Handwerkspräsident warnt vor Insolvenzwelle bei Betrieben

    Forderung nach staatlicher Hilfe:Handwerkspräsident warnt vor Insolvenzwelle

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    Energiekrise und Preissteigerungen gehen bei vielen Handwerksbetrieben an die Substanz. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer warnt vor einer Pleitewelle - und fordert Hilfe.

    Hans Peter Wollseifer, aufgenommen am 06.07.2022
    In Sorge um viele Betriebe wegen der Energiekrise: Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. (Archivbild)
    Quelle: imago

    Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, fordert angesichts von Preissteigerungen rasche staatliche Hilfe für Betriebe.
    Vor allem für energieintensive Betriebe habe sich die Lage dramatisch verschärft, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Vielen steht das Wasser inzwischen bis zum Hals", so Wollseifer.

    Und diese Betriebe gehen unter, wenn ihnen nicht schnell ein Rettungsring aus direkten und unbürokratischen Härtefallhilfen zugeworfen wird.

    Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer

    Betriebe machen Verluste mit Aufträgen

    Zeitverzögerte Maßnahmen reichten nicht, betonte Wollseifer. "Um eine Insolvenzwelle im Handwerk zu verhindern, muss die Unterstützung jetzt kommen. Und sie muss für die betroffenen Betriebe einfach zu beantragen sein."
    In einer aktuellen Befragung des ZDH zu den Folgen des Ukraine-Kriegs mit fast 4.200 teilnehmenden Betrieben berichteten klagten 87 Prozent über gestörte Lieferketten und gestiegene Beschaffungspreise.
    Bestehende Aufträge würden unwirtschaftlich: 70 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie mit Aufträgen faktisch Verluste erzielten.

    Vielen Betrieben fehlen schlicht die Mittel, um eine solche Durststrecke zu überstehen.

    Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer

    Seit 130 Jahren existiert der Porzellan-Hersteller Eschenbach in Thüringen. Nun muss er trotz guter Auftragslage seinen Betrieb aufgrund der hohen Energiekosten schließen.08.09.2022 | 1:51 min

    Handwerker fordern Flexibilität bei öffentlichen Aufträgen

    Die allermeisten Betriebe (88 Prozent) berichteten von gestiegenen Kosten für Strom und Wärme seit Jahresbeginn, und zwar im Mittel um 62 Prozent. Besonders im Lebensmittel- und Kfz-Handwerk ist dies laut Umfrage ein Problem.
    Nur die wenigsten konnten den Kostenanstieg komplett an ihre Kunden weitergeben, 70 Prozent gaben an, dies zumindest teilweise zu können, 27 Prozent gar nicht. Das liege unter anderem an fehlender Zahlungsbereitschaft von Kunden, der Bindung an bestehende Verträge und starkem Wettbewerb von Konkurrenten.
    Inflation in Deutschland (inkl. Nahrung und Energie)
    ZDFheute Infografik
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    Wollseifer forderte eine stärkere Nutzung sogenannter Preisgleitklauseln bei öffentlichen Aufträgen. Diese machen es möglich, Preise für Waren oder Dienstleistungen im Nachhinein an gestiegene Kosten anzupassen.
    Während der Bund die Nutzung bei Bauaufträgen möglichst flächendeckend verlange, sei die Nutzung in Ländern und Kommunen noch lückenhaft, ermittelte der ZDH. Nötig sei auch mehr Flexibilität bei Fertigstellungsfristen, so der Verband.

    Habeck will Notprogramm auf weitere Branchen ausweiten

    Energieintensive mittelständische Unternehmen sollen nach dem Willen von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) so schnell wie möglich neue Zuschüsse für ihre Gas- und Stromkosten erhalten.

    Nun kommt es aber entscheidend darauf an, wie schnell wir uns in der Bundesregierung einigen und die Umsetzung schnell auf den Weg bringen können.

    Wirtschaftsminister Robert Habeck

    Möglicherweise könnten die Zuschüsse auch rückwirkend ab September gewährt werden. Habeck hat für Dienstag rund 40 Mittelstandsverbände zu einem digitalen Gipfel eingeladen, bei dem vor allem über eine Ausweitung des aktuellen Rettungsschirms gesprochen werden soll.
    Vor allem will Habeck bestehende Förderinstrumente so öffnen, dass neben Industrie auch Handwerk und Dienstleistungssektor profitieren.

    Wollseifer fordert: "Härtefallhilfe" schnell umsetzen

    Handwerkspräsident Wollseifer begrüßt diesen Schritt.

    Doch nun kommt es darauf an, dass es nicht bei einer Ankündigung bleibt, sondern diese Härtefallhilfe schnell so umgesetzt wird, dass betroffene Betriebe sie in diesem und im kommenden Jahr nutzen können.

    Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer

    Darüber hinaus brauche es eine Abfederung der Energiekosten für kleine und mittlere Betriebe über eine Energiepreisbremse und eine Senkung der Energiesteuern auf die europarechtlich zulässigen Mindeststeuersätze.
    Der Staat könne aber nicht jede Kostensteigerung ausgleichen, betonte das Wirtschaftsministerium. Habecks Energiekostendämpfungsprogramm unterstützt Unternehmen, die stark gestiegene Energiekosten wegen des internationalen Wettbewerbs nicht an ihre Kunden weitergeben können.
    Je stärker ein Unternehmen von den hohen Energiekosten betroffen ist, desto höher soll der Zuschuss ausfallen. Zudem müsse laut Ministerium ein Anreiz gesetzt werden, Gas einzusparen. Habeck plant, die Zuschüsse bis mindestens April 2024 verlängern.

    Inflation
    :So teuer wurden Verkehr und Essen im Oktober

    Das Tanken war so teuer wie noch nie, die Lebensmittelpreise ziehen ebenfalls an. Wie hoch die Inflation bei einzelnen Produkten ist - der Überblick in interaktiven Grafiken.
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