Kosten für Verbraucher: Warum das Gas teuer bleiben wird

    Grafiken

    So funktionieren Gasmärkte:Warum das Gas teuer bleiben wird

    von Hans Koberstein, Robert Meyer
    |

    Der Gaspreis ist gesunken, doch die Krise ist noch lange nicht vorbei. Warum sich Verbraucher im kommenden Jahr - und dauerhaft - auf höhere Preise einstellen müssen.

    Gaszähler und Entwicklung der Gaspreise für Verbraucher
    Neukunden zahlen zurzeit doppelt so viel für Gas als vor einem Jahr.
    Quelle: iStock/wayra, ZDF

    Der Börsenpreis für Erdgas ist im Vergleich zum Sommer deutlich gesunken. Das ist aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Warum die Gaspreise für die Verbraucher trotzdem weiter hoch bleiben werden, zeigt der Blick auf den Gasmarkt.

    Der Gaspreis an der Börse ist gesunken. Muss ich also auch weniger zahlen?

    Die gute Nachricht: Seit August 2022 hat sich der Börsenpreis für den Winter 2023/24 mehr als halbiert. Die schlechte Nachricht: Der Preis liegt damit aber immer noch sieben Mal höher als Anfang 2021.

    Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

    • Etwa ein Drittel des Gaspreises, den die Haushalte bezahlen, besteht aus Steuern, Abgaben und Netzentgelten. Darauf wirkt sich zum Beispiel die seit Oktober von 19 auf 7 Prozent gesunkene Mehrwertsteuer auf Gas aus.
    • Zwei Drittel des Gaspreises werden vom Börsenpreis für Erdgas bestimmt - und dem Gewinn von Gashändlern und -versorgern. Der Börsenpreis ist die Ursache dafür, dass die Gaspreise für Verbraucher weiter hoch bleiben werden.
    Verbrauchen wir zu viel Gas? In den vergangenen Wochen lagen die Einsparungen nur bei 13 Prozent, nötig sind eigentlich 20 Prozent, um gut durch den Winter zu kommen.14.12.2022 | 2:28 min

    Spotmarkt oder Terminmarkt: Welcher Markt ist entscheidend für den Gaspreis?

    Es gibt an der Börse nicht nur einen Preis für Gas, sondern viele. Am wichtigsten ist dabei der Unterschied zwischen Spot- und Terminmärkten.
    • Auf dem Spotmarkt wird Gas für die Lieferung am nächsten Tag angeboten. Der Preis kann stark schwanken. Hier werden aber vergleichsweise geringe Mengen gehandelt.
    • Die weitaus größere Gasmenge wird am Terminmarkt eingekauft und verkauft. Hier wird Gas für die Lieferung in der Zukunft angeboten - sei es für den nächsten Monat, für den Winter 2023/24 oder für das gesamte Jahr 2025. Alle Stadtwerke und Industriebetriebe decken ihren Bedarf größtenteils auf Termin ein, also Monate und Jahre im Voraus, um das Risiko plötzlicher Preisschwankungen zu verringern.
    So sprunghaft ist der Gaspreis am Spotmarkt
    ZDFheute Infografik
    Ein Klick für den Datenschutz
    Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

    Wann spüren wir steigende und sinkende Gas-Börsenpreise im Geldbeutel?

    Die Börsenpreise wirken bei Gas (und auch bei Strom) mit zeitlicher Verzögerung. Was die Versorger heute am Markt zahlen müssen, kommt nicht morgen im Geldbeutel der Verbraucher an. Das liegt an der sogenannten "strukturierten Beschaffung" der Versorger, also der Stadtwerke und anderer Gaslieferanten, von denen Verbraucher das Erdgas beziehen. Sie beschaffen sich Gas in der Regel langfristig.

    Der Gaspreis wird also im kommenden Winter ebenfalls hoch sein?

    Auch im kommenden Winter werden die Gaspreise weiter hoch sein. Ein ausgedachtes Beispiel: Die vierköpfige Familie Müller (zwei Erwachsene, zwei Kinder) bekommt das Gas zum Heizen seit vielen Jahren vom örtlichen Stadtwerk. Das Stadtwerk kauft das Gas für alle seine Kunden schon Jahre im Voraus auf den Terminmärkten ein. Aus diesen Termin-Einkäufen berechnet das Stadtwerk dann den Gaspreis für Familie Müller.
    1. Für den Winter 2023/2024 hat das Stadtwerk einen Teil des Gases schon 2021 eingekauft, als die Börsenpreise noch sehr niedrig waren (Börsenpreis: 2 ct/kWh).
    2. … einen weiteren Teil Anfang 2022, als die Preise schon deutlich anstiegen (Börsenpreis: 4 ct/kWh)
    3. … und den Rest Ende 2022 zu 14 ct/kWh.
    Daraus ergibt sich mit allen Abgaben und Steuern unterm Strich ein Preis von mehr als zwölf Cent pro Kilowattstunde, den Familie Müller voraussichtlich im nächsten Winter bezahlen muss - die Gaspreisbremse deckelt den Preis bei zwölf Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs. Gas bleibt also im nächsten Winter erst einmal teuer.
    So viel kostet Gas für den Winter 23/24
    ZDFheute Infografik
    Ein Klick für den Datenschutz
    Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

    Was bedeutet das für Neukunden?

    Ziehen wir wieder Familie Müller als Beispiel heran. Sie musste Anfang Dezember in eine andere Stadt umziehen - und deshalb einen neuen Gasversorger finden. Der Gasversorger muss für die neuen Kunden das Gas an der Börse neu einkaufen, deshalb sind die Preise für Neuverträge derzeit hoch. Selbst für den günstigsten verfügbaren Tarif musste Familie Müller inklusive Steuern und Abgaben zuletzt 20 Cent pro Kilowattstunde zahlen - und damit fast doppelt so viel, als wenn sie ein Jahr vorher umgezogen wären:
    So viel zahlen Familien für einen Neuvertrag pro kWh
    ZDFheute Infografik
    Ein Klick für den Datenschutz
    Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

    Müssen sich Verbraucher auf dauerhaft höhere Energiepreise einstellen?

    Am Terminmarkt wird Erdgas für die Lieferung im Jahr 2025 aktuell mit sieben Cent pro Kilowattstunde gehandelt. Das ist dreimal mehr, als Anfang des Jahres gezahlt werden musste. Möglicherweise wird der Preis sinken. Wie genau die Preise aussehen werden, lässt sich schwer vorhersagen. Vor einem Jahr hätte man kaum die extremen Preise im Sommer 2022 vorhersehen können. Einige Faktoren fließen ein: Der Ukraine-Krieg, die Weltkonjunktur, der Ausbau erneuerbarer Energien, Entscheidungen der Politik - und viele mehr.
    Russland hatte Deutschland in der Vergangenheit einen besonders günstigen Preis für Pipelinegas geboten, weshalb Deutschland immer mehr Gas aus Russland importiert hat und immer abhängiger wurde. Jetzt fällt eine riesige Menge russischer Gaslieferungen aus, und der Ersatz muss aus anderen Kontinenten über LNG-Tanker herbeigeschafft werden. Das ist teurer als Pipelinegas. Letztlich ist eins klar: Die Zeiten von billigem Erdgas sind vorbei.

    Tipps für den Haushalt
    :Wo jetzt jeder Energie sparen kann

    Heizen, Duschen, Waschen: Diese Tipps für den Haushalt zeigen, was Sie verändern können - und wo es sich wirklich lohnt.
    Energie ist so teuer wie nie. Sparen lohnt sich deshalb - und ist im Haushalt vielfach möglich, etwa beim Heizen, beim Duschen, beim Kochen, bei der Beleuchtung oder beim Entertainment.
    Story

    Mehr zur Energiekrise

    Aktuelle Nachrichten zur Energiekrise