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Schafft die Luftfahrt die Klima-Wende?

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Fliegen ohne Schadstoffe - Schafft die Luftfahrt die Klima-Wende?

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Fliegen soll klimaneutral werden, verspricht die Branche. Öko-Kerosin soll dabei der Schlüssel sein. Eine Herkulesaufgabe – auch, weil die Passagierzahlen weltweit explodieren.

Der Luftverkehr ist maßgeblich verantwortlich für die Erderwärmung und nimmt gleichzeitig rasant zu. Deshalb sucht die Branche nun nach Wegen Fliegen klimaneutral zu machen.

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Die Branche meint es ernst: Flugzeuge sollen in der Zukunft einmal fliegen ohne Treibhausgase wie Kohlendioxid auszustoßen. Bis 2050 sollen die Emissionen in der Luftfahrt gegenüber 2005 mit Hilfe großer Investitionen und neuer Technologie halbiert werden, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) am Donnerstag in Berlin. "Wir gehen davon aus, dass Anfang der 30er Jahre die ersten größeren Flugzeuge für Nahstrecken am Markt sind, für die Sie und ich ein klimaneutrales Ticket lösen können", so BDLI-Hauptgeschäftsführer Volker Thum. Das langfristige Ziel sei völlige Klimaneutralität in der Luftfahrt.

CO2-Ausstoß auf null

Ein großes Ziel, das aus Sicht von Klimaforschern aber alternativlos ist. Um die Erderwärmung auf die im Pariser Vertag anvisierten 1,5 Grad zu begrenzen, müsste die Menschheit den CO2-Ausstoß bis 2050 sogar auf null bringen, rechnete der Weltklimarat (IPCC) in einem Sonderbericht 2018 vor. Gerade der Verkehrssektor ist davon weit entfernt. Auch die Luftfahrt.

Das große Problem: Die Zahl der Flugpassagiere ist weltweit am Explodieren. Noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts waren es laut der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO gerade mal rund eine Milliarde Passagiere, inzwischen ist längst die 4-Milliarden-Grenze überschritten. Nach einer Schätzung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnten es 2040 bereits 9,4 Milliarden Passagiere sein. Die Folge: Der Bedarf an Kerosin würde wohl deutlich steigen und damit auch die Treibhausgas-Emissionen. 

Niedrigere Emissionen

Zumindest technisch ist das Vorhaben, klimaneutral zu fliegen, aber gar nicht mal unrealistisch. Schon heute sind die Emissionen von Treibhausgasen pro Flugkilometer um ein Vielfaches niedriger als in den 70er Jahren. Moderne Flugzeuge werden immer sparsamer, leichter und damit effizienter. Modelle wie der Airbus A320neo und der A350 XWB senken den Verbrauch laut BDLI gegenüber dem Vorgänger um 15 beziehungsweise 25 Prozent. Kerosin kostet viel Geld. Das Interesse der Airlines am Spritsparen ist deshalb schon allein aus wirtschaftlichen Gründen groß.

Luft nach oben ist auch beim Optimieren von Flugrouten. Gemeint ist damit nicht nur, solche zu wählen, bei denen Kerosin gespart werden kann. Es geht auch um das Problem der Wolkenbildung in großer Höhe. Kondensstreifen können sich in Schleierwolken verwandeln, die das Klima zusätzlich aufwärmen in dem sie vom Boden abgestrahlte Wärme reflektieren. Durch gut gewählte Routen, könnte das Problem zumindest verringert werden.

Alternative Kraftstoffe

Um Klimaneutralität zu erreichen, müssten die Flugzeugbauer aber entweder an den Antrieb ran oder aber es muss ein emissionsfreier Kraftstoff her. E-Turbinen für große Passagierjets sind wegen ihrer geringen Energiedichte und zu kurzer Reichweiten bisher unvorstellbar. Anders sieht es mit alternativen Kraftstoffen aus. Aus Pflanzen oder Fetten hergestelltes Kerosin wurde und wird vereinzelt bereits erfolgreich beigemischt. Oft steht die Produktion von Bio-Kerosin aber im Konflikt mit Anbauflächen für Nahrung.

Die Branche setzt deshalb für die Zukunft vor allem auf PtL-Kerosin. PtL steht für "Power to Liquid", ein synthetischer Kraftstoff, der unter Verwendung von erneuerbarer Energie aus Kohlendioxid (CO2) und Wasser hergestellt wird. Ist genug Öko-Strom vorhanden und wird das CO2 aus der Luft gewonnen, dann ist das Kerosin klimaneutral. Ein Vorteil: Die Tank-Infrastruktur und die Turbinen der Flugzeuge müssten nicht angepasst werden. PtL könnte in beliebiger Menge beigemischt werden oder das fossile Kerosin gleich ganz ersetzen. Für die Branche perfekt auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Bisher nur Versuchsanlagen    

Aber: Bisher gibt es erst einzelne Versuchsanlagen, die PtL herstellen können, zum Beispiel bei Sunfire in Dresden. Die Raffinerie Heide soll in Zukunft den Flughafen Hamburg mit dem klimaneutralen Kerosin beliefern. Die produzierten Mengen sind aber noch verschwindend gering. Und das wird sich so schnell nicht ändern, sagt Prof. Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. "Wir haben zwar Demonstrationsanlagen, die schon für 2027 signifikanten Mengen an Treibstoff versprechen. Aber bis das Ganze großmaßstäblich umgesetzt werden kann, werden wir sicher 2030, 2035 haben".

Das liegt einmal daran, dass die Infrastruktur noch fehlt - etwa, um große Mengen Kohlendioxid aus der Luft zu filtern. Denn nur dann entsteht ein Kreislauf, bei dem kein neues CO2 in die Atmosphäre gelangt. Anlagen müssten gebaut, Technologien verfeinert werden. Zum anderen liegt es daran, dass es noch nicht ausreichend erneuerbaren Strom gibt. In Deutschland haben Wind, Solar und Co. einen Anteil am Energiemix von etwa 40 Prozent. Für die kostengünstige Produktion von PtL im großen Stil gibt es keine Überschüsse. "In Deutschland fehlt uns die Sonne", räumt auch Volker Thum vom BDLI ein.

Aber in Deutschland haben wir das Know-how. Das heißt: Wir erstellen hier Pilotanlagen und gehen davon aus, dass die Anlagen in Zukunft in sonnenreichen Regionen wie zum Beispiel der Sahara stehen.
Volker Thum, Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

Große Potenziale

Auch Fischedick ist in diesem Punkt optimistisch: "Die Potenziale der erneuerbaren Energien weltweit sind sicherlich groß." Allerdings spielten auch geopolitische Fragen eine Rolle und solche, die sich um den Wasserverbrauch und den eigenen Energiebedarf in den an Wind und Sonne reichen Ländern drehen. Eine Zukunftsvision also, hinter der noch viele Fragezeichen stehen. Bis es soweit ist mit dem klimaneutralen Fliegen, werden Umweltverbände wie Greenpeace, Germanwatch oder BUND weiter darauf hinweisen, dass Fliegen die klimaschädlichste Art der Fortbewegung sei. Sie fordern die Menschen dazu auf, so oft wie möglich auf dem Boden zu bleiben.

Doku: ZDFzoom - "Fliegen am Limit"

Überfüllte Flughäfen, Verspätungen, Flugausfälle. Das Chaos im Jahr 2018 wirkt nach. Und dann auch noch die Klimadiskussion. Reisen mit dem Flugzeug hat mittlerweile auch ein Imageproblem.

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