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Datenschutz: Millionen-Bußgeld für H&M

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Mitarbeiter ausgespäht - Datenschutz: Millionen-Bußgeld für H&M

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Diagnosen, familiäre Probleme, Urlaubserlebnisse: Wegen der Erfassung privater Mitarbeiterdaten soll der Modekonzern H&M in Deutschland knapp 35,3 Millionen Euro Bußgeld bezahlen.

Archiv: Eine H&M-Filiale in New York am 15.11.2019
Kein guter Lauf für den Moderiesen H&M: Er muss Filialen schließen - und soll ein Millionen-Bußgeld zahlen wegen Ausspähens von Mitarbeitern.
Quelle: Reuters

Der schwedische Moderiese Hennes & Mauritz (H&M) soll wegen Datenschutzverstößen ein Bußgeld in Höhe von 35,3 Millionen Euro zahlen. Konkret geht es um die umfangreiche Erfassung auch intimer Details von Mitarbeitern des Servicecenters in Nürnberg - darunter auch Krankheitssymptome oder familiäre Probleme. Mit der Überwachung von Hunderten Mitarbeitern habe der Konzern gegen den Datenschutz verstoßen, begründete der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, am Donnerstag den Erlass.

Der Fall dokumentiere eine schwere Missachtung des Beschäftigtendatenschutzes, so Caspar:

Das verhängte Bußgeld ist dementsprechend in seiner Höhe angemessen und geeignet, Unternehmen von Verletzungen der Privatsphäre ihrer Beschäftigten abzuschrecken.
Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter Hamburg

Nach Angaben seines Sprechers ist es das bisher höchste in Deutschland verhängte Bußgeld nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 und das zweithöchste in Europa.

Private Lebensumstände von Mitarbeitern erfasst

Bekanntgeworden war der Fall im vergangenen Jahr. Laut Behörde wurden aber mindestens seit 2014 bei einem Teil der Beschäftigten Angaben zu ihren privaten Lebensumständen umfangreich erfasst und gespeichert. Nach Urlaubs- und Krankheitsabwesenheiten hätten Vorgesetzte einen "Welcome Back Talk" geführt und anschließend in etlichen Fällen nicht nur konkrete Urlaubserlebnisse, sondern auch Krankheitssymptome und Diagnosen dokumentiert.

Einige Vorgesetzte hätten sich auch "über Einzel- und Flurgespräche ein breites Wissen über das Privatleben ihrer Mitarbeitenden angeeignet, das von eher harmlosen Details bis zu familiären Problemen sowie religiösen Bekenntnissen reichte", hieß es. Die Aufzeichnungen seien mitunter für bis zu 50 Führungskräfte im ganzen Haus lesbar gewesen.

H&M-Konzern will Bescheid eingehend prüfen

H&M hat nun zwei Wochen Zeit, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Die schwedische Konzernzentrale kündigte an, den Bescheid eingehend zu prüfen.

Der Konzern erklärte zudem, nach Aufdeckung des Vorfalls seien im Nürnberger Servicecenter "unverzüglich weitreichende Maßnahmen" zur Verbesserung eingeleitet worden, darunter Schulungen für Führungskräfte zu Datenschutz und Arbeitsrecht. H&M übernehme die volle Verantwortung und wolle den Nürnberger Mitarbeitern eine "vorbehaltlose Entschuldigung aussprechen". Darüber hinaus habe das Unternehmen beschlossen, allen Betroffenen eine finanzielle Entschädigung zu zahlen.

H&M übernimmt Verantwortung und entschuldigt sich

Caspar bewertete das ausdrücklich positiv: Darin sei durchaus der Wille zu erkennen, "den Betroffenen den Respekt und die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie als abhängig Beschäftigte in ihrem täglichen Einsatz für ihr Unternehmen verdienen", so der Hamburger Datenschutzbeauftragte. Der Fall liegt in seiner Zuständigkeit, weil das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in der Hansestadt hat.

Bereits seit Jahren steht das Textileinzelhandelsunternehmen H&M wegen seiner betriebsratsfeindlichen Politik in der Kritik, welche allerdings folgenlos zu bleiben scheint.

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