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Aufenthaltsstatus von Migranten - Kolumbien setzt auf eine Willkommenskultur

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Das südamerikanische Land legalisiert den Aufenthaltsstatus von hunderttausenden venezolanischen Geflüchteten. Für den Kurs des rechten Präsidenten Ivan Duque gibt es Gründe.

Dutzende Venezolaner verlassen ihre Heimat (Archivbild)
Rund 5,5 Millionen Venezolaner haben in den letzten Jahren ihre Heimat verlassen. (Archivbild)
Quelle: Tobias Käufer

Soviel Lob ist Kolumbiens rechter Präsident Ivan Duque eigentlich nicht gewohnt: Papst Franziskus bedankte sich bei "den kolumbianischen Autoritäten" ausdrücklich für ihre Migrationspolitik.

Die Repräsentanz der Vereinten Nationen in Kolumbien schrieb auf Twitter: Dieser Akt der Solidarität werde es den Migranten und Flüchtlingen ermöglichen, Zugang zur Grundversorgung zu erhalten und sich in die Wirtschaft des Landes einzubringen. Antonio Vitorino, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kommentierte: "Die Entscheidung ist ein Beispiel für die Welt."

Gut 1,7 Millionen Venezolaner in Kolumbien

Tatsächlich ist der Vorstoß der rechtsgerichteten Regierung in Bogota, hunderttausenden illegalen venezolanischen Flüchtlingen im Land einen zehnjährigen legalen Aufenthaltsstatus zu verleihen, eine in ihrer Dimension historische Weichenstellung. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 900.000 der im Nachbarland Kolumbien lebenden 1,7 Millionen Venezolaner ohne gültige Aufenthaltspapiere im Land sind.

Die Entscheidung ist allerdings auch alternativlos, denn die überwiegende Mehrheit dieser Venezolaner wird so lange nicht zurückkehren, solange die von der UN und Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierte Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro in Caracas an der Macht bleibt. Ihr werden Folter, Mord und außergerichtliche Hinrichtungen vorgeworfen.

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Viele Fluchtursachen in Kolumbien

"Eine der Hauptursachen für die venezolanischen Migration ist die Wirtschaftskrise", sagt Maria Gabriela Trompetero, die an der Universität Bielefeld zum Thema der Kategorisierung von venezolanischen Migranten und Flüchtlingen durch den kolumbianischen Staat promoviert.

Das heißt, die höchste Inflation der Welt hindert einen großen Teil der Venezolaner daran, Lebensmittel und Medikamente kaufen zu können.
Maria Gabriela Trompetero

Hinzu komme politische Verfolgung und Verletzung der Menschenrechte derjenigen, die sich dem Regime Maduro widersetzen.

Diese Faktoren plus die Krise beim Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Wasser, Strom oder Benzin sowie die hohe Unsicherheit haben in den letzten fünf Jahren fast 5,5 Millionen Venezolaner gezwungen, das Land zu verlassen.
Maria Gabriela Trompetero

Legaler Aufenthaltsstatus: Kolumbien fördert Integration von Venezolanern

"Eines der Hauptprobleme für Venezolaner in Lateinamerika ist der Mangel an Dokumenten", sagt Trompetero. Die realen Kosten für einen Reisepass lägen etwa zwischen 100 und 200 Dollar, der Mindestlohn betrage aber nur etwa zwei Dollar im Monat.

Kolumbien übernimmt mit dieser Entscheidung die regionale Vorreiterrolle bei der Integration von venezolanischen Flüchtlingen und schafft langfristige Bleibeperspektiven.
Stefan Reith, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bogota

"Mit legalem Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zum Bildungs- und Gesundheitssystem können sich Flüchtlinge, die sich bislang illegal im Land aufhielten und oft in prekären und informellen Beschäftigungsverhältnissen ihr Auskommen suchen mussten, künftig stabile Existenzen aufbauen und einen nachhaltigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leisten", sagt Stefan Reith, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bogota.

Kritiker vermuten hinter Duques Entscheidung politisches Kalkül

Während Duque außenpolitisch für seinen Kurs viel Anerkennung erfährt, vermuten seine Kritiker allerdings ein anderes Kalkül hinter der Maßnahme. Bislang ist es der Regierung Duque weder gelungen, eine seit Jahren andauernde brutale Mordserie an hunderten Sozialaktivisten und Menschenrechtsverteidigern im eigenen Land zu stoppen noch konnte er einen effektiven Plan dagegen vorzulegen.

Venezuelas Präsident Maduro wirft Duque deswegen vor, er wolle mit seiner Entscheidung sein "Gesicht reinwaschen" und so vom eigenen Blutvergießen im Land ablenken.

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