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Keine Deals mit Diktatoren? : So teuer wäre ein Handelskrieg mit China

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Eine Lehre aus dem Ukraine-Krieg: weniger Geschäfte mit Autokratien. Doch wie teuer käme uns das? Laut einer Ifo-Studie kostet ein Handelskrieg mit China so viel wie sechs Brexits.

Mitarbeiter stehen vor einem Containerschiff im Hafen von Ningbo
Handel nur noch mit Demokratien? Ein Containerhafen in Ningbo, China.
Quelle: Reuters

Lange spielten Demokratie und Menschenrechte bei Deutschlands Wirtschaftsbeziehungen weltweit nur eine sekundäre Rolle. Staaten wie China und Russland sind zentrale Exportmärkte - und umgekehrt hat man sich auch bei den Importen nicht nur im Energiesektor in eine Abhängigkeit von Autokraten begeben. Der Ukraine-Krieg oder die Verfolgung der Uiguren in China lassen die Frage aufkommen: Könnte sich die deutsche Wirtschaft von China und anderen autoritären Staaten abkoppeln?

Was wären die Konsequenzen, was wären die Kosten? Nach Einschätzung einer neuen Studie des Ifo-Instituts würde ein solcher Schritt erhebliche Wohlstandsverluste für Deutschland bedeuten. "De-Globalisierung macht uns ärmer", erklärte die Co-Autorin der Studie, Lisandra Flach.

Die Deglobalisierung könnte nicht nur zu erhöhter Arbeitslosigkeit und geringerem Wachstum führen, sondern letztlich auch die politische Stabilität des Landes gefährden.
Ifo-Studie

Welche Folgen hätte es, auf China zu verzichten?

Einerseits würden Absatzmärkte wegbrechen, andererseits würden sich Vorprodukte und Rohstoffe für die deutsche Industrie verteuern, schreiben die Münchner Ökonomen in einem am Montag in München unter Federführung von Ifo-Präsident Clemens Fuest veröffentlichten Papier. Auftraggeber war die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).

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Allein eine wechselseitige Abkopplung der EU von China würde die deutsche Industrie demnach hart treffen und deren Wettbewerbsfähigkeit sinken lassen, insbesondere Autohersteller und Maschinenbau. Höhere Einfuhrzölle und andere Handelshemmnisse auf beiden Seiten würden laut Ifo-Berechnung das deutsche Bruttoinlandsprodukt mindestens um 0,81 Prozent sinken lassen. Profitieren würden demnach nur vergleichsweise kleine Bereiche wie die Textilindustrie.

Eine Rückverlagerung von Industrieproduktion nach Deutschland oder in benachbarte Länder würde enorme Wohlstandsverluste bedeuten. Im Falle einer umfassenden Rückverlagerung nach Deutschland würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt demnach um fast 10 Prozent sinken.

Könnte sich Deutschland einen Handelskrieg mit China leisten?

Das Ifo simulierte insgesamt fünf verschiedene Szenarien, darunter auch einen ausgewachsenen Handelskrieg zwischen Deutschland und China. Das würde Vergeltungsmaßnahmen wie wechselseitige Strafzölle auf diverse Produkte umfassen. Ein solcher Wirtschaftskonflikt käme die Bundesrepublik laut Ifo fast sechsmal so teuer wie der Brexit.

Besonders betroffen wäre die Automobilindustrie - hier würde es einen Wertschöpfungsverlust von rund 8,5 Prozent oder 8,3 Milliarden Dollar geben. Auch Unternehmen, die Transportausrüstung herstellen (minus 1,5 Milliarden Dollar) und die Maschinenbauer (minus 5,2 Milliarden Dollar) wären demnach stark betroffen.

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Wie kann die Abhängigkeit trotzdem reduziert werden?

"Aus den Erfahrungen mit der Corona-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine werden wir unsere Außenhandelsstrategie neu austarieren und optimieren müssen", sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Studien-Auftraggebers vbw. "Fakt ist aber, dass wir an unserem grundsätzlichen Geschäftsmodell der Internationalisierung festhalten müssen."

Das Ifo-Institut empfiehlt eine Reduzierung einseitiger Abhängigkeiten und eine Diversifizierung der Lieferketten. Wenn Deutschland als Exportnation sein Geschäftsmodell neu ausrichten wolle, sei die Nationalisierung von Lieferketten keine Lösung, die der Wirtschaft helfe, so das Ifo-Institut.

Vielversprechender ist es, strategische Partnerschaften und Freihandelsabkommen mit gleichgesinnten Nationen wie den USA zu schließen. Das sollte das Ziel der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik sein.
Florian Dorn, Ifo-Institut

Unternehmen sollten sich nicht ohne Not von wichtigen Handelspartnern abwenden, sondern parallel auf Vorleistungen aus anderen Ländern setzen, um einseitige und kritische Abhängigkeiten von bestimmten Märkten und autoritären Regimes zu verringern. China ist der mit Abstand wichtigste deutsche Handelspartner: 2021 wurden zwischen beiden Ländern Waren im Wert von rund 245 Milliarden Euro ausgetauscht.

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