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Debatte nach Hochwasser - Pflichtversicherung: Das Für und Wider

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Die Opfer des Hochwassers stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und können nicht auf ihre Versicherung hoffen. Würde eine Pflichtversicherung gegen Naturkatastrophen helfen?

Die Schäden durch Naturgewalt nehmen zu und kosten Milliarden Euro. Der Ruf nach einer Pflichtversicherung gegen Elementar-Versicherungen wird lauter. Doch für viele ist das nicht das Mittel der Wahl. Das hat Gründe.

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Wer sich in den Flutgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf seine Gebäudeversicherung verließ, erlebte ein böses Erwachen. Nur die zusätzliche Elementarschadenversicherung schützt gegen Naturkatastrophen. Doch noch nicht einmal die Hälfte aller Hausbesitzer in Deutschland hat sie abgeschlossen.

Die Flutkatastrophe hat eine Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen die sogenannten Elementarschäden entfacht. Das Problem der Unversicherten ist enorm: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stuft 2,6 Millionen Adressen als hoch gefährdet durch Starkregen ein. Diese Gebäude liegen in einem Tal oder in der Nähe eines Bachs.

Flutschaden könnte 20 Milliarden Euro betragen

Nach Einschätzung der Kölner Beratungsgesellschaft für Versicherungsmathematik Meyerthole Siems Kohlruss kann die Schadenssumme der jüngsten Flut auf 15-20 Milliarden Euro anwachsen. Das beinhalte Schäden in Höhe von 8-10 Milliarden Euro, die nicht versichert seien, erklärt Geschäftsführer Onnen Siems. Durch die Hilfen von Bund und Ländern tragen die Steuerzahler momentan einen Teil der Last.

Auch für die Versicherer sind Umweltkatastrophen teuer. Bei einem Hochwasser sind schlagartig mehrere Gebäude betroffen.

Dies führt zu plötzlichen sehr hohen Schadenleistungen beim Versicherer, die nur durch Unterstützung durch Rückversicherer beherrschbar sind.
Onnen Siems, Meyerthole Siems Kohlruss

Die Versicherer sehen auch deshalb eine Pflichtversicherung kritisch. Eine Pflichtversicherung als Einzelmaßnahme sei nicht zielführend, heißt es vom GDV. Die Allianz Deutschland sieht es genauso.

Für eine sinnvolle Absicherung bedarf es gemeinsamer Anstrengungen des Staates, der Wirtschaft, aber auch des Einzelnen.
Konzernsprecher Allianz

Die Menge an Schäden in den Flutgebieten ist enorm. Die Bausachverständigen kommen kaum hinterher. In all dem Elend müssen sie oft die Nachricht überbringen, dass einige Häuser nicht mehr zu retten sind.

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Initialzündung für Eigenverantwortung

Klar hat die Versicherungswirtschaft kein Interesse daran, das Risiko alleine zu tragen. "Bei manchen besteht die Sorge, dass mit einer solchen Pflichtversicherung die Vorsorgepflicht des Staates oder Einzelner nachlässt", meint Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Klimaexpertin sieht die Pflichtversicherung aber anders als die Versicherer als Initialzündung zu mehr Eigenverantwortung.

"Umgekehrt ist es jedoch richtig: die Sensibilisierung Einzelner wird eher gestärkt. Die finanziellen Risiken werden eher gemindert", sagt sie.

Zudem muss der Staat viel mehr tun, um sich durch gezielte Anpassungsmaßnahmen wie auch Hochwasserschutz vor extremen Wetterereignissen besser zu schützen.
Claudia Kemfert, DIW

Die Intensität und Anzahl der Naturkatastrophen durch den Klimawandel und damit auch die Schäden würden zunehmen, sagt Kemfert. Gerade deshalb sei eine Pflichtversicherung sinnvoll.

Argumente gegen Pflichtversicherung

Die Argumente gegen eine Pflichtversicherung sind zahlreich. Sie würde gegen das Recht der Bürger auf Vertragsfreiheit verstoßen. Der bürokratische Aufwand sei immens, warnt Versicherungs-Experte Siems. Und für viele Versicherte würde es Prämien geben, die ihr Risiko nicht widerspiegeln.

"Bei einer Pflichtversicherung (mit einer Quersubventionierung) würden Gebäudebesitzer, die keine Immobilie in guten Lagen besitzen, denjenigen ihre Elementarversicherung subventionieren, die sich eine Villa in exklusiver Ufernähe leisten können,” meint Siems.

André Hahn, stellv. Fraktionsvorsitzender Die Linke, plädiert für eine Elementarpflichtversicherung. Jörg Asmussen vom GDV hält dagegen: "Das alleine kann keine Lösung sein."

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Kemfert: Mehrkosten von bis zu 100 Euro für Versicherte

Ökonomin Kemfert nennt Schätzungen, dass die meisten Gebäude für fünf Euro monatliche Mehrkosten für Versicherer versicherbar wären. Für die Verbraucher lägen die Mehrkosten bei etwa 60 bis 100 Euro im Jahr.

In besonders anfälligen Regionen mit höheren Prämien würde sie etwas höher sein. Besonders hohe Prämien könnte der Staat abfedern, ähnlich zum Wohngeld.
Claudia Kemfert, DIW

Ob die künftigen Schadenssummen durch Überflutungen und andere Naturkatastrophen von der Solidargemeinschaft der Steuerzahler alleine getragen werden oder durch eine Solidargemeinschaft von Hausbesitzern: Das müsste laut Versicherungswirtschaft die Politik entscheiden.

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