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Radkuriere vs. Start-up : Zoff beim Lieferdienst Gorillas

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Wilder Streik, Sitzblockaden, Polizeieinsatz: So ist zuletzt ein Konflikt zwischen dem Berliner Liefer-Start-up Gorillas und einigen seiner Beschäftigten eskaliert.

Berlin: Arbeiter blockieren den Eingang zur Filliale des Lieferdienstes "Gorillas".
Berlin: Arbeiter blockieren den Eingang zur Filliale des Lieferdienstes "Gorillas".
Quelle: ap

Bei dem Streit zwischen dem Berliner Lieferdienst Gorillas und den Beschäftigten geht es konkret um die Entlassung eines "Riders" während der Probezeit. Laut Gorillas wurde der Radkurier aufgrund von "grobem Fehlverhalten" entlassen - laut Kolleg*innen wegen einer Nichtigkeit.

Mit der Begründung, so sei es schon mehreren Ridern ergangen und es könne quasi jeden treffen, blockierten mehrere Gorillas-Beschäftigte nun illegalerweise ihre Arbeitsplätze und riefen in den Sozialen Medien zu Solidarität auf. Der Fall zeigt: Betriebliche Mitbestimmung auf herkömmliche Weise ist bei solchen Start-ups schwierig - und muss womöglich neu gedacht werden.

Mitarbeiter klagen: Kurzfristige Einsätze und ständiger Druck

Um immer mehr Kund*innen binnen Minuten beliefern zu können, hat Gorillas in kurzer Zeit Tausende Beschäftigte angestellt. Viele zeigen sich laut firmeninterner Umfragen zufrieden mit ihren Jobs. Und tatsächlich bietet Gorillas im Vergleich zu anderen Essenslieferjobs Verbesserungen: Beschäftigte werden meist fest angestellt, bekommen mindestens 10,50 Euro Stundenlohn und können Firmen-Pedelecs nutzen.

Lebensmittel Lieferservice, wie sind die Arbeitsbedingungen?

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7 min
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Und doch klagen einige Beschäftigte nun über die Arbeitsbedingungen - über die Kündigungspraxis hinaus: Rückenschmerzen durch schwere, sperrige Lieferungen; kurzfristige, kaum mit dem Privatleben zu vereinbarende Arbeitseinsätze; unsichere Lohnzahlungen; permanenter Druck.

Gorillas: Alles gesetzeskonform

"Viele verletzen sich im Job, aber der Gesundheitsschutz hat die Firma lange kaum interessiert", erzählt ein Rider dem ZDF. Ein anderer ergänzt: "Ihr Fokus liegt auf Wachstum. Missstände werden dann irgendwann später angegangen."

Gorillas betont dagegen, geregelte, gesetzeskonforme Arbeitsverhältnisse zu bieten, räumt aber ein:

Wenn man als Unternehmen so schnell wächst wie Gorillas, laufen die Dinge manchmal nicht so rund, wie man es sich wünscht.
Gorillas

Um Verbesserungen zu erreichen, wollen Gorillas-Beschäftigte in Berlin jetzt einen Betriebsrat gründen. Ein Rider berichtet dazu: "An den Leuten, die den Prozess gestartet haben, wurde gezerrt und gezogen." Infozettel seien entfernt worden, es habe Versuche gegeben, Organisator*innen auf die Seite der Firma zu ziehen. Gorillas widerspricht: Man unterstütze den Prozess nach Kräften.

Eklat bei Betriebsversammlung

Anfang Juni dann der erste Eklat: Bei einer Betriebsversammlung zur Vorbereitung der Wahl werden Führungskräfte nicht hereingelassen. Die Begründung: Viele Beschäftigte hätten Angst vor Repressionen, zudem seien leitende Angestellte nicht wahlberechtigt. Das gilt laut Betriebsverfassungsgesetz tatsächlich für solche Angestellte, die etwa Beschäftigte anheuern und entlassen dürfen. Doch Gorillas argumentiert, auch viele mittlere Führungskräfte ohne Personalverantwortung seien ausgeschlossen worden.

Der Anwalt Martin Bechert, der den Betriebsratsprozess begleitet, widerspricht: Bis zur Versammlung habe die Firma keine plausible Übersicht liefern können, wer nun wirklich teilnahmeberechtigt sei und wer nicht. Daher hätten die Organsiator*innen nach eigener Einschätzung aussortieren müssen. Gorillas und auch einige externe Jurist*innen halten dieses Vorgehen für unrechtmäßig.

Soziologe: Konflikt typisch für Liefer-Start-ups

Diese Art von Konflikten sei bei Liefer-Start-ups typisch, sagt Heiner Heiland, Soziologe an der TU Darmstadt: "Oft haben die Firmen in der Vergangenheit versucht, Betriebsratswahlen unmöglich zu machen oder sie zu unterwandern, indem sie eine unternehmenstreue Liste aufstellen, die dann gewählt wird."

Die gesetzlichen Regelungen in Deutschland können Missbrauch an dieser Stelle wohl nicht immer unterbinden - ein Grund, weshalb immer weniger Betriebsräte gegründet werden. "Beschäftigte haben noch immer zu wenig Schutz und Handhabe, wenn es zum Konflikt mit dem Arbeitgeber kommt", meint Bechert.

Die jüngste Reform, das Betriebsrätemodernisierungsgesetz, bringe da nur kleine Verbesserungen durch einen leicht erweiterten Kündigungsschutz für Organisator*innen. Bechert und einige andere Kollegen fordern weitere Nachbesserungen.

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von Dennis Berger
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