Sie sind hier:

Warten oder handeln? - Wie Zentralbanken auf die Inflation reagieren

Datum:

Die Inflation ist zurück, jeder spürt es. Doch was tun jene, deren Job das wäre - die Notenbanker? Warten, zumindest bei der EZB. Das kann klug sein. Oder hilflos.

EZB-Chefin Christine Lagarde am 28.10.2021 in Frankfurt
Für EZB-Chefin Christine Lagarde sind Zinserhöhungen derzeit kein Thema. Archivfot
Quelle: Reuters

Im Supermarkt, an der Tankstelle, bei den Heizkosten - die Inflation ist zurück. Lange für tot erklärt, erweist sie sich als quicklebendig. Das hat viele Gründe und eine Folge: Die Leute haben weniger im Portemonnaie.

Zwei Lager bei Handlungsoptionen

Was nun zu tun sei - das ist die Frage. Dabei teilt sich die Fachwelt in zwei Lager. Zum einen ist da "Team Transitory". Das sind jene, die den Inflationsschub für "vorübergehend" halten. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehört dazu, die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed), überhaupt die meisten großen, öffentlichen Institutionen. Und viele Ökonomen.

Im anderen Lager sitzt eine bunte Mischung: Leute wie Großinvestor George Soros, Ray Dalio, Gründer des Hedgefondsriesen Bridgewater, das ökonomische Schwergewicht Lawrence Summers, die Finanzmagier von Goldman Sachs, eine große Zahl von Industrieunternehmen sowie Larry Fink, Boss des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. Und natürlich ebenfalls viele Ökonomen.

Die Inflationsrate in Deutschland ist gestiegen. Doch Experten geben Entwarnung: Es soll nicht dauerhaft so teuer bleiben.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Zentralbanken in Ostmitteleuropa erhöhen Zinsen

Die Gründe für steigende Preise liegen auf der Hand: starke Nachfrage nach dem Ende der Lockdowns, Chaos in den Lieferketten mit Lieferengpässe bei wichtigen Produkten, steigende Rohstoffpreise, Energieknappheit, fehlende Arbeitskräfte in etlichen Branchen. Was Währungshüter jedoch wirklich fürchten, ist, dass sich diese vorübergehenden - wenn auch nicht unbedingt kurzfristigen - Faktoren in Form einer Lohn-Preis-Spirale im Wirtschaftssystem festfressen. Dann wäre Schluss mit "vorübergehend".

Die Europäische Zentralbank und der Wirtschaftsminister gehen davon aus, dass die Inflation bald wieder runtergeht. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller mit einer Einschätzung.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

In Ostmitteleuropa ist es bereits soweit. Die Notenbanken von Ungarn, Tschechien und Polen haben die Zinsen kräftig erhöht, teils mehrfach. Trotzdem rechnet beispielsweise Jiri Rusnok, Chef der tschechischen Notenbank, über den Winter mit sieben Prozent Inflation in seinem Land.

Wie die Fed reagiert

Und die großen Notenbanken? In Amerikas Fed rumort es. Die Stimmen, die angesichts der Inflation ein frühzeitiges Ende der lockeren Geldpolitik fordern, werden lauter. Vorläufig hat man sich jedoch nur darauf geeinigt, das Gelddrucken, beginnend diesen November, um monatlich 15 Milliarden Dollar zu reduzieren und so bis Mitte 2022 auslaufen zu lassen.

Zu Zinserhöhungen hält sich Fed-Chef Jerome Powell bedeckt. Allgemein wird jedoch mit einem ersten Schritt Mitte 2022 gerechnet. Insgesamt vermittelt die Federal Reserve einen zwar zögerlichen, aber doch alerten und handlungsfähigen Eindruck.

Der Ökonom und Senior Economist der Universität St.Gallen, Markus Will, geht davon aus, dass die Preise weiter steigen werden.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Wie die EZB reagiert

Bei der EZB ist die Gemengelage diffuser. Zwar stieg die Eurozonen-Inflation im Oktober auf 4,1 Prozent, doch es dominiert die große Sorge, dass ein zu frühes Anziehen der Geldpolitik die schwache Wirtschaft wieder in die Rezession kippt. So wie 2011. Zumal das gegenwärtige Inflationsszenario der EZB für 2023 nur 1,5 Prozent Teuerung voraussagt.

Die EZB wird wahrscheinlich vorerst an ihrer Einschätzung festhalten und keine Normalisierung der Geldpolitik einleiten.

Das sagt dazu Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Selbst wenn die Engpässe andauern und die Inflation in den ersten Monaten des kommenden Jahres stärker steigt als erwartet, wird dies die Inflationsbewertung kaum infrage stellen."

Die Preise für Energie steigen rapide. Trotz dieser Entwicklung hält die EZB weiter an ihrer Politik des billigen Geldes fest. ‎‎

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Locker "for longer"

Anders als in Polen oder Tschechien, die sich einer dynamischen Wirtschaft mit niedriger Arbeitslosigkeit und geringer Verschuldung erfreuen, und somit höhere Zinsen gut verkraften können, ist in etlichen Ländern der Eurozone das Gegenteil der Fall.

Angesichts hoher Schuldenquoten in Italien, Portugal, Spanien oder Griechenland sowie struktureller Probleme dieser Volkswirtschaften sind höhere Zinsen und insgesamt ein Ende der ultralockeren Geldpolitik auf absehbare Zeit schwer vorstellbar. Dies spiegelt auch der Euro-Kurs, der seit Jahresbeginn gegenüber vielen anderen Währungen nachggibt.

Die Inflationsrate ist bei 4,5 Prozent angekommen. Das Statistische Bundesamt meldet die höchste Jahres-Teuerung seit 28 Jahren.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Zinserhöhung für 2022 ausgeschlossen

EZB-Chefin Christine Lagarde schloss nach dem jüngsten Treffen des Zentralbankrates eine Zinserhöhung im Jahr 2022 ziemlich kategorisch aus. Diese sei "off the chart".

Wer sich nun also fragt, was zu unternehmen sei gegen steigende Preise im Supermarkt, an der Tankstelle oder beim Heizen, sollte nicht auf die EZB warten. Die sitzt fest im "Team Transitory". Aber vielleicht ist der ganze Spuk am Ende tatsächlich nur "vorübergehend".

ZDFheute Update

Nachrichten | In eigener Sache - Jetzt das ZDFheute Update abonnieren 

Starten Sie gut informiert in den Tag oder Feierabend. Verpassen Sie nichts mit unserem kompakten Nachrichtenüberblick am Morgen und Abend. Jetzt bequem und kostenlos abonnieren.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.