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Der Preis des Goldes

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Risiko durch Goldgewinnung - Der Preis des Goldes

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Rekordpreis für das Edelmetall: Eine Feinunze kostet über 1.800 US-Dollar. So viel, wie seit neun Jahren nicht mehr. Nicht jeden freut das.

Goldbarren in München
Der Goldpreis ist auf ein Rekordhoch gestiegen.
Quelle: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Nennenswerte Zinsen sind nicht in Sicht. Wohin also mit dem Geld? Wer davon übrig hat, investiert. Vielleicht in Immobilien, vielleicht in Gold. Schon immer galt Gold als krisenfest, als "sicherer Hafen" für das Ersparte oder für die Millionen der Profianleger. Auch, weil gerade die Angst vor einer steigenden Inflation die Runde macht.

"Nur Gold ist Geld"

Im Morning-Briefing vom 9. Juli des unabhängigen journalistischen Projekts "The Pioneer" wird zudem die Sorge vor den ausufernden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und die extrem lockere Geldpolitik der Notenbanken als Preistreiber ausgemacht.

Der Chefredakteur Michael Bröcker liefert noch ein aus seiner Sicht passendes Zitat: "Nur Gold ist Geld, alles andere Kredit." Gesagt hat diesen denkwürdigen Satz der US-Privatbankier John Pierpont Morgan.

Goldbarren in unterschiedlicher Größe. Archivbid

Juweliere und Händler -
Hohe Nachfrage nach Gold
 

Was haben Nullzinspolitik und Hochzeitsboom gemeinsam? Beides befördert das Geschäft mit dem Gold. Das glänzende Edelmetall ist gefragt wie lange nicht mehr.

Hoher Goldpreis hat dramatische Folgen

Was im "The Pioneer"-Briefing fehlt, ist eine hintergründige Betrachtung, was die deutlich steigende Nachfrage für Folgen hat. Das weiß Christof Schenck. Er ist Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und hat mit eigenen Augen gesehen, was ein hoher Goldpreis so anrichtet.

Die Goldgewinnung ist schon im legalen Bereich vielerorts außerordentlich problematisch und mit hohen sozialen und ökologischen Lasten verbunden. Katastrophal wird dies im illegalen Bereich, der gerade in Südamerika riesige Ausmaße annimmt.

Rodung von Regenwäldern als Folge des Goldpreises

"Jeder Anstieg des Preises der Feinunze an den globalen Märkten resultiert in hunderten neuen illegalen Goldsuchern, die in die Regenwälder vordringen", sagt Christof Schenck.

Dabei seien die Auswirkungen "apokalyptisch": Es erfolge die vollständige Rodung der Regenwälder, die Zerstörung der Biophysik der Flüsse und deren Lebensräume, die großflächige und dauerhafte Schädigung der Umwelt und dazu Prostitution, Sklaverei und Menschenhandel. Nur bedauerliche Nebenwirkungen?

Goldwäscherei ein Risiko in der Corona-Pandemie?

Um den feinen Goldstaub aus dem Sediment der Flüsse zu binden, nutzen die Goldwäscher Quecksilber. Im November 2018 berichtete darüber die ZDF-Umweltdokureihe "planet e.". Das Quecksilber vergiftet großflächige das Leben in den Flüssen. Und es schädigt das menschliche Immunsystem. Perfekte Bedingungen für die Coronaviren.

Goldwäscher sind mobil, sie reisen zurück in die Städte, um ihr Gold zu verkaufen. Damit weiß heute auch ein Nicht-Virologe: Das Risiko von neuen Zoonosen und Pandemien steigt mit einem solchen Verhalten. Denn in dem Maße, wie Ökosysteme zerstört werden, der natürlich Lebensraum schrumpft und so intakte Artengemeinschaften verschwinden, befallen Viren neue Arten.

Gerade in den Rodungsgebieten der Regenwälder steigt dafür die Chance, weil den Viren dann weniger Arten, mit dem Mensch und seinen Haustieren aber überaus viele Individuen zur Verfügung stehen. 

Um das Gold in den Amazonas-Flüssen Perus zu binden setzen illegale Goldwäscher Quecksilber ein. Ein extrem großes Problem für die gesamte Umwelt.

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Goldwäscher die Pestreiter des 21. Jahrhunderts?

In den Regenwäldern Südamerikas liegt für Christof Schenck das Krebszentrum der illegalen Goldgewinnung. Dort aber leben die letzten ursprünglichen indigenen Völker. Durch die Goldwäscher steigt das Risiko enorm, dass Sars-CoV-2 zu ihnen getragen wird. Mit möglicherweise hochdramatischen Auswirkungen. Denn in der Regel reagiert das Immunsystem der indigenen Menschen schlecht auf solche pulmonaren Infektionen.

Noch gibt es weder eine weltweite Ächtung der Goldgewinnung aus den Sedimenten der Flüsse (die nie auch nur ansatzweise nachhaltig erfolgen kann), noch eine ausreichende Eindämmung der illegalen Gewinnung, ebenso wenig wie ausreichende Sozial- und Umweltstandards, eine zuverlässige Zertifizierung und eine Kontrolle der gesamten Wertschöpfungs- und Handelskette.

Christof Schenck sieht in den Goldwäschern die Pestreiter des 21. Jahrhunderts. Die Aufkäufer und Investoren sind für ihn die Steigbügelhalter. Der Preis des Goldes. Er ist weitaus höher, als im "Morning Briefing" genannt.

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