Neues Jahressteuergesetz: Wo sich 2023 Steuern sparen lassen

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    Jahressteuergesetz verabschiedet:Wo sich im neuen Jahr Steuern sparen lassen

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    Der Bundestag hat einen ganzen Strauß an Steueränderungen durchgewunken. In welchen Bereichen das Vorteile bedeutet und wo es auf Steuererhöhungen hinauslaufen wird: ein Überblick.

    Mit dem Jahreswechsel ändert sich auch steuerlich einiges. Photovoltaik, Immobilienerbschaften oder der eigene Arbeitsplatz - wo Sie in diesem Jahr noch Steuern sparen können, verrät Ihnen unser Service.28.11.2022 | 2:31 min
    Der Bundestag hat am Freitag des Jahressteuergesetz verabschiedet. Steuerbefreiungen, Anhebungen von Freibeträgen und ähnliche Maßnahmen sollen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler im kommenden Jahr um 3,16 Milliarden Euro und bis 2026 um rund 6,9 Milliarden Euro entlasten. Das steht drin im Gesetz:

    Was wird aus der Homeoffice-Pauschale?

    Die wegen der Corona-Pandemie eingeführte Homeoffice-Pauschale wird entfristet und von bislang fünf auf sechs Euro pro Tag angehoben. Sie wird mit der Pauschale für das häusliche Arbeitszimmer bei der Steuererklärung in einer Tagespauschale von sechs Euro (bisher fünf) zusammengeführt. Sie kann außerdem für bis zu 210 Tage in Anspruch genommen werden (vorher 120 Tage). Der Höchstbetrag, der so steuerlich geltend gemacht werden kann, steigt demnach auf 1.260 Euro.
    Die Vorgaben für das häusliche Arbeitszimmer, um von der Pauschale zu profitieren, werden außerdem gelockert. Der Steuerabzug ist nun unabhängig davon möglich, ob die Tätigkeit in einer Arbeitsecke oder im häuslichen Arbeitszimmer erfolgt und unabhängig davon, ob ein anderer Arbeitsplatz etwa im Firmenbüro existiert.

    Welche Frei- und Entlastungsbeträge werden angehoben?

    Der Steuerfreibetrag für Kapitaleinkünfte wird erhöht. Alleinstehende müssen künftig auf Einnahmen etwa aus Zinsen und Dividenden bis 1.000 Euro - und Paare bis zu 2.000 Euro - keine Einkommenssteuer zahlen. Bislang lag der sogenannte Sparer-Pauschbetrag bei 801 und 1.602 Euro. Darüber hinaus steigt der Arbeitnehmerpauschbetrag für Werbungskosten von 1.200 auf 1.230 Euro und der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende um 252 Euro.
    Erhöht wird auch der Ausbildungsfreibetrag für volljährige Kinder, die nicht mehr im Elternhaus wohnen und sich in der Ausbildung befinden: von 924 Euro auf 1.200 Euro.
    Debatte im Bundestag zum zum Jahressteuergesetz 202214.10.2022 | 43:52 min
    Schon im Oktober hatte der Bundestag über das Jahressteuergesetz gesprochen - sehen Sie hier die Debatte im Plenum:

    Was wird aus der Rente?

    Ausgaben für die Altersvorsorge sind ab kommendem Jahr vollständig steuerlich absetzbar. Damit soll eine doppelte Besteuerung vermieden werden. Bislang war dies erst ab 2025 vorgesehen. Außerdem wird der Grundrentenzuschlag rückwirkend zum 1. Januar 2021 steuerfrei gestellt.

    Ab wann können neue Wohngebäude abgeschrieben werden?

    Die Abschreibung von neuen Wohngebäuden wird beschleunigt. Damit werden alle Gebäude grundsätzlich über einen Zeitraum von 33 Jahren abgeschrieben. Die Maßnahme soll bereits für ab Januar fertiggestellte Wohngebäude gelten. Dafür wird der sogenannte lineare AfA-Satz für die Abschreibung von Wohngebäuden von zwei auf drei Prozent erhöht.

    Im Mietwohnungsbau wird die Sonderabschreibung fortgeführt, die aber an klimafreundliches Bauen gekoppelt wird. Für vier Jahre können jeweils fünf Prozent der Herstellungskosten steuerlich abgesetzt werden, wenn der sehr hohe Standard des Energieeffizienz-Hauses 40 eingehalten wird und die Baukosten nicht über 4.800 Euro pro Quadratmeter liegen.

    Wie kann die Steuer auf Zufallsgewinne in der Energiekrise helfen?

    Unternehmen in der Erdöl-, Erdgas-, Kohle- und Raffineriewirtschaft sollen einen auf die Wirtschaftsjahre 2022 und 2023 befristeten Beitrag in der Energiekrise leisten. Damit wird eine EU-Vorgabe umgesetzt. Gewinne, die im Vergleich zu den Vorjahren den Durchschnittsgewinn um 20 Prozent übersteigen, werden mit 33 Prozent besteuert. Die auf eine bis drei Milliarden Euro geschätzten Einnahmen sollen zur Finanzierung der Strompreisbremse für Verbraucher beitragen.

    Habeck zu Preisbremse
    :Haushalte müssen sich "um nichts kümmern"

    Bundeswirtschaftsminister Habeck weist Befürchtungen zurück, die geplante Gas - und Strompreisbremse werde zu kompliziert. Haushalte und Firmen müssten sich "um nichts kümmern".
    Berlin: Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Vizekanzler und Bundesminister fu·r Wirtschaft und Klimaschutz

    Dürfen die Ersparnisse durch die Gaspreisbremse behalten werden?

    Bei Privatpersonen mit höheren Einkommen wird ein Teil der Entlastungen durch die Soforthilfe im Dezember sowie die Gas- und Wärmepreisbremse wieder eingesammelt. Dies soll nur Steuerzahlende betreffen, die auch den Solidaritätszuschlag noch zahlen. Für sie erhöht sich das zu versteuernde Einkommen um die Entlastungen.

    Dies wird als sozialer Ausgleich gewertet, da höhere Einkommen auf die Entlastungen weniger angewiesen seien. Es wird mit Einnahmen von etwa 850 Millionen Euro gerechnet. Vorgesehen ist auch eine Steuerpflicht der Energiepreispauschale für Rentner und Pensionäre.

    Lässt sich mit erneuerbarer Energie sparen?

    Einnahmen aus kleineren Solaranlagen sind rückwirkend ab Jahresanfang 2022 steuerfrei. Ab 2023 entfällt für Kauf und Installation von Photovoltaik-Anlagen bis zu einer Leistung von 30 Kilowatt und Stromspeichern die Umsatzsteuer von 19 Prozent. Dies soll die Solarwende auf Privathäusern fördern.

    Auf Wunsch der Bundesländer ist die Steuerbefreiung aber nicht auf Solaranlagen auf Wohngebäuden begrenzt. Photovoltaikanlagen bis zu 15 Kilowatt auf überwiegend zu betrieblichen Zwecken genutzten Gebäuden profitieren ebenfalls.

    Müssen Erben mehr bezahlen?

    Die Übertragung von Immobilienvermögen - etwa durch Schenkungen und Erbschaften - könnte teurer werden. Änderungen im Bewertungsgesetz können dazu führen, dass bei der Wertermittlung einer Immobilie der steuerliche Wert ab Jahresanfang 2023 höher angesetzt werden muss. Ziel ist eine verkehrswertnähere Bewertung. Im Ergebnis könnten Erbschaft-, Schenkung- und Grunderwerbsteuer höher ausfallen.

    Wie sollen künftig Klimageld & Co ausgezahlt werden?

    Erstmals wird ein direkter Auszahlungsweg für die Möglichkeit staatlicher Hilfen unter Nutzung der steuerlichen Identifikationsnummer geschaffen. Dazu soll die Steuer-ID mit einer hinterlegten Bankverbindung verknüpft werden. Gedacht ist dies für künftige staatliche Leistungen wie zum Beispiel ein Klimageld, Einmalzahlungen in Krisensituationen oder auch Nothilfen bei Naturkatastrophen.
    Quelle: AFP, Reuters

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