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Das Rätsel um Klaus-Dieter Fritsche

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Ex-Geheimdienstmann - Das Rätsel um Klaus-Dieter Fritsche

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Was macht Ex-Geheimdienstkoordinator des Kanzleramts und Ex-Wirecard-Lobbyist Klaus-Dieter Fritsche für das österreichische Innenministerium? Ein Rätsel. Linke fordern Aufklärung.

Klaus-Dieter Fritsche
Klaus-Dieter Fritsche
Quelle: dpa

Über 20 Jahre war Klaus-Dieter Fritsche ein Mann der Geheimdienste. Einer der wichtigsten sogar - zuletzt als Staatssekretär im Kanzleramt unter Angela Merkel, bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand im März 2018.

Doch Fritsche setzte sich nicht zur Ruhe - sondern nutzte seine alten Kontakte fortan als Lobbyist. Zum Beispiel für Wirecard, das mittlerweile für den größten Betrugsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte steht.

Und 2019 für das österreichische Innenministerium unter dem damaligen Ressortchef, FPÖ-Mann Herbert Kickl. Dessen Ministerium sollte Fritsche beim Umbau des Verfassungsschutzes beraten. Schon damals hatte das Bundeskanzleramt kein Problem mit der Nebentätigkeit des Geheimdienstträgers Fritsche.

Im Wirecard-Skandal soll geklärt werden, wieso der Bilanzbetrug des Konzerns nicht früher aufgefallen ist. Mitschuld trifft nach ZDF-Informationen indirekt auch das Finanzministerium.

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Eine neue Nebentätigkeit beantragt…

Bislang dachte man, die Tätigkeit von Fritsche sei mittlerweile beendet. Doch ein Schreiben des Kanzleramts an den Finanzausschuss, das dem ZDF exklusiv vorliegt, zeigt erstaunliches: Im Mai dieses Jahres beantragte Fritsche erneut eine Nebentätigkeit für das österreichische Innenministerium. Sie umfasse "die weitere Beratung bezüglich der Reform der Aufbau- und Ablauforganisation im österreichischen Bundesamt für Verfassungsschutz".

… von der niemand etwas weiß

Und hier beginnt das Rätsel. Eine Anfrage des ZDF beim Kanzleramt ergibt, dass man die Nebentätigkeit derzeit immer noch prüfe. Herr Fritsche sei um weitere Angaben zu der Tätigkeit gebeten worden.

Was soll, was will der deutsche Ex-Geheimdienstmann in Wien tun? Nachfrage beim österreichischen Innenministerium. Dort weiß man von nichts: Eine weitere Beratung sei, schreibt ein Sprecher, "meines Wissens nicht in Planung". Erneute Rückfrage im Kanzleramt: Was das nun bedeute? Erneut die Antwort: man habe Fritsche um weitere Angaben gebeten, die bislang jedoch nicht vorlägen.

Linke: Schleunigst für Klarheit sorgen

Der Linken-Abgeordnete Fabio de Masi zeigt sich gegenüber dem ZDF verärgert: Offenbar, sagt er, habe niemand einen Plan, was ein Geheimdienstträger so treibe: "Fritzsche war für einen ausländischen Nachrichtendienst unter einem FPÖ-Minister tätig, dann war er Lobbyist für Wirecard. Das Kanzleramt hatte damit kein Problem. Jetzt soll er angeblich wieder beim österreichischen Innenministerium anheuern - in Österreich weiß man aber davon nichts." Schleunigst, fordert de Masi, solle das Kanzleramt hier für Klarheit sorgen.

Dem Autor auf Twitter folgen: @fneuhann

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