Brauereien geht Kohlensäure aus - einige drosseln Produktion

    Produktion teils gedrosselt:Brauereien geht die Kohlensäure aus

    18.09.2022 | 08:46
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    Brauereien und anderen Getränkeherstellern in Deutschland fehlt ein wichtiger Stoff: Kohlensäure. Einige drosseln bereits ihre Produktion. Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

    Bierproduktion (Archiv)
    Brauereien brauchen Kohlensäure vor allem, um Tanks, Flaschen und Fässer "vorzuspannen", damit das Bier beim Füllen nicht mit Luft in Kontakt kommt.
    Quelle: Rainer Jensen/dpa

    Deutschlands Getränkeindustrie fehlt es an Kohlensäure. Nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen CO2-Liefermengen sei verfügbar, schätzt die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Das bremst Brauer und Mineralwasserhersteller aus - einige Unternehmen fahren die Produktion bereits zurück.

    Verband: Kohlensäure für Ernährungsindustrie zentral

    "Äußerst besorgniserregend" sei die Entwicklung sagt Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund. Kohlensäure werde in der Ernährungsindustrie für Produktions- und Verpackungsprozesse dringend gebraucht. Sie sei auch in der Gastronomie nötig, um Bier und andere Getränke beim Zapfen aus den Fässern zu drücken.
    Kohlensäure entsteht durch die Reaktion von Kohlendioxid (CO2) und Wasser. Brauereien brauchen sie vor allem, um Tanks, Flaschen und Fässer "vorzuspannen", damit das Bier beim Füllen nicht mit Luft in Kontakt kommt und beim Abfüllen nicht schäumt. Viele Brauereien stellen auch alkoholfreie Getränke her, für die noch mehr Kohlensäure nötig ist.

    Weniger Düngemittel, weniger Kohlendioxid

    Dass viele Hersteller zurzeit weniger CO2 bekommen, als sie bestellt haben, liegt an der Düngemittelbranche.
    "Als die Gaspreise extrem gestiegen sind, haben die Hersteller von Düngemitteln ihre energieintensive Produktion zurückgefahren", sagt Tobias Bielenstein, der Sprecher der Genossenschaft Deutscher Brunnen. "Ein Nebenprodukt der Herstellung ist CO2." Der Zusammenhang ist also: weniger Düngemittel gleich weniger Kohlendioxid gleich weniger Kohlensäure.
    Auch sonst habe es im Sommer, wenn weniger Dünger hergestellt werde, immer mal Phasen mit Engpässen bei Kohlensäure gegeben. Diesmal sei es jedoch deutlich schlimmer.

    So eine Situation haben wir noch nie gehabt.

    Tobias Bielenstein, Genossenschaft Deutscher Brunnen

    Ob einzelne Hersteller die Produktion einstellen müssten, lasse sich nicht vorhersagen. "Aber wir sind extrem besorgt", so Bielenstein.
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    Brauerei Riegele: Lage hat sich verschärft

    Auch der Geschäftsführer der Augsburger Brauerei Riegele, Sebastian Priller, sagt, die Situation habe sich seit Sommerbeginn verschärft. So lange die Energiekosten hoch blieben, werde es zu einer weiteren Verknappung kommen.

    Wenn die Brauereien keine Kohlensäure mehr haben, kann nicht produziert werden.

    Sebastian Priller, Geschäftsführer der Brauerei Riegele

    Planen sei derzeit unmöglich. "Auf den Branchentreffen fragt jeder: Wo kriegst du deine Kohlensäure her? Hast du noch eine Quelle?" Es sei verrückt.
    Die Aktienbrauerei Kaufbeuren hat die Produktion schon eingeschränkt. "Seit vergangener Woche stellen wir keine Limonade mehr her", sagt Geschäftsführer Gottfried Csauth. Limonade brauche sehr viel Kohlensäure. Die Bierproduktion läuft aber weiter - trotz erheblicher Kostensteigerungen.

    Kohlensäure-Mangel trifft nicht alle gleich

    Der Engpass bei Kohlensäure bereitet nicht allen Unternehmen Probleme: So muss sich die Radeberger-Gruppe mit Biermarken wie Jever, Clausthaler oder Schöfferhofer noch keine Sorgen machen: "Da wir vornehmlich Gärungskohlensäure aus unserer eigenen Produktion in unseren Brauereien einsetzen, sehen wir kurzfristig kein Ausfallpotenzial."
    Auch bei den Mineralwasser-Herstellern sind manche nicht vom Kohlensäure-Mangel betroffen. So setzt Gerolsteiner Brunnen bei der Abfüllung seines Mineralwassers nach eigenen Angaben "ausschließlich natürliche Quellkohlensäure" ein.

    Brauer-Bund: "Täglich neue Hilferufe"

    Eichele vom Deutschen Brauer-Bund sieht allerdings die Gefahr, dass sich die Lage verschlechtern könnte. "Uns erreichen täglich neue Hilferufe aus der Branche."
    Die Bundesregierung müsse dringend Maßnahmen ergreifen, um eine bevorzugte Belieferung der kritischen Infrastruktur der Ernährungsindustrie mit bezahlbarem Kohlendioxid sicherzustellen. Vor allem müsse die eigentliche Ursache des CO2-Engpasses beseitigt werden: die explodierenden Energiepreise.

    Ökonomin Veronika Grimm
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    Quelle: dpa

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