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Energie und Lieferengpässe : Inflation: Wie lange steigen die Preise noch?

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Die Inflation ist hoch, doch ob und wie hoch sie bleiben wird, ist strittig. Manche Experten befürchten eine jahrelange Stagflation – und eine mögliche Lohn-Preis-Spirale.

Berlin: Eine Frau holt eine 5-Euro-Banknote aus ihrem Portemonnaie. Archivbild
Vor allem die Energiepreise steigen kräftig.
Quelle: dpa

Nirgendwo lässt sich die Inflation so deutlich ablesen wie an den Energiepreisen. Wer im Januar einen neuen Stromtarif ins Auge fasst, muss nach Erhebungen der Branche aus der vergangenen Woche über zwölf Prozent mehr berappen als im Jahresmittel 2021.

Noch drastischer ist die Lage für Menschen, die ihr Haus und ihre Wohnung mit Gas heizen und einen neuen Tarif brauchen. Hier hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) errechnet, dass die Rechnung im Durchschnitt sogar um rund 70 Prozent höher ausfallen könnte als im Vorjahr.

"Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen die Gaspreise", sagt Prof. Veronika Grimm, Sachverständigenrat Bundesregierung, zur Inflation.

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Was treibt die Inflation?

Ein weiterer großer Preistreiber sind die Materialengpässe durch gestörte globale Lieferketten infolge der Corona-Krise. Und schließlich – doch zu einem weit geringeren Teil – fließen in die Preise auch die Kosten für den ökologischen Wandel hinein. So wirkte die Anfang des vergangenen Jahres eingeführte CO2-Bepreisung ebenfalls preistreibend und hat zur Inflation von 3,1 Prozent im vergangenen Jahr beigetragen.

So hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ausgerechnet, dass der CO2-Preis bei Kraftstoffen und Heizenergie zur Inflation etwa ein halbes Prozent beigetragen hat.

Droht eine Stagflation?

Aufgrund dieser Tendenzen sieht man im arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) die Gefahr einer Stagflation am Horizont. Das Kunstwort setzt sich aus Inflation und Stagnation zusammen und bezeichnet einen Zustand hoher Inflation bei gleichzeitiger Stagnation der Wirtschaft.

IW-Chef Michael Hüther sagte, Europa drohe eine möglicherweise jahrelange Stagflation, wenn die Politik nicht aufpasse. Vor allem die Klimapolitik wie der CO2-Preis könnten eine Stagflation auslösen, Unternehmen könnten zudem mit den neuen Anforderungen an Nachhaltigkeit überfordert werden.

Welche Auswirkung hat die Energiewende?

Einen derart großen Einfluss zumindest beim CO2-Preis sieht man im Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung noch nicht. Nach Berechnungen der Wirtschaftsforscher lag der Einfluss des CO2-Preises auf die Inflation im vergangenen Jahr bei nur 0,3 Prozent, in diesem würden es demnach nur noch etwas mehr als 0,1 Prozent sein. "Das ist im Verhältnis zur Gesamtinflation sehr wenig", sagt Institutsdirektor Sebastian Dullien.

In Bezug auf die erneuerbaren Energien gebe es zudem Prognosen, dass sie langfristig günstiger sein könnten als fossile Energien heute. "Im Moment würde ich sagen, dass es nicht danach aussieht, dass das ein riesiger Effekt sein wird."

Alles wird teurer. Laut Statistischem Bundesamt hat die Inflation letztens Jahr den höchsten Stand seit fast dreißig Jahren erreicht. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller mit Einzelheiten.

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Wann wird Inflation zurückgehen?

So oder so aber werden die Preise mindestens über die kommenden Monate noch vergleichsweise hoch bleiben. Denn viele Unternehmen geben mittlerweile die gestiegenen Preise weiter an ihre Endkunden oder sie planen, das künftig zu tun.

Nach Umfragen des Ifo-Institutes befinden sich die diesbezüglichen Preiserwartungen auf historisch hohem Niveau.

Die Inflation wird im Verlauf dieses Jahres nur langsam zurückgehen.
Timo Wollmershäuser, Leiter der ifo Konjunkturprognosen

Wollmershäuser rechnet erst Ende des Jahres damit, dass die Verbraucherpreise sich wieder der Zwei-Prozent-Marke nähern.

Droht eine Lohn-Preis-Spirale?

Ein weiteres Risiko schließlich sehen einige Experten in einer so genannten Lohn-Preis-Spirale: Dabei sorgt hohe Inflation für hohe Lohnforderungen, um die Geldentwertung auszugleichen. Steigende Löhne wiederum führen dann aber wieder zu höheren Preisen – und so setzt sich eine Spirale in Gang.

Das sieht Timo Wollmershäuser aber aktuell nicht gegeben: "Die bisherigen Lohnverhandlungen deuten auf keine Lohn-Preis-Spirale hin. Wir erwarten, dass die Tariflöhne in diesem und im kommenden Jahr um knapp zweieinhalb Prozent zulegen. Das wäre dann so stark wie im Durchschnitt der Jahre vor der Corona-Krise."

Die Inflationsrate stieg 2021 3,1 Prozent zum Vorjahr, so das Statistische Bundesamt mit.

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