Energiekrise: Warum Heizen mit Holz keine Alternative ist

    Trotz hoher Gas- und Ölpreise:Warum Heizen mit Holz keine Alternative ist

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    Durch den enormen Anstieg der Gaspreise setzen viele Menschen auf das günstigere Heizen mit Holz. Experten warnen vor schädlichen Folgen für die Gesundheit und die Umwelt.

    Mann legt Brennholz in einem Kamin nach
    Die Nachfrage nach Öfen und Heizungen, die mit Holz oder Pellets betrieben werden, steigt.
    Quelle: imago/SKATA

    Auf den ersten Blick gibt es für das Heizen mit Holz gute Gründe. Es gilt als gemütlich, günstiger als Gas und nachhaltig. Bisher spielte Holz allerdings beim Heizen eine eher untergeordnete Rolle: Im Jahr 2021 kam nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur bei 3,6 Prozent der Neubauten Holz als primäre Heizenergiequelle zum Einsatz.
    Durch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Gaspreise könnte sich das ändern: Die Nachfrage nach Öfen und Heizungen, die mit Holz oder Pellets betrieben werden, ist groß.

    Mehr als eine Million Haushalte in Deutschland nutzen Scheitholz, Holzpellets oder Holzhackschnitzel als primäre Energiequelle zum Heizen des kompletten Wohnraums, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angibt. Zusätzlich gebe es über elf Millionen sogenannte Einzelraumfeuerstätten, wie etwa Kaminöfen (Stand: März 2022).

    Deutschlandweit wird nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) fast die Hälfte des aktuell genutzten Holzes zur Energieerzeugung verwendet.

    Das Heizen mit Gas hingegen verliert nicht erst seit dem Ukraine-Krieg an Bedeutung. Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Zahl der genehmigten Wohngebäude, die vorrangig Gas als Energiequelle nutzen, im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 mehr als halbiert.

    Quelle: dpa

    Experte: Verbrennen von Holz schädlicher als bei Öl oder Gas

    Viele Experten haben jedoch Bedenken. Einige betrachten die Verbrennung von Holz als Gefahr für die Gesundheit - etwa Achim Dittler vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

    Nichts verbrennt dreckiger und klimaschädlicher als Holz.

    Achim Dittler, Forscher vom Karlsruher Institut für Technologie

    Bei der Holzverbrennung würden viel mehr Schadstoffe freigesetzt als bei der Verbrennung von Öl oder Gas, darunter Kohlenmonoxid, Stickoxide, Methan und Ruß, so Dittler.

    Pelletheizungen und Kaminöfen: Nachfrage steigt

    Doch die Nachfrage nach Pelletheizungen und -kaminöfen steigt. Nach Angaben des Deutschen Pelletinstituts, das dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband angehört, wurden im ersten Halbjahr 2022 rund 32.000 Pelletheizungen verkauft - zwölf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
    Das Heizen mit Öl oder Gas ist teuer und nicht gerade klimafreundlich. Wir stellen in dieser Woche verschiedene Alternativen vor und schauen dazu heute auf das Heizen mit Holz.07.04.2022 | 2:31 min
    Aber auch die Preise für Brennholz und Holzpellets für Öfen und Heizungen steigen stark: Sie lagen im August um knapp 86 Prozent über denen des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
    Die Verbraucherpreise insgesamt kletterten im selben Zeitraum um 7,9 Prozent. Gründe für die stark überdurchschnittliche Preissteigerung seien neben der gestiegenen Nachfrage auch die höheren Beschaffungs- und Transportkosten in der Holzindustrie, erklärten die Statistiker.

    Heizen mit Holz günstiger als mit Öl oder Gas

    Nach Angaben des Pelletinstituts und des Bundesverbands für Brennholzhandel und Brennholzproduktion ist Heizen mit Holz trotzdem nach wie vor günstiger als mit Öl oder Gas. Dem Pelletinstitut zufolge kostete eine Kilowattstunde, die durch die Verbrennung von Holzpellets erzeugt wird, im Zeitraum Januar bis August durchschnittlich rund 8,8 Cent - die mit Erdgas rund 14,11 Cent.
    Dittler nennt es einen "Kardinalfehler", dass Holzenergie in Deutschland als klimaneutrale, nachhaltige Energie bezeichnet werde. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz teilt mit, die Emission von Luftschadstoffen bei der Holzfeuerung sei ein Problem. Daher seien die Regeln zur Luftreinhaltung beim Einbau und Betrieb von Holzheizungen dieses Jahr noch einmal verschärft worden.
    Wird unser Wald verheizt?31.03.2020 | 8:18 min

    Mögliche Gefahr durch Feinstaub

    Wolfgang Straff, Leiter des Fachgebiets Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung am Umweltbundesamt, warnt speziell vor den Gesundheitsgefahren durch Feinstaub bei der Holzverbrennung.

    Generell und unabhängig von der Quelle führt die Inhalation von Feinstaub zu relativ hohen Krankheitslasten in der Bevölkerung.

    Wolfgang Straff, Bundesumweltamt

    So seien etwa Fälle von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes auf Feinstaub zurückzuführen. Dem Mediziner zufolge wurden in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2018 durchschnittlich jährlich etwa 17.500 Todesfälle durch Feinstaub verursacht.

    Heizen mit Brennholz verbieten?

    Sollte das Heizen mit Holz also künftig verboten werden, so wie es einige Experten fordern? Schließlich ist die Verbrennung von Holz nicht nur für die Gesundheit riskant. Umweltschützer warnen auch vor den Folgen für die Wälder. Wenn es nach Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde geht, sollte die Förderung von Holzverbrennung sofort gestoppt werden.
    Egal ob Pellets, Schnitzel oder Scheite, Hauptsache es brennt und macht warm. Die Nachfrage nach Holz ist so groß wie nie, dabei haben sich die Preise im Vergleich zum letzten Jahr zum Teil mehr als verdoppelt. 24.09.2022 | 4:56 min
    Denn das Verfeuern von Bäumen sei nur unter bestimmen Umständen klimaneutral. Zum einen, wenn beim Entnehmen keine Treibhausgase aus dem Waldboden strömten. "Ungefähr die Hälfte des Kohlenstoffs in Waldökosystemen befindet sich in den Böden", erklärt der Ökologe. Austrocknung und Erwärmung begünstigten den ungewollten Abbau des Kohlenstoffs, der dann als CO2 freigesetzt werde.
    Außerdem gelte die behauptete Klimaneutralität allenfalls über längere Zeiträume und unter der Bedingung, dass geerntete Bäume wirklich nachwüchsen.
    Quelle: Mia Bucher, dpa

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