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Inflation in Eurozone - Verbraucherpreise steigen weiter

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Die Preise steigen. Das spüren Verbraucher etwa beim Tanken oder wenn Sie sich einen Frisörtermin gönnen. Die anziehenden Verbraucherpreise setzen auch die Zentralbank unter Druck.

Stecker wird in Steckdosenleiste gesteckt, aufgenommen am18.03.2011
Vor allem Energiepreise sind Inflationstreiber.
Quelle: dpa

Ob der Gang zum Frisör, die Buchung einer Reise oder das Bezahlen an der Tankstelle - Verbraucher spüren zunehmend steigende Preise. Hierzulande lag die Inflation im Mai bei 2,5 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit fast zehn Jahren.

Die höheren Preise zeigen nur, dass das Geld bei den Konsumenten wieder lockerer sitzt und sich die Nachfrage schneller belebt, als das Angebot kurzfristig damit Schritt halten kann,

sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment. Er glaubt, dass die Inflation durch die Pandemiefolgen noch länger verzerrt bleiben wird - aktuelle Wasserstandsmeldungen solle man deshalb nicht überbewerten.

Anziehende Energiepreise treiben Inflation

Den jüngsten Wasserstand der Inflation im Euroraum haben die Statisiker*innen von Eurostat in Luxemburg gegeben. Demnach liegt die Preisteuerung in der Eurozone im Mai bei zwei Prozent. Und damit liegt sie leicht über dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) anvisierten Ziel von eben knapp zwei Prozent.

Die jährliche Teuerung ist so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr gestiegen. Aber was sind die Gründe dafür?

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Doch auch hier meinen die meisten Volkswirte, dass der Anstieg nicht von Dauer sein wird. "Nach wie vor wird der Inflationsanstieg besonders von Basis- und Sondereffekten angetrieben", sagt der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger.

Rohölpreise stark gestiegen

In der Tat lassen sich die steigenden Verbraucherpreise gut erklären. So ziehen etwa die Energiepreise deutlich an. Da die Inflation sich auf den Vorjahresmonat bezieht, ist die Zunahme vor allem dem ersten Lockdown geschuldet. Ökonomen sprechen in solchen Fällen von einem "Basiseffekt".

Im Mai 2020 hatten die Rohölpreise einen Tiefpunkt erreicht. Verglichen damit lag die Zunahme im Mai dieses Jahres bei satten zehn Prozent, im Euroraum verteuerte sich Energie sogar um mehr als 13 Prozent.

Im Mai sind die Preise für Waren und Dienstleistungen im Durchschnitt um 2,5 Prozent gestiegen. Grund dafür sind vor allem steigende Energiepreise. Frank Bethmann hat mehr.

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Materialknappheit trägt zu höheren Preisen bei

Das spüren Verbraucher deutlich, wenn sie den Heizöltank für den nächsten Winter füllen oder Sprit an der Zapfsäule tanken.  Hierzulande haben die Energiekosten zu Jahresbeginn zudem auch deswegen einen kleinen Sprung gemacht, weil seither ein CO2-Preis in Höhe von 25 Euro pro Tonne für Brennstoffe gilt.

Die CO2-Bepreisung hat Diesel um acht Cent teurer gemacht und Benzin um sieben Cent,

rechnet etwa ADAC-Sprecher Andreas Hölzel vor.

Abgesehen von den Energiekosten treibt die Inflation auch Preissteigerungen in bestimmten Wirtschaftsbereichen. So sind in der Bauwirtschaft derzeit etwa Bauholz und andere Materialien Mangelware. Eine am Dienstag vom Ifo-Institut veröffentlichte Umfrage hat ergeben, dass fast die Hälfte aller Firmen im Hochbau von Problemen bei der Beschaffung von Baustoffen berichten.

Tanken wird immer teurer: Im April musste für einen Liter Super ein Viertel mehr gezahlt werden als noch ein Jahr zuvor. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller erklärt den Preisanstieg.

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Erhöhte Nachfrage und Ausgaben im Freizeitbereich

Und schließlich geht ein beträchtlicher Teil der Preisteuerung auch auf den Freizeitbereich zurück. So buchen Verbraucher mit den Corona-Lockerungen etwa wieder verstärkt Reisen, so dass deren Preise ebenfalls in die Höhe schnellen. Leisten können sich das viele Menschen, weil die Sparquote in der Krise im Durchschnitt ebenfalls hochgeschnellt ist.

Weil diese Situation mit ihren unterschiedlichen Sondereffekten absehbar bestehen bleiben dürfte, rechnen die meisten Volkswirte in den kommenden Monaten mit einer weiter steigenden Inflation. In Deutschland wird dazu in den kommenden Monaten auch die Mehrwertsteuer beitragen. Denn die wurde krisenbedingt in der zweiten Jahreshälfte 2020 gesenkt. Die Normalisierung auf wieder 19 Prozent schlägt entsprechend erst in der Inflationsrechnung im zweiten Halbjahr 2021 zu Buche.

Europäische Zentralbank signalisiert keinen Handlungsbedarf

Die EZB signalisiert bislang, über die steigenden Preise hinweg zu sehen - gerade weil sie auf Sonderumstände im Verlauf der Krise zurückzuführen sind. Allerdings steigt mit den kletternden Preisen auch die Befürchtung, dass Zentralbanken letztlich doch zum Handeln gezwungen sein könnten.

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