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Konjunkturprognose gesenkt : Ifo rechnet mit Winter-Rezession

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Steigende Inflation, schrumpfende Wirtschaft: Das Ifo-Institut korrigiert seine Konjunkturprognosen stark. Schwere Auswirkungen auf dem Jobmarkt erwarten die Ökonomen aber nicht.

Container verschiedener Reedereien werden im Hamburger Hafen umgeschlagen.
Das Ifo-Institut erwartet 2023 einen Wirtschaftsrückgang von 0,3 Prozent.
Quelle: dpa

Das Ifo-Institut hat seine erst drei Monate alten Konjunkturprognosen für das kommende Jahr wegen der Energiekrise drastisch korrigiert.  Demnach werden die Verbraucherpreise statt der bislang erwarteten 3,3 Prozent um den Rekordwert von 9,3 Prozent steigen, wie die Münchner Forscher vorhersagten.

Beim Bruttoinlandsprodukt wird nun für 2023 anstelle eines Wachstums von 3,7 Prozent ein Rückgang von 0,3 Prozent angenommen, weil die Deutschen bei sinkender Kaufkraft weniger konsumieren dürften.

Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona.
Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser

Das ist auch schon im laufenden Jahr zu spüren. Hier setzten die Ökonomen ihre Inflationsprognose von 6,8 auf 8,1 Prozent herauf, die für das Wirtschaftswachstum dagegen von 2,5 auf 1,6 Prozent herunter.

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 Ifo-Institut erwartet schwierige Zeit

Eine besonders schwierige Zeit erwartet das Ifo-Institut in den kommenden Monaten. "Wir gehen in eine Winter-Rezession", sagte der Konjunkturchef. Die Energieversorger passen demnach vor allem zu Jahresbeginn 2023 ihre Strom- und Gaspreise spürbar an die hohen Beschaffungskosten an. Das werde die Inflationsrate im ersten Quartal des kommenden Jahres auf etwa elf Prozent hochtreiben.

Inflation und explodierende Preise machen vielen das Leben schwer. Am Ende des Monats bleibt oft nichts mehr übrig. In der Mittelschicht wachsen Abstiegs- und Armutsängste.

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Damit gingen die realen Haushaltseinkommen kräftig zurück und die Kaufkraft sinke spürbar, was den privaten Konsum belasten dürfte. Das kürzlich verabschiedete dritte Entlastungspaket der Regierung werde diesem Rückgang zwar etwas entgegenwirken, ihn aber bei weitem nicht ausgleichen.

Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,5 Prozent Inflation.
Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser

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Der Kaufkraftverlust, gemessen am Rückgang der realen Pro-Kopf-Löhne, dürfte in diesem und im kommenden Jahr bei jeweils etwa drei Prozent liegen. Das wären die höchsten Werte seit Beginn der Statistik 1970.

Im weiteren Verlauf des kommenden Jahres dürfte sich der Preisanstieg allmählich abschwächen - vorausgesetzt, im Winter steht genügend Gas zur Verfügung. Dann sollten die Energiepreise nicht weiter steigen und spätestens ab dem Frühjahr 2023 wieder sinken.

"Alterung belastet"

Schwere Auswirkungen der Konjunkturkrise auf den Arbeitsmarkt erwartet das Ifo nicht. Der Beschäftigungsaufbau werde sich zwar verlangsamen, das aber nur vorübergehend. Der voraussichtliche Anstieg der Arbeitslosenzahl um gut 50.000 im kommenden Jahr gehe vor allem auf den sprunghaften Anstieg der arbeitslosen ukrainischen Flüchtlinge im Sommer 2022 zurück. Sie würden nur allmählich in den Jobmarkt integriert.

Überall in Deutschland fehlen Fachkräfte. Mehr als 1,7 Millionen Stellen sind im Sommer 2022 unbesetzt. Bewerbungen sind Mangelware, das verbliebene Personal arbeitet an der Belastungsgrenze.

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Die Folgen des Kriegs in der Ukraine und Demografie werden das Wachstum nach Prognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) noch lange dämpfen. "Deutschland stehen magere Jahre bevor", sagte IfW-Konjunkturchef und -Vizepräsident Stefan Kooths.

Die Alterung der Gesellschaft drückt die Wachstumsaussichten empfindlich, weil künftig weniger Menschen arbeiten werden.
IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.

Hinzu kämen nun infolge des Ukraine-Krieges knapper und teurer gewordene Energierohstoffe, die in vielen Produktionsprozessen eine wichtige Rolle spielen. "Dies schmälert Deutschlands Wirtschaftskraft obendrein", sagte Kooths.

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BIP um rund 300 Milliarden Euro niedriger

Demnach dürfte die bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten mögliche Zunahme der Wirtschaftsleistung Ende 2027 nur noch knapp 0,7 Prozent betragen. Zum Vergleich: Im langjährigen Durchschnitt lag sie vor der Corona-Krise bei 1,3 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft operiere bereits seit 2020 unterhalb ihrer Möglichkeiten. Dies dürfte dem Institut zufolge noch bis 2025 andauern. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum rund 300 Milliarden Euro niedriger liegen, als es bei normaler Auslastung möglich wäre.

Taschenrechner an einem Tisch und Symbolgrafiken Züge, Kleidung, Friseur, Benzin und Wohnen
Grafiken

Inflation - So teuer wurden Verkehr und Essen im Oktober 

Das Tanken war so teuer wie noch nie, die Lebensmittelpreise ziehen ebenfalls an. Wie hoch die Inflation bei einzelnen Produkten ist - der Überblick in interaktiven Grafiken.

von Robert Meyer
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