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Nicht alles negativ - Warum die Inflation 2022 sinken könnte

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Die Verbraucherpreise sind 2021 stark gestiegen. Viele Produkte bleiben teuer. Allerdings gibt es auch dämpfende Effekte und Ausnahmen.

Ein Autofahrer tankt an einer Tankstelle. Symbolbild
Ein Autofahrer tankt an einer Tankstelle. Symbolbild
Quelle: Carsten Koall/dpa

Die hohe Inflation bereitet vielen Menschen Sorgen. Denn mit den steigenden Preisen wird es schwerer, den Alltag finanziell zu bestreiten, vor allem für Menschen und Familien mit geringen Einkommen. Die hohen Inflationsraten allerdings lassen sich auch relativieren: Vieles an der Preisteuerung liegt an Kriseneffekten. Und nicht alles wird teurer.

Ein Kern des Problems etwa sind die hohen Energiepreise. Sie machen einen beträchtlichen Teil der aktuellen Inflationsrate aus. Lag die Preisteuerung im November 2021 bei 5,2 Prozent, so betrug sie ohne Energiekosten "nur" 3,4 Prozent. Energiepreise bilden den Haupttreiber der Inflation. Hinzu kommen krisenbedingte Effekte wie Preisanstiege durch gestörte Lieferketten.

Besonders Energie und Kraftstoff sind teurer geworden. Vor allem für Geringverdiener ist das schwierig.

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Energiepreise als Haupttreiber der Inflation

Zudem bemisst sich die Inflationsrate am Vorjahresmonat. Im Zuge der Corona-Krise und weltweiten Wirtschaftseinschränkungen aber waren die Energiepreise 2020 in den Keller gerauscht. Deswegen ist der Anstieg zwischen Dezember 2020 und heute enorm. Der Preis für das Nordsee-Öl Brent etwa hat einem Sprung von rund 20 Dollar pro Fass gemacht - ein Aufschlag von rund 40 Prozent.

Vor der Krise im Dezember 2019 allerdings kostete ein Fass rund 70 Dollar. Und dieses Niveau ist mit dem heutigen vergleichbar. So verhält es sich mit vielen anderen Warengruppen auch: Durch Krise und schwindende Nachfrage sackten viele Preise ab. Mit der Erholung der Wirtschaft und steigender Nachfrage erholen sie sich wieder. Was in vielen Bereichen eine "Normalisierung" auf Vorkrisenniveau ist, schlägt sich rechnerisch in einer stark steigenden Inflation nieder.

Auch Not-Krisenprogramm treibt Preise in die Höhe

Ein zumindest unterschwelliger Preistreiber - allemal an den Finanzmärkten - ist auch das Not-Krisenprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit Anleihekäufen in Billionenhöhe versucht sie seit Krisenbeginn den europäischen Wirtschaftsraum mit ausreichend Liquidität zu fluten.

Das ist einer der Gründe dafür, warum sich Immobilien verteuern. Denn angesichts niedriger Zinsen sucht das viele Geld nach lukrativen Anlagealternativen. So fließt es auch in Aktien. Die Aktienmärkte haben die zeitweise harschen Einbrüche in der Krise über den längeren Zeitraum bis heute vergleichsweise gut überstanden.

Die EZB erwartet im kommenden Jahr eine Stabilisierung der Energiepreise – und auch langsamere Preissteigerungen.

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EZB belässt Leitzins bei null Prozent

Das gewünschte Ziel der EZB ist es, die Finanzierungsbedingungen im Euroraum günstig zu halten. So sollen Unternehmen bei Banken an günstige Kredite kommen, das soll Investitionen und Wirtschaft insgesamt fördern. In der Tat war es von der Zinsseite her betrachtet nie leichter, Kredite aufzunehmen. Denn die Kreditkosten befinden sich auf historischen Tiefs. Das sorgt dafür, dass vor dem Realzins für einen Kredit oft ein Minuszeichen steht.

Der errechnet sich, einfach gesagt, indem man vom Zins die Inflationsrate abzieht. So hat das Verbraucherportal Verivox ermittelt, dass der mittlere Zinssatz bei 2,99 Prozent liegt. Da die Inflation derzeit bei 5,2 Prozent liegt, beträgt der Realzins je nach Berechnungsmethode zwischen minus 2,1 und minus 2,2 Prozent. Gemessen an der heutigen Kaufkraft würden Kreditnehmer bei gleichbleibender Inflation am Ende also weniger Geld an die Bank zurückzahlen müssen, als sie sich heute geliehen haben.

Mehr Kaufkraft bezogen auf den Stundenlohn

Ein weiterer Faktor, der die hohe Inflation relativieren kann, ist die Kaufkraft gemessen in Stundenlohn - der Aufwand der eigenen Arbeitszeit also für den Kauf eines bestimmten Produktes. So hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft errechnet, dass die Kaufkraft bezogen auf den Stundenlohn seit 1960 um das 15-fache gestiegen ist. Seit der Jahrtausendwende hat sie sich verdoppelt.

Für den vom Statistischen Bundesamt für 2020 errechneten Durchschnittslohn von 19,38 Euro kann man sich heute bei vielen Produkten also deutlich mehr leisten als in der Vergangenheit. Beispiel Spritpreis: Für einen Liter mussten Arbeitnehmer 2020 im Schnitt vier Minuten arbeiten. Vor zehn Jahren war es 50 Prozent länger - also sechs Minuten.

Weitere Gründe, warum nicht alles teurer wird

Zu guter Letzt gibt es noch stichhaltige Gründe, warum die Inflation mit Beginn 2022 auch wieder runtergehen wird. Hier spielen die beim Ölpreis schon angesprochenen Basiseffekte eine Rolle, also der Bezug auf den Vorjahreszeitraum.

Die Mehrwertsteuer in Deutschland etwa schlägt in dieser Rechnung ab Januar inflationsdämpfend zu Buche. Denn im zweiten Halbjahr 2020 wurde die Mehrwertsteuer krisenbedingt gesenkt. Nach der Normalisierung hat sich das in höheren Inflationszahlen im zweiten Halbjahr 2021 niedergeschlagen. Dieser Effekt fällt mit dem 1. Januar weg.

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