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Milliarden schmutzige Scheine - Warum Deutschland ein Geldwäsche-Paradies ist

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Eine italienische Anti-Mafia-Kämpferin warnt: Die Mafia komme öfter nach Deutschland, um Geld zu waschen. Die deutsche Liebe zum Bargeld kommt ihr dabei zugute.

Deutschland ist ein Paradies für Geldwäscher. Rund 100 Milliarden schmutzige Euro werden schätzungsweise jedes Jahr hier gewaschen.

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Geldwäsche ist eine gigantische Industrie. Die Schattenwirtschaft in Deutschland boomt. Laut einer Dunkelfeldstudie der Universität Halle-Wittenberg werden in Deutschland pro Jahr rund 100 Milliarden Euro gewaschen - das ist in etwa so viel wie der Jahresumsatz von BMW.

Egal, ob das Geld aus Menschenhandel, Steuerhinterziehung oder Drogenhandel kommt: Um es rein zu waschen, nutzen Kriminelle gezielt den Standort Deutschland. Sie kaufen teure Luxusgüter oder Immobilien mit schmutzigem Bargeld ein und verkaufen sie anschließend wieder. So führen sie milliardenschwere Summen wieder dem regulären Wirtschaftskreislauf zu.

Keine Bargeldobergrenze: Einladung für Kriminelle

Das funktioniert in Deutschland gerade deshalb so gut, weil wir hier keine Obergrenze für Bargeldzahlungen haben. Alles, egal wie teuer, kann bar bezahlt werden. Selbst teure Immobilien. Erst ab einer Höhe von 10.000 Euro muss sich der Käufer ausweisen.

Für die italienische Senatorin und Anti-Mafia-Kämpferin Laura Garavini ist gerade die fehlende Bargeldobergrenze wie eine Einladung an die Organisierte Kriminalität. Denn:

Die Mafia hat ein großes Problem: Geld zu waschen. Sie geht öfter nach Deutschland, um Geld zu waschen. Denn in Italien darf man mit Bargeld keine Waren kaufen, die mehr als 1.000 Euro kosten.
Laura Garavini, ital. Senatorin und Anti-Mafia-Kämpferin

Seit der Corona-Pandemie sind Bargeldalternativen gefragt. Der "digitale Euro" der EZB ist eine davon. Aber kann die Europäische Zentralbank Bitcoin und Co. damit Paroli bieten?

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Bankkonten machen Geld nachverfolgbar

Nicht nur Italien hat eine Obergrenze für Bargeldzahlungen. In Frankreich liegt sie ebenfalls bei 1.000 Euro, in Spanien bei 2.500 Euro und in Griechenland sogar bei nur 500 Euro. Bei allen Käufen, die über dieser Grenze liegen, muss das Geld per Überweisung gezahlt werden. Und genau das mögen Kriminelle gar nicht.

Denn sobald das Geld einmal über Bankkonten fließen muss, ist es nachverfolgbar. Für Garavini ist das ein scharfes Schwert im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität: "Das war eine der Lehren des Richters Falcone: die Mafia zu bekämpfen, indem man das Geld verfolgt!"

Es ist auch kein Zufall, dass gerade die Anzahl der 500-Euro-Scheine in Deutschland so hoch ist. Weil damit ist man unverfolgbar. Für die Ermittler wird es dann schwieriger oder unmöglich, Mafios zu bestrafen, die gerade mit Bargeld Immobilien und teure Autos kaufen.
Laura Garavini, Anti-Mafia-Kämpferin

In Italien beginnt heute der Mafia-Prozess gegen die kalabrische Ndrangheta. Über 350 Mafiosi, Politiker und Geschäftsleute sind angeklagt. Der Prozess dauert mindestens ein Jahr.

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Ausgerechnet Italien als Vorbild?

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Italien, das Land der Mafia, heute vielen Experten als Vorbild im Kampf gegen Geldwäscher gilt. In den 80er und 90er Jahren kam es zum offenen Machtkampf zwischen Staat und Mafia. Daraus hat der Staat gelernt und strenge Gesetze erlassen, zum Beispiel zur Vermögensabschöpfung und Beweislastumkehr.

Das bedeutet: Ist in Italien zum Beispiel ein wegen Geldwäsche verdächtigter Mafioso mit einem teuren Sportwagen unterwegs, dann muss er - anders als in Deutschland - gegenüber Ermittlern beweisen, dass er ihn legal erworben hat. Sonst wird das Auto beschlagnahmt. 2019 wurden so über 800 Millionen Euro abgeschöpft und an gemeinnützige Organisationen verteilt.

Wenn man ihnen ihren Reichtum, ihren kriminellen Reichtum wegnimmt, das kränkt sie nicht nur, sondern das nimmt ihnen ihre Macht. Es ist sogar so, als ob man ihnen die Luftröhre kappen würde.
Laura Garavini

Auch in der EU-Kommission wird die fehlende Bargeld-Obergrenze in Deutschland als Problem gesehen. Finanzmarktkommissarin Mayread McGuiness will deshalb eine Bargeld-Obergrenze von 10.000 Euro einführen, die europaweit gültig wäre.

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