wegen hoher Einkaufspreise pleite geht. Minister Habeck rechnet mit "einigen Hundert Euro" mehr pro Haushalt.

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