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FAQ

Energiekosten für Verbraucher : Was tun angesichts der Rekordpreise bei Gas?

Datum:

Die Gaspreise steigen, einige Gasversorger kündigen bereits ihre Verträge mit Verbrauchern. Was Sie tun können und welche politischen Maßnahmen debattiert werden - ein Überblick.

NRW, Bad Honnef: Die Flamme eines Gasherdes spiegelt sich.
Die Preise für Erdgas sind 2021 deutlich gestiegen.
Quelle: Reuters

Manche Anbieter lassen die Verträge mit ihren Kunden nun auslaufen oder kündigen ihnen - ist das legal?

"Generell gibt es keinen Anspruch gegenüber einem Anbieter, dass dieser seine Kunden beliefert", erklärt Energiemarkt-Expertin Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW. Auslaufende Verträge müssen also seitens des Versorgers nicht verlängert werden.

Die Kunden werden durch die Grundversorgung mit Gas abgesichert. Grundversorger ist das jeweilige Energieunternehmen, welches in einer Region die meisten Haushaltskunden mit Strom und Gas beliefert.

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Wenn ein Versorger den Vertrag plötzlich kündigt, obwohl er noch gültig ist, dann ist das in den allermeisten Fällen unzulässig, erklärt Wallraf. Wer dann zu einem teureren Anbieter wechseln muss, hat dann aber die Möglichkeit Schadenersatzansprüche gegen das alte Unternehmen zu stellen. Er kann versuchen, beim alten Anbieter die Summe einzufordern, die er im Vergleich dazu beim neuen Anbieter zu viel zahlt, sagt Wallraf.

Allerdings sollte auch in diesem Fall ein möglichst günstiger Ersatz-Anbieter gesucht werden, betont die Verbraucherschützerin. Sonst würden nur Teilbeträge erstattet.

Was sollten betroffene Mieter jetzt tun?

Um böse Überraschungen bei der Nebenkostenabrechnung zu vermeiden, empfiehlt Wallraf Mietern mit dem Vermieter in Kontakt zu treten und sich über den laufenden Gas-Vertrag zu informieren. Dadurch können Mieter einen Eindruck von der Höhe der künftigen Nebenkostenabrechnung bekommen. Und gegebenenfalls also frühzeitig Geld zurücklegen. Die Vermieter sind zu dieser Auskunft jedoch nicht verpflichtet.

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Warum sind die Preise für Gas so hoch?

Die Großhandelspreise für Erdgas steigen an den Rohstoffbörsen dramatisch. Seit Mai hat sich der Erdgaspreis verdoppelt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hat mögliche Gründe in einem Kurzpapier aufgelistet.

Laut den Verbraucherschützern spielt vor allem die wirtschaftliche Erholung Europas nach der Hochphase der Corona-Pandemie eine zentrale Rolle. Kurz gesagt: Der Gasbedarf in der Industrie steigt - also steigt auch der Gaspreis.

Das liege auch daran, dass Erdgas-Lieferant Russland seine Export-Menge nach Europa bislang nicht deutlich erhöht, um den Bedarf zu decken.

Welche Folgen haben die hohen Preise?

Verbraucherschützer befürchten im kommenden Jahr mehr Strom- und Gassperren in privaten Haushalten mit niedrigem Einkommen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert Hilfen für ärmere Haushalte. Die Heizkostenzuschüsse für Geringverdiener müssten erhöht werden, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider im ZDF-Morgenmagazin vergangene Woche.

Viele mittelständische Betriebe in der Stahl- und Metallindustrie stehen wegen des Preisanstiegs vor dem Aus. Deshalb fordert der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) eine Abschaffung der staatlichen Abgaben für die Energiewende.

Was wäre aus Klimaschutz-Sicht sinnvoll?

Immer wieder wird die Energiewende für hohe Preise verantwortlich gemacht. Doch stattdessen sei sie die Lösung, sagt die Ökonomin Claudia Kemfert gegenüber ZDFheute:

Wir sollten schnell weg von fossilen Energien wie Erdgas - und stattdessen die Erneuerbaren ausbauen.
Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Denn die Gaspreis-Krise zeige auch: "Wer schon jetzt mit Solar auf dem Dach Wärme erzeugt, ist weniger abhängig von fossilen Energien. Das sollte das langfristige Ziel sein."

Damit im Herbst und Winter niemand frieren muss, setzt Kemfert auch auf kurzfristige Maßnahmen. Sie schlägt eine "Klimaprämie" vor - "durch eine pro-Kopf-Rückerstattung der CO2-Bepreisung". Das entlaste vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen, so Kemfert.

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Einen sozial verträglichen Umstieg fordert auch Patrick Graichen, Energie-Experte von "Agora Energiewende". Die Regierung könne etwa Wohngeld, Mindestlohn oder den Hartz-IV-Satz erhöhen.

Bleiben die Preise auf derart hohem Niveau?

Energiemarkt-Expertin Wallraf macht Hoffnung:

Die Preise für 2022 und 2023 könnten nach aktuellem Stand wieder sinken.
Christina Wallraf, NRW-Verbraucherzentrale

Das liege daran, dass Erdgas an der Börse bis zu zwei Jahre im Voraus gehandelt wird. Wenn Anbieter jetzt Gas für 2022 und 2023 kaufen, bezahlen sie teilweise weniger als die Hälfte im Vergleich zu diesem Jahr, erklärt Wallraf.

Allerdings wird der dieses Jahr eingeführte CO2-Preis Gas sukzessive teurer machen. Richtig günstig wird Gas in Zukunft daher nicht mehr.

Mit Material von AFP, dpa

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