Inflation geht im November leicht zurück

    Inflation:Lebensmittel werden teurer

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    Erstmals seit Juli verliert der Anstieg der Verbraucherpreise etwas an Tempo - die Inflation lag im Novermber bei zehn Prozent. Ob das schon eine Trendwende ist, bleibt fraglich.

    Eine Kundin begutachtet eine Tomate an einem Stand auf einem Wochenmarkt, aufgenommen am
    Beim Einkauf wird inzwischen genau abgewogen, was eingekauft werden kann und was nicht.
    Quelle: dpa

    Die Inflation in Deutschland hält sich trotz eines leichten Rückgangs im November hartnäckig auf hohem Niveau und erfasst immer weitere Bereiche des täglichen Lebens. Die Verbraucherpreise stiegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im November gegenüber dem Vormonat um 10,0 Prozent. Im Oktober hatte die Jahresinflationsrate mit 10,4 Prozent den höchsten Stand seit etwa 70 Jahren erreicht.
    Volkswirte sehen in der Abschwächung im November noch keinen Grund zur Entwarnung. "Die Inflationsrate verweilt trotz leichter Entspannung bei den Energiepreisen mit 10,0 Prozent weiterhin auf einem hohen Stand", sagte der Präsident der Wiesbadener Behörde, Georg Thiel.

    Wir beobachten zunehmend auch Preisanstiege bei vielen anderen Waren neben der Energie.

    Georg Thiel, Statistiker

    Die Energiekrise ist im Alltag angekommen. Schon jetzt sparen viele, wo es geht, um über die Runden zu kommen. Und keiner weiß, wie hoch die Heizkosten im Winter noch steigen werden.30.10.2022 | 30:14 min

    Der Rotstift kursiert in den Haushalten

    Hohe Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern und zehren Einkommenszuwächse auf. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten.
    Inflation in Deutschland (inkl. Nahrung und Energie)
    ZDFheute Infografik
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    Bei einer YouGov-Umfrage unter mehr als 2.000 Menschen in Deutschland gaben im November 23 Prozent an, in den vergangenen drei Monaten meistens oder immer Schwierigkeiten beim Lebensmitteleinkauf gehabt zu haben. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) haben bei den gewohnten Ausgaben bereits den Rotstift angesetzt. Gut zwei Drittel (67 Prozent) der Verbraucher gehen davon aus, ihre Ausgaben zu kürzen oder weiter zu verringern.

    Energie und Lebensmittel als Treiber

    Angeschoben wird die Inflation in Europas größter Volkswirtschaft seit Monaten von hohen Energie- und Lebensmittelpreisen. Energie kostete im November 38,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg schwächte sich nach einem Zuwachs von 43 Prozent im Oktober damit etwas ab.
    Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher 21,1 Prozent mehr zahlen als im November 2021. Seit Jahresbeginn hat sich der Preisauftrieb den Angaben zufolge hier schrittweise verstärkt. Erheblich teurer wurden binnen eines Jahres Speisefette und Speiseöle (plus 41,5 Prozent), spürbare Anstiege gab es auch bei Molkereiprodukten und Eiern (plus 34,0 Prozent), Brot und Getreideerzeugnissen (plus 21,1 Prozent) sowie Gemüse (plus 20,1 Prozent).

    Prognose: Inflation 2023 bei rund sieben Prozent

    Erstmals seit Juli schwächte sich die Jahresinflation wieder etwas ab. Im Sommer hatten zeitlich befristete Maßnahmen wie das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt den Preisauftrieb gedämpft. Viele Ökonomen rechneten zuletzt aber erst im Frühjahr mit einem deutlicheren Rückgang der Jahresteuerung.
    Bundesbankpräsident Joachim Nagel geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland auch im kommenden Jahr hoch bleibt.

    Ich halte es für wahrscheinlich, dass im Jahresdurchschnitt eine Sieben vor dem Komma stehen wird.

    Jochen Nagel zum Jahr 2023

    Entlastungspakete sollen Druck rausnehmen

    Die Bundesregierung will die Belastungen für Verbraucher und Unternehmen durch die hohen Energiepreise mit milliardenschweren Entlastungspaketen abfedern. Dazu zählen auch die ab kommendem Jahr geplanten Gas- und Strompreisbremsen. Im Dezember gibt es eine einmalige Soforthilfe für Gas- und Fernwärmekunden. Sie müssen in diesem Monat keinen Abschlag zahlen. Die Kosten übernimmt der Bund.
    Teuerungsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern wurden Raten um die zehn Prozent und darüber Anfang der 50er Jahre gemessen. Allerdings hat sich die Berechnungsmethode im Laufe der Zeit geändert.

    Notenbanken mit Zinserhöhungen

    Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich inzwischen mit einer Serie von Zinserhöhungen gegen die hohe Inflation im Euroraum. Eine weitere Anhebung wird bei der Sitzung des EZB-Rates an diesem Donnerstag erwartet.
    Die Währungshüter streben für den gemeinsamen Währungsraum der 19 Länder mittelfristig Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. In Deutschland lag der für die Geldpolitik der Notenbank maßgebliche Index HVPI im November um 11,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
    Quelle: dpa

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