Personalmangel: Jeder Dritte will Gastgewerbe verlassen
Gewerkschaftsstudie:Jeder Dritte will Gastgewerbe verlassen
18.10.2022 | 14:27
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Laut einer Gewerkschafts-Umfrage können sich viele nicht vorstellen, noch lange im Gastgewerbe zu arbeiten. Die Angst ist groß: Die Branche kämpft nach Corona ums Überleben.
Insbesondere die Corona-Krise hat den Fachkräftemangel in der Branche weiter verschärft.
Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
Monatelanger Lockdown, Kurzarbeitergeld, Angst vorm Jobverlust: Rund 200.000 Beschäftigte haben das deutsche Gastgewerbe in der Corona-Krise bereits verlassen. Der Personalmangel erschwert nun den Neustart der Branche nach dem Ende der meisten pandemiebedingten Einschränkungen.
Denn einer Umfrage unter gut 4.000 Beschäftigten zufolge kann sich ein Drittel davon nicht vorstellen, noch lange im Gastgewerbe zu arbeiten, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Dienstag mitteilte.
Wir müssen damit rechnen, dass die Abwanderung nochmal voranschreiten wird, wenn nicht gegengesteuert wird.
NGG-Chef Guido Zeitler
Wichtig seien höhere Löhne, die mit anderen Branchen konkurrieren könnten. Der durchschnittliche Lohn von 2.338,38 Euro brutto 2021 für Fachkräfte müsse auf mindestens 3.000 Euro steigen - "sonst wird der Exitus der Beschäftigten im Gastrogewerbe weitergehen und die Probleme in den Betrieben immer größer werden".
Kritik an überlangen Arbeitszeiten, schlechte Löhne, Personalmangel
Die Gründe, dem Gastgewerbe den Rücken zu kehren, sind laut Umfrage eindeutig: Geringe Löhne, fehlende Wertschätzung, schlecht planbare und überlange Arbeitszeiten, Personalmangel, psychische und körperliche Belastungen. "Das Gastgewerbe braucht einen echten Neustart", betonte Zeitler.
Entscheidend sei neben höheren Löhnen auch eine stärkere Tarifbindung. Denn diese sei im Gastgewerbe von 37 Prozent 2010 auf 23 Prozent 2018 gesunken. Aktuell dürfte der Wert noch niedriger sein, sagte der NGG-Vorsitzende. "Was wir regeln, kommt nur bei einem Viertel der Menschen überhaupt noch an."
Gewerkschaft: Jobs müssen attraktiver werden
Um die Fachkräfte der Zukunft zu sichern und erst einmal anzuheuern, müssten Hotellerie und Gastronomie für Berufseinsteigende deutlich attraktiver werden. Denn die Zahl der Auszubildenden sei von rund 100.000 im Jahr 2007 dann 2021 auf gut 43.000 gesunken.
Zeitler warnte davor, die Arbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden auszuweiten. "Finger weg vom Arbeitszeitgesetz." Dies sei ein "Brandbeschleuniger" und würde sonst weitere Beschäftigte aus der Branche treiben. Seit der Virus-Pandemie habe das Gastgewerbe zehntausende Menschen verloren - etwa an den Einzelhandel, die Logistik, die Ernährungsindustrie sowie Arztpraxen und Anwaltskanzleien.