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Daimlers Abwärtskampf

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Källenius' erste Bilanz - Daimlers Abwärtskampf

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Daimler-Chef Källenius muss bei seiner Jahresbilanz einen drastischen Gewinneinbruch vermelden. Der Stern des Autobauers ist angekratzt - es gibt viele Baustellen.

Der Mercedes-Stern. Symbolbild
Noch alles Hochglanz? Mercedes Benz.
Quelle: Federico Gambarini/dpa

Das Beste oder nichts - das war der alte Leitsatz von Gründervater Gottlieb Daimler, werbewirksam wiederbelebt 2010. Stolz waren sie in Stuttgart - auf sich, ihre Autos, ihre Unternehmenskultur. Und das wollten sie transportieren: Nicht arrogant, wie Ex-Chef, Dieter Zetsche damals sagte, sondern als "Versprechen an den Kunden".

So groß ist der Druck auf Källenius

Viel ist zehn Jahre später davon nicht übrig geblieben: Der neue CEO Ola Källenius steht unter Druck. In Sachen E-Mobilität geht es nicht voran, die nötigen Einsparungen sollen vor allem über Personalabbau erbracht werden. Daimler, einst ein Vorzeigeunternehmen, ist angeschlagen.

Daimlers Jahresbilanz 2019

Seit Mai 2019 ist der neue Vorstandsvorsitzende im Amt - und kämpft seither mit dem, was sein Vorgänger Dieter Zetsche ihm hinterlassen hat: Elektroflaute, drohende Strafzahlungen als CO2-Sünder, mangelnde Kostendisziplin und das Diesel-Desaster. Baustellen, für die - so sagen Analysten - Ola Källenius bisher keine wirklichen Lösungen hat.

Elektro-Offensive kommt nicht in Schwung

Stolz war man "beim Daimler", den Trend E-Mobilität früh erkannt zu haben - und beteiligte sich am Start-up Tesla. Die Anteile konnte man gewinnbringend verkaufen - eigene Aktivitäten aber kamen nur schleppend voran. Während Wettbewerber wie BMW oder VW eigens konstruierte Elektroautos anbieten, hat Mercedes nur auf Batterie umgebaute Autos im Angebot, mit entsprechend geringen Verkaufszahlen. Birgit Priemer, Chefredakteurin AutoMotorSport, meint: "Man hätte sicherlich in der Vergangenheit deutlich mehr Druck machen können, und man hätte sicherlich auch im Bereich der Brennstoffzellentechnologie weiter sein können, weil Daimler sehr früh dran war, damals. Jetzt haben wir andere Marken wie Toyota und Hyundai, die schon solche Autos anbieten. Und Mercedes hat im Prinzip einfach nur eine Kleinserie, die für den Normalverbraucher gar nicht erhältlich ist."

Dabei wäre das für die Stuttgarter Autobauer wichtiger denn je, müssen sie doch für ihre Flotte die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß drastisch senken. Eine Vorgabe der EU-Kommission. Wer die nicht erfüllt, muss Strafe zahlen. Für Daimler, das mit schweren Limousinen und SUVs sein Hauptgeschäft macht, eine besondere Herausforderung. Denn deren hoher Ausstoß muss mit mehr E-Autos wettgemacht werden. Es drohen milliardenschwere Zahlungen nach Brüssel.

Daimler hat einen massiven Stellenabbau angekündigt. Zuvor hatten das auch schon Audi und BMW getan. Eine Branche im Umbruch – eine Einschätzung von Börsen-Expertin Valerie Haller.

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Daimler hat ein Kostenproblem

Strafzahlungen, die die trübe Bilanz weiter verhageln könnten. Dreimal schon musste Daimler seit Beginn der Amtszeit Källenius eine Gewinnwarnung aussprechen. Der operative Gewinn ist 2019 um die Hälfte auf 5,6 Milliarden Euro eingebrochen. Noch nicht eingepreist sind die Kosten für die Aufarbeitung des Dieselskandals.

Personaleinsparungen sollen es jetzt unter anderem richten. Gerade in der Verwaltung, so Kritiker, gebe es ein Kostenproblem. Allerdings: Für die deutschen Standorte gibt es bis Ende 2029 eine Beschäftigungsgarantie, ausgehandelt noch von Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche. Das, so sagen Experten, fessele auf lange Sicht die Geschäftsleitung.

Wie kann Daimler am Personal sparen?

Klar ist also: Personalkosten können neben natürlicher Fluktuation nur über Abfindungen, Altersteilzeit oder vorzeitigen Ruhestand eingespart werden. Davon betroffen sind ausschließlich Verwaltung und Führungskräfte. Die Belegschaft in der Produktion, so verlautet aus Betriebsratskreisen, ist von den aktuellen Personalmaßnahmen nicht betroffen.

Ab Anfang April soll es individuelle und verbindliche Gespräche über mögliche Lösungen geben - doppelte Freiwilligkeit vorausgesetzt. Der Abbau von Stellen allein ist jedoch nicht ausreichend. "Wir müssen uns auch Prozesse und Strukturen anschauen", so heißt es. Auch Zahlen seien nicht vereinbart worden - weder das Einsparvolumen noch die Zahl der davon betroffenen Mitarbeiter.

Ola Källenius – ein Chef unter Druck

Für Ola Källenius also könnte es ungemütlich werden. Zwar gilt der hochgewachsene Schwede als umgänglicher, zugewandter Chef, damit aber kann er weder Investoren noch Aktionäre gewinnen. Um in der Öffentlichkeit zu punkten und ein deutliches Signal Richtung Nachhaltigkeit zu setzen, raten ihm Experten etwa, sich aus der Formel Eins zu verabschieden. Das aber lehnt Källenius, selbst Fan von schnellen Autos, bisher ab.

So oder so: Auch um internen Kritiker entgegenzutreten, muss Källenius Daimler klarer positionieren. "Ich glaube was es jetzt wirklich dringend braucht, ist, dass jetzt mal ein Plan gezeigt wird." So sieht es die Chefredakteurin der Zeitschrift AutoMotorSport, Birgit Priemer. "Wohin will dieses Unternehmen? Für was steht Ola Källenius langfristig? Was sind seine eigenen Ideen? Wohin wird sich Mercedes entwickeln? Das ist, glaube ich, in dieser Umbruchsituation hin zu neuen Antriebskonzepten, ganz wichtig."

Die Autorin ist Redakteurin im ZDF-Studio Stuttgart.

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