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Klimaerwärmung - Die Klimaschutzpläne deutscher Konzerne

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Die Unternehmen treiben ihre Klimaschutzpläne voran. Auch, weil Aktionäre und Kunden das fordern. Was die Branchen gegen die Klimaerwärmung planen - ein Überblick.

Photovoltaik-Anlage vor dem Braunkohlekraftwerk in Boxberg
Photovoltaik-Anlage vor dem Braunkohlekraftwerk in Boxberg
Quelle: imago/Rainer Weisflog

"Es ist sehr deutlich geworden, dass die verschiedenen Branchen und Unternehmen sich auf den Weg machen", sagte auch Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth bei der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. [Wie es um die Klimaerwärmung steht, zeigt das ZDFheute-KlimaRadar.]

Hier einige Beispiele für die Pläne der Konzerne:

Stahlindustrie - bis 2030 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent senken

Thyssenkrupp will in der Stahlproduktion bis 2030 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent senken und bis 2045 klimaneutral sein. Dafür will der Konzern ab 2025 Hochöfen durch neue Anlagen ersetzen, die zunächst mit dem Einsatz von Erdgas und dann mit Wasserstoff Stahl erzeugen. Die Kosten beziffert das Unternehmen bis 2030 auf 2,2 Milliarden Euro und bis 2045 auf insgesamt sieben Milliarden Euro. Hierzu seien Fördermittel notwendig.

in der Stahlindustrie fliegen die Funken
Verbraucht viel Energie: die Stahlindustrie
Quelle: dpa

Die Wirtschaft macht nach den Worten von Konzernchefin Martina Merz bei der Transformation Tempo. In der Industrie hätten die allermeisten verstanden, dass die Stunde geschlagen habe, sagt sie. "Natürlich gibt es immer ein paar Idioten, klar, aber das sind wirklich wenige." [Was passiert, wenn im Klimaschutz nichts passiert: Diese Kipppunkte bedrohen das Erdklima.]

Automobilindustrie - bis 2050 CO2-neutral

Europas größter Autobauer Volkswagen will bis 2050 CO2-neutral werden, sowohl bei den Fahrzeugen als auch in der Produktion. Um den Bedarf an Akkus für die steigende Zahl an E-Autos zu decken, wollen die Wolfsburger mit Partnern in Europa sechs Batteriezellwerke hochziehen. Der Strom, mit dem die Autos geladen werden, soll möglichst klimaschonend erzeugt werden. Der CO2-Ausstoß in der Produktion, der kurzfristig nicht vermieden werden kann, wird durch zertifizierte Klimaschutzprojekte ausgeglichen.

Die Tochter Porsche strebt CO2-Neutralität bis 2030 an, obwohl sie sich von PS-starken Verbrenner-Modellen nicht verabschieden will. Bis 2030 sollen mehr als 80 Prozent des Absatzes der Sportwagenschmiede E-Autos oder Hybridwagen sein. Daimler hat sich das Ziel gesteckt, bis 2039 die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz Cars CO2-neutral zu machen.

Ein Schritt ist die Umstellung der gut 30 eigenen Mercedes-Werke für Pkw und Vans weltweit auf klimaschonende Fertigung - vor allem durch den Einsatz von Grünstrom, der zum Teil selbst über Photovoltaik erzeugt wird. Mehr als 100 Standorte in Deutschland werden mit erneuerbarer Energie versorgt. [Was die Klimaerwärmung mit der Erde anstellt - hier Hintergründe dazu.]

BMW ist als erster deutscher Autobauer der Science Based Targets Initiative (SBTi) beigetreten und setzt sich damit Ziele, die in Einklang mit der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad stehen. Seit Ende 2020 bezieht BMW für die Produktion ausschließlich Grünstrom, die verbliebenen CO2-Emissionen werden über entsprechende Maßnahmen ausgeglichen. Der CO2-Ausstoß je Fahrzeug soll bis 2030 um mindestens 40 Prozent reduziert werden - von der Produktion bis zum Verschrotten.

Transport und Logistik - ab 2025 Bahnhöfe nur noch mit Grünstrom

Die Deutsche Bahn will bis 2040 klimaneutral werden. Ab 2025 sollen Bahnhöfe, Büros und Werke ausschließlich mit Grünstrom versorgt werden. Dafür nimmt die Bahn auch immer mehr Wind- und Solarparks direkt unter Vertrag. Bis 2038 sollen alle Züge des größten Stromverbraucher Deutschlands ausschließlich mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien fahren. Zudem wird die Wärmeversorgung umgestellt und fossile Energie wie Heizöl und Erdgas schrittweise abgelöst.

Als Staatsunternehmen setzt die hochverschuldete Deutsche Bahn auf Hilfe ihres Eigentümers. Schon die bisherige Bundesregierung hat milliardenschwere Hilfen in Aussicht gestellt. Auch von einer neuen Ampel-Koalition kann der Konzern auf Unterstützung hoffen. [Was die mögliche Ampel-Koalition plant.]

Frankfurter BAhnhof
Die Deutsche Bahn plant Klimaneutralität bis 2040.
Quelle: ZDF

Die Lufthansa will bis 2030 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2019 halbieren und bis 2050 eine neutrale CO2-Bilanz erreichen. Vor der Corona-Krise im Jahr 2019 beliefen sich die CO2-Emissionen des Flugbetriebs der Lufthansa-Gruppe auf 32,8 Millionen Tonnen. Der Kerosinverbrauch kann derzeit vor allem durch die Modernisierung der Flotte mit sparsameren Flugzeugen gesenkt werden.

Die Deutsche Post will alle Emissionen bis 2050 netto auf null reduzieren. Der Konzern investiert sieben Milliarden Euro in grüne Technologien mit dem Ziel, zunächst die Emissionen von 33 Millionen Tonnen im Jahr 2020 auf unter 29 Millionen Tonnen im Jahr 2030 zu senken. Dazu soll unter anderem der Anteil von E-Fahrzeugen in der Zustellflotte auf 60 Prozent bis 2030 steigen, in der Luftfracht will die Post auf nachhaltige Flugzeugkraftstoffe setzen.

Chemie - Milliarden in Klimafahrplan investiert

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF will bis 2050 klimaneutral sein. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 sinken. Zu dem Klima-Fahrplan von BASF gehören auch Investitionen von bis zu vier Milliarden Euro. Bis zu einer Milliarde davon sind bis 2025 geplant, weitere zwei bis drei Milliarden bis 2030.

Für einzelne Projekte will BASF auch Fördergelder beantragen. Nach 2030 dann muss BASF noch mehr Geld in die Hand nehmen; Vorstandschef Martin Brudermüller rechnet mit mehr als zehn Milliarden Euro. Der Konzern arbeitet zudem an Verfahren zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff und will sich an Windparks beteiligen.

Energie - Strategie auf Erneuerbare, Speicher und Wasserstoff

Der Energiekonzern RWE hat nach eigenen Angaben seine CO2-Emissionen zwischen 2012 und 2020 um 60 Prozent gesenkt, bis 2030 soll der Ausstoß beginnend ab 2012 um mindestens 75 Prozent gesenkt werden. Bis 2040 will RWE klimaneutral sein. Die Strategie sei klar auf Erneuerbare, Speicher und Wasserstoff ausgerichtet.

RWE hat seine letzten beiden Steinkohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt. Bei der Braunkohle sollen Ende des Jahres drei weitere Blöcke im Rheinischen Revier vom Netz gehen. Der Konzern investiert Milliardensummen in den Ausbau der Erneuerbaren Energien - allein in den Jahren 2020 bis 2022 netto fünf Milliarden Euro.

Der Temperaturanstieg auf der Erde muss schnell gebremst werden. Ein grafischer Blick auf die CO2-Hauptverursacher, das Klimaabkommen von Paris und Probleme des Emissionshandels - mehr im Video:

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Technologie - Milliarden-Einsparungen durch weniger Energieverbrauch

Der weltweit größte Autozulieferer und Technologiekonzern Bosch arbeitet an seinen weltweit über 400 Standorten seit 2020 klimaneutral. Hebel dabei sind Energieeinsparungen und der Einsatz von Strom aus erneuerbaren Quellen. Die noch anfallenden CO2-Emissionen werden durch Carbon Credits kompensiert.

Im vergangenen Jahr waren das 0,9 Millionen Tonnen - oder 28 Prozent der Emissionen des Basisjahres 2018. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 15 Prozent sinken. In die eigene CO2-Neutralität steckt Bosch zwei Milliarden Euro bis 2030, rechnet zugleich aber mit Einsparungen von einer Milliarde Euro durch weniger Energieverbrauch.

Telekommunikation und Software - voll auf grünen Strom

Der Bezug von 100 Prozent regenerativem Strom stellt bei der Deutschen Telekom einen wesentlichen Baustein zur Erreichung des Klimazieles dar, bis 2025 klimaneutral bei den direkten und indirekten Emissionen zu sein. Bis spätestens 2040 will der Konzern entlang der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein.

SAP will bereits bis 2023 klimaneutral sein. Um das zu erreichen, werde - wenn möglich - auf Reisen verzichtet oder versucht, den CO2-Ausstoß mit Hilfe umweltfreundlicher Methoden zu reduzieren.

Die Rechenzentren arbeiten mit grünem Strom und bis 2025 soll ein Drittel der Autoflotte aus Elektrowagen bestehen. Europas größter Online-Modehändler Zalando will 2021 etwa 50 Millionen Euro in Nachhaltigkeitsprojekte investieren, insbesondere in CO2-Reduzierung oder in umweltschonende Verpackungen.

Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen das Ziel erreicht, Strom komplett aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Dafür wurden unter anderem Logistikzentren mit Solaranlagen und grünen Technologien ausgestattet. Im eigenen Geschäft sowie in den Lieferungen, Retouren und Verpackung arbeite Zalando klimaneutral.

Schifffahrt - setzt auf Flüssiggas

Die weltweit fünftgrößte Containerreederei Hapag-Lloyd will bis 2030 die CO2-Intensität der eigenen Containerschiffflotte um 60 Prozent im Vergleich zu 2008 senken. Seit 2020 fährt die Flotte mit schwefelarmem Treibstoff und emittiert dadurch nach Angaben des Konzerns rund 70 Prozent weniger Schwefeloxide im Vergleich zu 2019. Die Firma hat als erste Reederei weltweit ein Großcontainerschiff auf einen Dual-Fuel Antrieb umgerüstet, der mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden kann.

Zudem hat die Firma zwölf neue Schiffe in Auftrag gegeben, die mit LNG fahren können, wodurch sich der CO2-Ausstoß um 15 bis 25 Prozent reduzieren lasse. Bei 39 Schiffen sei im Jahr 2020 durch das Entfernen von Bewuchs an den Außenhüllen rund 15 Prozent Treibstoff eingespart worden.

Eine Kurve des weltweiten Temperaturanstiegs steht neben einem stilisierten Thermometer vor einem Satellitenbild der Erde.
Grafiken

ZDFheute-KlimaRadar - Daten zum Klimawandel im Überblick 

Seit Ende der 1980er Jahre verändert sich das Klima drastisch. Im KlimaRadar von ZDFheute finden Sie einen stets aktuellen Überblick über die wichtigsten Zahlen.

von Michael Hörz, Moritz Zajonz
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