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Extragewinne statt Klimaschutz - Industrie profitiert von Emissionshandel

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Der Ausstoß des Klimakillers CO2 sollte Geld kosten, damit die Industrie klimafreundlicher wird. Tatsächlich aber machen Industriekonzerne satte Gewinne mit dem Emissionshandel.

Hochfackel an der Shell Rheinland Raffinerie
Hochfackel an der Shell Rheinland Raffinerie
Quelle: imago

50 Milliarden Euro Extragewinne für die europäische Industrie - so lautet die Bilanz von zwölf Jahren Emissionshandel, nach Berechnungen des niederländischen Instituts CE Delft.

Dabei sollte der Emissionshandel den Ausstoß von CO2 teuer machen. Für jede Tonne CO2 brauchen große Industrieunternehmen ein sogenanntes CO2-Zertifikat, das Geld kostet. So haben die Unternehmen einen Anreiz, ihren CO2-Ausstoß zu senken.

Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. Nun stellt die EU-Kommission mit zwölf Vorschlägen vor, wie sie das Ziel, den CO2-Ausstoß um 55% bis 2030 zu senken, erreichen könnte. Zudem schlägt sie einen eigenen Emissionshandel für Verkehr und Gebäude vor.

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Industrie bekam CO2-Zertifikate geschenkt

In der Theorie ist das ein guter Plan, erklärt Frank Peter vom Think Tank Agora Energiewende. Aber, "der Emissionshandel hat definitiv in der Vergangenheit nicht gut funktioniert", so der Experte, die Emissionen bei der Industrie seien über die letzten zehn Jahre nicht gesunken.

Der Grund: Viele Industriekonzerne mussten für ihren CO2-Ausstoß nichts bezahlen. Denn die CO2-Zertifikate wurde den Unternehmen ganz überwiegend geschenkt.

CO2-Ausstoß der Zementindustrie bleibt gleich

Luuk Sengers ist Datenjournalist in den Niederlanden und hat die offizielle Datenbank der Europäischen Kommission ausgewertet.

40 der größten Klimaverschmutzer Europas haben mehr CO2-Zertifikate geschenkt bekommen, als sie brauchten.
Luuk Sengers, Datenjournalist

Diese Zertifikate sind bares Geld wert. Der deutsche Zementkonzern HeidelbergCement etwa habe seit 2008 rund 45 Millionen Zertifikate mehr erhalten als benötigt, erklärt Sengers. Das entspreche Stand heute rechnerisch einem Wert von mehr als zwei Milliarden Euro. HeidelbergCement will das auf Nachfrage nicht kommentieren. "Aus wettbewerblichen Gründen äußern wir uns nicht zu unseren Handelsaktivitäten", so das Unternehmen auf Nachfrage der ZDF-Magazins "frontal".

Fest steht: Der CO2-Ausstoß der deutschen Zementindustrie ist nach amtlichen Daten seit Beginn des Emissionshandels gleich geblieben. Klimaschutz? Fehlanzeige.

Gazi ist das erste Dorf weltweit, das durch den Schutz und die Wiederaufforstung von Mangroven CO2-Zertifikate verkauft.

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Gewinne mit Emissionshandel

"Der Emissionshandel war dafür gedacht, dass die Industrie für das Klimagas CO2 bezahlt", so Sengers. "Wir sehen aber, dass die größten Verursacher mit dem Emissionshandel Gewinne erzielen."

Die Industrie wurde im Emissionshandel bislang geschont, um zu verhindern, dass Betriebe abwandern und Arbeitsplätze verloren gehen, erklärt Energieexperte Frank Peter. Das sei zwar gelungen - doch infolgedessen seien die CO2-Emissionen nicht nennenswert gesunken.

Green Deal: Gratis-Zertifikate für Industrie bis 2025

Auch im Bundesumweltministerium blickt man kritisch auf den Emissionshandel.

Wir haben in der Vergangenheit, das will ich gar nicht bestreiten, auch im Emissionshandel Fehler gehabt.
Jochen Flasbarth, zuständiger Staatssekretär

Diese Fehler seien mittlerweile behoben. "Das System wird seine Dienste tun", so Jochen Flasbarth. Doch daran gibt es Zweifel. Denn die Industrie besteht darauf, auch weiterhin die CO2-Zertifikate umsonst zu erhalten - und stößt damit auf offene Ohren in der Politik.

So schlug EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen jüngst in ihrem Green Deal vor: Die Industrie soll auch weiterhin Gratis-Zertifikate erhalten, mindestens bis 2025.

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